Young Stage
Wie ein Basler im Handstand um die ganze Welt reisen kann

Home, Sweet Home. Der Basler Artist Florian Zumkehr kehrt aus den USA in seine Heimatstadt Basel zurück - und demonstriert dabei, was er alles an Künststücke auf Lager hat.

Muriel Mercier
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Florian Zumkehr zeigt sein Können vor dem Zelt. juri junkov

Florian Zumkehr zeigt sein Können vor dem Zelt. juri junkov

Die einen spielen mit 7 Jahren Fussball in einem Verein, andere Tennis, und wieder andere gehen ins Ballett. Florian Zumkehr begeisterte sich hingegen für Clowns, mutige Akrobaten und geheimnisvolle Zauberer. Vor 16 Jahren lernte der heute 23-Jährige im Quartier-Circus Bruderholz die Welt des Zirkus’ kennen – und lieben. Die Leidenschaft für Akrobatik packte ihn so, dass er sein Hobby kurzerhand zum Beruf machte.

Der Basler ist heute als Handstandartist weltweit unterwegs. Und dieser Tage erfüllt er sich einen grossen Wunsch: In Basel bei Young Stage, dem International Circus Festival, aufzutreten. «Bisher hat es zeitlich nie geklappt. Jetzt habe ich Ferien und die Gelegenheit beim Schopf gepackt, meine Akrobatennummer vor Heimpublikum zu zeigen.»

In Zwangsjacke auf Holzstuhl

Nicht umsonst spezialisierte sich Zumkehr in der Berliner Artistenschule, die er mit 15 für vier Jahre besuchte, für die Handstandakrobatik. Er habe jede Disziplin – von Jonglieren über Seilbalancieren – gelernt. «Den Handstand konnte ich am Besten und deswegen hat er mir am meisten Spass gemacht», lacht er. Nach der Ausbildung in Berlin flog der mittlerweile 20-Jährige nach Montreal (CA) und wurde dort für verschiedene Shows engagiert.

In seiner siebenminütigen Show bei Young Stage zeigt er unter anderen Kunststücke in einer Zwangsjacke und auf einem Holzstuhl. «Meistens machen Artisten den Handstand auf einem extra gebauten Apparat. Ich habe den Stuhl gewählt, weil jeder weiss, wie schnell man beim ‹Gaagele› das Gleichgewicht verliert.» Der Basler mag das Theatralische bei Auftritten, wie er betont. «Der traditionelle Zirkus gefällt mir nicht.»

Manchmal fühlt er sich einsam

Für ihn sei Akrobatik eine «kulturelle, visuelle Unterhaltungskunst» – also nicht klassisch, sondern modern. Genau diese Art Show zeigt Zumkehr derzeit mit seiner Gruppe «The seven fingers», mit der er seit Oktober vergangenen Jahres in den USA auf Tournee ist. «Wir führen nicht einzeln eine Nummer auf. Wir sind sieben Artisten und zeigen zusammen ein 90-minütiges Programm, in dem ich auch Klavier und Gitarre spiele.» Ein Instrument spielen zu können, sei in seinem Beruf sowieso von Vorteil. «Je mehr man als Artist kann, umso interessanter ist man und umso häufiger erhält man Engagements», sagt Zumkehr.

Mit «Traces», wie die Show der «Seven fingers» heisst, hat Zumkehr sein höchstes Ziel mit 23 Jahren bereits erreicht, gibt er zu. «Alles, was jetzt noch kommt, ist Bonus.» Als er nämlich im Jahr 2004 «Traces» zum ersten Mal live gesehen hatte, nahm er sich fest vor, eines Tages mit dieser Gruppe auf der Bühne zu stehen. Und siehe da: «Ende 2009 wurde ich vom Produzenten explizit angefragt.» Seit einem Jahr und noch bis im Oktober 2012 ist er mit diesem Programm in den USA unterwegs.

Warum es nie langweilig ist

Auch wenn er immer dieselben Kunststücke zeigt – bis jetzt waren es mit «Traces» bereits 193 Shows – werde es ihm nie langweilig. «Bei einem 90-minütigen Auftritt ist nie immer alles perfekt. Man muss immer wach sein und auf Zwischenfälle reagieren.» Einsam fühle er sich manchmal, wenn er von Hotelzimmer zu Hotelzimmer reise. Aber: «Ich lebe aus zwei Koffern und führe ein unabhängiges Leben. Und ich weiss, dass dieses Leben zeitlich begrenzt ist.» In ein paar Jahren könne er ja nicht mehr als professioneller Artist arbeiten. «Dann komme ich gerne wieder nach Basel zurück.»

Young Stage 21. bis 24. Mai, Rosentalanlage, Basel, www.young-stage.com