Laufen
Wieder eröffnetes Gefängnis: So eng ist ein Spazierhof von anno 1912

Ab Freitag dient für ein Jahr das alte Untersuchungsgefängnis neben dem Amtshaus als Provisorium für elf Plätze. Ein Augenschein aus dem Gefängnis, das eigentlich vor 12 Jahren für immer stillgelegt wurde.

Boris Burkhardt
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Der «Spazierhof» mit 20 Quadratmetern macht dem Besucher die Bedeutung von Freiheitsentzug besonders deutlich.

Der «Spazierhof» mit 20 Quadratmetern macht dem Besucher die Bedeutung von Freiheitsentzug besonders deutlich.

Auf der Pritsche liegen das Bettzeug, Handtücher und Waschlappen ordentlich zusammengefaltet; im kleinen Holzregal stehen Zahnpasta und Duschgel. Es schaudert einen, wenn man in dieser nicht engen aber doch sehr kleinen Zelle mit den wasserfleckigen altersbeigen Wänden, dem jahrzehntealten Geruch und den winzigen Milchglasfenstern steht und daran denkt, dass dies kein Museum ist, sondern hier tatsächlich am Freitag im Laufe des Tages die ersten Untersuchungshäftlinge «einziehen» werden.

«Das Gefängnis Laufen wurde 1912 erbaut», sagt Projektleiter Thomas Bigler vom Baselbieter Hochbauamt fast entschuldigend. Damals hatte man bekanntlich noch eine andere Vorstellung vom Sinn und Wirken einer Haftstrafe. Auch Sicherheitsdirektor Isaac Reber, der gestern selbst das Provisorium im wiedereröffneten Laufener Gefängnis in Augenschein nahm, betonte: «Wir haben bewusst nur das Nötigste für ein Jahr Betrieb hergerichtet.»

Bis zur Fertigstellung des Muttenzer Strafjustizzentrums im Sommer 2014 dienen die elf Plätze in Laufen nun als Entlastung für die angespannten Platzverhältnisse in den Gefängnissen beider Basel. Dazu wurde das seit 12 Jahren stillgelegte Gefängnis in Laufen für 300'000 Franken reaktiviert.

Nur 20 Quadratmeter grosser Spazierhof

Nicht gespart wurde allerdings an den Sicherheitseinrichtungen, betonen Reber und Gefängnisleiter Gerhard Mann einstimmig: Kameras, Totmanngerät und Stahlgitter seien auf dem Standard der restlichen Baselbieter Gefängnisse. Rund um die Uhr ist Wachpersonal anwesend; die Betriebskosten belaufen sich auf 900'000 Franken. Im Erdgeschoss des Gebäudes sind zwei «Einvernahmeräume» für Ärzte, Sozialarbeiter oder ähnliche, der Wachraum und die Mitarbeiterküche; in den beiden Etagen darüber insgesamt neun Einzelzellen und eine Doppelzelle, ausserdem im ersten Stock das Besuchsräumchen. Die Gänge sind extrem eng.

Besonders wird einem die Bedeutung von Freiheitsentzug bewusst, wenn man den «Spazierhof» betritt, eine zugemauerte Terrasse im ersten Stock. Gerademal 20 Quadratmeter ist sie gross; nach oben hin ist sie mit Gittern und Plexiglas abgedeckt, die vor Regen schützen aber auch die Sonne kaum durchlassen. «Die grossen Gitter sind dafür da, dass niemand hinauskommt, die kleinen, dass nichts hineingeschmissen werden kann», erklärt Gefängnisleiter Mann.

Am Freitag sind drei U-Häftlinge angemeldet – «plus der Fang des Tages», wie Mann mit abgeklärtem Humor hinzufügt. Mit Laufen hat Baselland nun 93 Gefängnisplätze; im Provisorium werden vor allem Fälle der Staatsanwaltschaft Laufen unterkommen – aber nie mehr als ein Verdächtiger desselben Delikts, um Absprachen zu unterbinden.

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