Sissach
Wie ein Baselbieter Jungforscher den Tauben auf die Schliche kam

Am Sonntag gehört die Bühne im Museum.BL dem naturwissenschaftlichen Nachwuchs. Einer von ihnen ist der 19-jährige Taubenforscher Marius Müller aus Sissach. Er hat herausbekommen, dass Tauben nie auf dem direkt Weg nach Hause fliegen.

Andreas Hirsbrunner
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Der 19-jährige Marius Müller erforscht das Taubenleben
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und die Taube fliegt dasvon. Sie wird für den Heimweg einen Umweg wählen, hat Müller herausbekommen.
Marius Müller hat die Taube mit einem knapp 20 Gramm schweren GPS-Gerät versehen, so kann er ihren Flugweg nachvollziehen.
Der 19-jähriger Sissacher Marius Müller mit einem seiner Studienobjekte.
Marius Müller hat eine Maturaarbeit über die Tauben geschrieben. Er wollte deren Aktionsradius besser kennen lernen.

Der 19-jährige Marius Müller erforscht das Taubenleben

key/zvg

Die Naturforschende Gesellschaft Baselland wagt am kommenden Sonntag etwas Neues: Sie bietet zum ersten Mal jungen Naturwissenschaftern aus der Region im Kantonsmuseum in Liestal eine öffentliche Bühne, um ihre Arbeiten vorzustellen (Details s. Kasten). Einer, der diese Bühne nutzt, ist Marius Müller (19) aus Sissach. Er wird das Publikum in die Ergebnisse seiner Forschung rund um das Orientierungsverhalten von Brieftauben blicken lassen, die er im Rahmen seiner Maturarbeit vor etwas mehr als einem Jahr anstellte.

So viel sei schon jetzt verraten: Müller machte die überraschende Beobachtung, dass die Tauben nie auf der direkten Luftlinie heimflogen und fand Indizien, dass sie sich nebst ihren Kompasssystemen wie der Sonne und dem Geruchssinn auch an visuellen Merkmalen orientierten. Das waren Autobahnen, die Sissacher Fluh und am Ende des Heimflugs auch markante Gebäude in der Nähe des Taubenschlags.

Taubenforschen kein Kinderspiel

Der Weg zu diesen Ergebnissen war für Müller, der zuvor nichts mit Tauben am Hut hatte, nicht immer ganz einfach, aber bezeichnend für seine Altersklasse – er fand ihn via Internet. Dort sah er in einem Youtube-Film, wie sogenannte GPS-Logger an Katzen befestigt wurden, um deren Bewegungsraum nachvollziehen zu können. Müller: «Dabei kam mir die Idee, für meine Maturarbeit etwas Ähnliches mit Vögeln zu machen. Schliesslich landete ich bei den Brieftauben, weil sie etwas Mystisches an sich haben.»

Vielfältiges Programm

Beim thematischen Tour d' Horizont, den die Naturforschende Gesellschaft Baselland am Sonntag im Museum.BL am Zeughausplatz in Liestal anbietet, findet fast jeder etwas, das ihn interessiert. Denn Rosinenpicken, das heisst, nur einzelne Vorträge anzuhören, ist ausdrücklich erlaubt. Das Programm startet um 10.30 Uhr und dauert bis 17 Uhr mit einer Mittagspause mit Verpflegungsmöglichkeit. Alle Referenten stammen aus der Region. Corinne Singeisen referiert zum Thema Gletscher und Gebirgsbäche im Klimawandel (10.30 Uhr), Philipp Senn zu geologischen Tiefenlagern (11 Uhr), Roman Schmied zur Quantenmechanik (11.30 Uhr), David Senn zu Kleintierchirurgie (13.30 Uhr), Marius Müller zur Orientierung der Brieftauben (14 Uhr), Samuel Tschopp zu seiner Teilnahme an der Biologieolympiade in Singapur (14.30 Uhr), Julia Hunziker zu Pflanzendünger (15.30 Uhr), Victor Bättig zum Schutzfaktor bei Sonnencremen (16 Uhr) und Marie Dittmann zur Methanproduktion bei Wiederkäuern (16.30 Uhr). (hi)

Und bald fügte sich Puzzlestein an Puzzlestein: Müllers Biologielehrer und Maturarbeitsbetreuer Daniel Zwygart verschaffte ihm Kontakt zu seinem eigenen früheren Biologielehrer, der ein Taubenkenner ist, und dieser wiederum vermittelte Müller an einen Liestaler Taubenhalter. Gleichzeitig tat sich Müller eine Türe an der Universität Zürich auf, die ebenfalls mit GPS-Logger arbeitet. Von dort erhielt er schliesslich auch die knapp 20 Gramm schweren Gerätchen, die er an den Tauben befestigte.

Zeitaufwändige Arbeit

Doch was einfach tönt, war recht zeitaufwendig: Müller musste die Tauben vier Wochen lang mittels Attrappen an die Logger gewöhnen. Und er wollte nicht irgendwelche Tauben einsetzen, sondern solche, die eine gewisse Routine beim Überfliegen des Juras hatten. Denn sein Versuch war darauf angelegt, die Tauben aus dem Raum Niederbipp-Olten-Reiden über den Jura heim nach Liestal fliegen zu lassen. Dann kam die nächste Schwierigkeit: Der Akku des GPS-Loggers reichte über 20 Stunden. Übernachtete eine Taube unterwegs, was öfters vorkam, waren die Daten verloren.

Und weil Maturarbeiten am Liestaler Gymnasium während des Winterhalbjahres entstehen, hatte Müller auch noch mit Greifvögeln zu kämpfen. Denn für diese waren die Tauben während der Erhebungsphase im Herbst, als sich die Zugvögel bereits in den Süden verabschiedet hatten, willkommene Häppchen. Müller sagt: «Ich hatte Bedenken, dass meine Arbeit bachab geht. Aber schliesslich konnte ich mich vor allem auf die Daten von drei zuverlässigen Tauben stützen.»

Was diese drei im Detail geliefert haben, und was der junge Forscher, der ein Medizinstudium anpeilt, daraus kombiniert hat, bekommt das interessierte Publikum übermorgen zu hören. Nervös? «Nein, überhaupt nicht», sagt Müller schon wie ein alter Routinier.