Tag der Wirtschaft
Wie wird Digitalisierung im KMU-Alltag umgesetzt?

Viel Betrieb in der St. Jakobshalle: Die Baselbieter Wirtschaftskammer lud zum «Tag der Wirtschaft», und mehr als 3000 Gäste, darunter viel Prominenz, folgten ihrem Ruf. Das Motto lautete «Digitalisierung in der Praxis».

Hans-Martin Jermann
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Mehr als 3000 Gäste liessen sich am «Tag der Wirtschaft» 2017 vom Donnerstag, 23. November, zum Thema «Digitalisierung in der Praxis» informieren.
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Die Tagung fand in der St. Jakobshalle statt.
Dabei zeigten Unternehmerpersönlichkeiten wie Bernhard Burgener den Besuchern aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik auf, wie sie die Digitalisierung ganz konkret in ihren Unternehmen umsetzen.
Es werde zwar viel über Digitalisierung gesprochen und berichtet, «aber anschauliche praktische Beispiele werden sehr wenige geboten», sagte Christoph Buser, Direktor der Wirtschaftskammer Baselland.
Wirtschaftskammerpräsident Andreas Schneider betonte: «Eigentlich wissen alle Unternehmerinnen und Unternehmer, dass sie über kurz oder lang nicht um die Digitalisierung herumkommen werden.»
Tag der Wirtschaft 2017
Die Grüsse der Baselbieter Regierung überbrachte zu Beginn der Veranstaltung Regierungspräsidentin Sabine Pegoraro.
Durch die Veranstaltung führte Rainer Maria Salzgeber

Mehr als 3000 Gäste liessen sich am «Tag der Wirtschaft» 2017 vom Donnerstag, 23. November, zum Thema «Digitalisierung in der Praxis» informieren.

Roland Schmid

«Bitte nicht die 750. Tagung zur Digitalisierung»: Moderator Rainer Maria Salzgeber bat die Organisatoren des Tags der Wirtschaft, für ihren Grossanlass in der Basler St. Jakobshalle doch ein anderes Thema zu wählen. Doch Wirtschaftskammer-Direktor Christoph Buser blieb standfest und überzeugte den SRF-Sportmoderator, der am Donnerstag zum fünften Mal unterhaltend durch die eher trockene Materie führte.

Es werde zwar viel über Digitalisierung gesprochen, doch anschauliche Beispiele aus der Praxis fehlten oft, sagte Buser. Seine Wirtschaftskammer lud deshalb Unternehmerpersönlichkeiten ein. Diese sollten vor den 3000 Gästen berichten, wie sie Digitalisierung in ihrem Betrieb umsetzen.

Etwa Bernhard Burgener, FCB-Präsident und Grossaktionär von Constantin Film. Deren neuester Streifen, die Teenager-Komödie «Fack Ju Göhte 3», hat an den deutschen Kino-Kassen in den letzten Wochen mehrere Rekorde gebrochen. Laut Burgener spielt dabei Facebook, und insbesondere die grosse Anzahl Follower von Hauptdarsteller Elyas M’ Barek eine wichtige Rolle. Burgeners Botschaft: «Wer Erfolg haben will, der muss nahe bei den Kunden sein.»

Mammut-Chef Oliver Pabst will die Schweizer Bekleidungsfirma zur weltweiten Digital-Leaderin in der Outdoor-Branche machen. Wie das geschehen soll, erklärte er mit einem Beispiel aus seinem Produkte-Portfolio. Künftig will Mammut für Skitourengänger nicht mehr «nur» Lawinensuchgeräte verkaufen, sondern diesen über digitale Kanäle auch lawinensichere Routen-Tipps geben und eine Plattform für Erfahrungsaustausch anbieten. Die Anfänge seien gemacht, sagte Pabst.

Drohne kann und soll nicht alles

Die Digitalisierung bringt weiten Bevölkerungsteilen mehr Komfort und Lebensqualität, löst zugleich aber auch Ängste aus, weil sie gewisse Jobs überflüssig macht. Claudia Pletscher, bei der Schweizerischen Post für digitale Geschäftsmodelle verantwortlich, versicherte aber, dass trotz Einsatz von Drohnen, autonomen Elektro-Postautos und selbstfahrenden Paket-Drohnen der traditionelle Pöstler und Postauto-Chauffeur nicht infrage gestellt sei. «Wir transportieren 18 Millionen Sendungen pro Tag. Würden wir diese alle über Drohnen abwickeln wollen, wäre der Himmel über der Schweiz schwarz.»

Wohltuend nüchtern wirkten die Worte von Kantonalbank-Chef John Häfelfinger: Technologie sei für ihn ein Mittel zum Zweck; im Vordergrund stünden die Kundenbedürfnisse. Er glaubt nicht, dass wegen der Digitalisierung die persönliche Beratung an Bedeutung verliere – im Gegenteil: «Es gibt kein ‹Entweder-oder›. Wir müssen beides ausbauen, die physische Nähe zu unseren Kunden als auch das digitale Angebot», betonte Häfelfinger.

In der anschliessenden Talkrunde relativierte Roman Schneider, Geschäftsleitungsmitglied der Schreinerei Schneider AG, die Bedeutung der Digitalisierung für die klassischen, gewerblich-handwerklich orientierten KMU. Vor allem auf der Ebene der Arbeitsprozesse böten die neuen Technologien einiges Potenzial. Anders bei den Produkten: «Ich überlege mir zweimal, ob ich ein Fenster entwickeln will, das sich per Smartphone öffnen und schliessen lässt.» Hier gelte es abzuklären, was der Kunde wirklich will, sagte Schneider.