Verkehrsstatistik
Wieder mehr Unfälle im Baselbiet – falsches Verhalten und Unaufmerksamkeit sind Hauptgründe

Im Baselbiet gab es letztes Jahr wieder mehr Unfälle. Das Rekordtief der Verkehrsunfälle im 2017 konnte die Baselbieter Polizei letztes Jahr nicht halten.

Kelly Spielmann
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Das Rekordtief der Verkehrsunfälle, das die Baselbieter Polizei 2017 ausweisen durfte, konnte letztes Jahr nicht gehalten werden. 2018 ist die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent angestiegen, auf insgesamt 1100 Unfälle. Man müsse zwar bedenken, dass man mit kleinen Zahlen operiere und deshalb wenige Vorfälle grosse Auswirkungen haben könnten, erklärte Verkehrspolizei-Chefin Stephanie Eymann an der gestrigen Medienkonferenz. «Trotzdem darf man die Sache nicht verharmlosen», betonte sie.

Denn besonders die Unfallursachen haben sich verändert: Nicht etwa der Zustand, sondern das Verhalten der Lenker war 2018 mit grossem Abstand die Hauptursache. 900 Unfälle, also 81 Prozent, lassen sich darauf zurückführen.

Handy am Steuer

Die häufigste Ursache in der Kategorie Verhalten fasst die Kantonspolizei unter «Fahren» zusammen. Dazu gehören mangelnde Rücksichtnahme beim Fahrstreifenwechsel, aber auch unvorsichtiges Rückwärtsfahren oder zu nahes Auffahren. «Ein grosses Thema», sagte Stephanie Eymann, «ist auch die Ablenkung.» Sie war 2018 die zweithäufigste Unfallursache.

Dazu gehört unter anderem das Telefonieren, im Baselbiet wie auch in anderen Kantonen ein grosses Problem. Aus diesem Grund hat sich die Kantonspolizei dieses Jahr dafür entschieden, sich bei den Präventionsanstrengungen auf das Thema Ablenkung zu fokussieren. Auch mit Kontrollen und Polizeipräsenz wolle man die Ablenkung am Steuer minimieren. «Aber es gibt Fahrer, die so stark abgelenkt sind, dass sie nicht einmal die Patrouille auf der Spur neben ihnen bemerken», sagte Eymann.

Der Zustand der Unfallverursacher ist mit 159 Unfällen der zweithäufigste Grund. Unfälle mit Hauptursache Alkohol nahmen um 13 Prozent zu. «Viele Autofahrer halten sich nicht mehr an die 0,5-Promille-Grenze», erklärte die Chefin der Verkehrspolizei. Nur 22 Unfälle wurden 2018 wegen Zustand, Unterhalt oder Ladung des Fahrzeugs verursacht, 12 aufgrund der Infrastruktur oder externer Einflüsse. Bei sieben Verkehrsunfällen mit Sachschaden konnte die Ursache nicht ermittelt werden.

Die Zunahme der Verkehrsunfälle führte im vergangenen Jahr hauptsächlich zu mehr Sachschäden. Ein Prozent mehr Personen wurden letztes Jahr verletzt – insgesamt waren es 611. Die Zahl der Verkehrstoten blieb im Vergleich zu 2017 mit fünf Personen stabil. «Das ist auf jeden Fall etwas, das wir im Auge behalten müssen», betonte Eymann. Auch auf dem Radar behalten wolle man die Unfälle, bei denen Senioren verletzt wurden. Insbesondere bei Unfällen mit Personenwagen gab es mehr verletzte Senioren: 2017 waren es 23, letztes Jahr 36. Auch die fünf getöteten Verkehrsteilnehmer waren über 65. Dass Senioren öfter für Verkehrsunfälle verantwortlich seien, sei aber ein Mythos. «Vom Alter her ist das relativ ausgeglichen.»

Drohne hilft bei Unfallräumung

Neben der Präventionsmassnahmen zur Ablenkung im Strassenverkehr ist ein weiterer Schwerpunkt der Baselbieter Polizei dieses Jahr die schnellere Unfallräumung. Dadurch können Staustunden gesenkt werden. Aber: 89 Prozent der Staustunden seien 2017 auf Verkehrsüberlastung zurückgegangen, Stau durch Unfälle verursacht nur einen Bruchteil der Wartezeiten. «Eine Staubeseitigung kann man von der Polizei nicht erwarten», sagte Eymann. «Aber die Faktoren, die wir beeinflussen können, wollen wir optimieren.»

Deshalb kommt seit vergangenem Oktober eine Drohne zum Einsatz. Sechs Drohnenpiloten wurden ausgebildet und arbeiten im Pikett-Dienst. Die Drohne wird jeweils bei Unfällen eingesetzt, damit sich die Polizisten vor Ort schneller einen Überblick verschaffen können. «Man sieht auf einen Blick, was passiert ist», erklärte Eymann. 2018 hatte die Drohne bereits vier Einsätze, dieses Jahr bisher drei. Wie viel Zeit bei der Unfallräumung durch die Drohne eingespart werden kann, wisse man noch nicht genau. «Wir sind gerade dabei, die Daten zu erheben», sagte Eymann.

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