Wiesentalbahn
Doppelspur auf der S6: Riehen befürchtet die Spaltung des Ortskerns

Damit jede Viertelstunde ein Zug ins Wiesental fahren kann, braucht es zwei statt wie bisher ein Gleis - und zwar mitten in Riehen. Dagegen wehrt sich jetzt der Gemeinderat mit allen Mitteln.

Tobias Gfeller
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Schon jetzt teilt die einspurige S6 die Gemeinde Riehen.

Schon jetzt teilt die einspurige S6 die Gemeinde Riehen.

Kenneth Nars

Der Viertelstundentakt auf der S-Bahnlinie 6 von Basel nach Zell im Wiesental ist seit Jahren ein breit abgestütztes Wunschszenario. Auch die Gemeinde Riehen arbeitete an möglichen Lösungen dafür mit. Doch nun geht der Gemeinderat in den Widerstandsmodus über.

Grund dafür sind veränderte Rahmenbedingungen. Weil der Zweckverband Wiesentalbahn vorhat, das für 2024 geplante neue Zentralklinikum in Lörrach mit einem zusätzlichen Halt zu bedienen, braucht es für die Realisierung des Viertelstundentaktes einen längeren Abschnitt mit einem Doppelspurausbau.

In erster Version blieb genügend Platz neben den Gleisen

Geht es nach einer Machbarkeitsstudie des Zweckverbandes Wiesentalbahn, soll der Doppelspurausbau mitten durch den Riehener Ortskern verlaufen. In der ursprünglichen Variante war der Doppelspurausbau zwischen dem Badischen Bahnhof und dem Bahnhof Niederholz in Riehen geplant. Dahinter stand auch die Gemeinde Riehen, weil beim dort bestehenden Bahntrassee genügend Platz für einen Ausbau vorhanden und der Einfluss auf den restlichen Verkehr gering wäre.

Für den Riehener Gemeinderat kommt die neue Variante aber nicht in Frage. Die Belastung durch die Schliesszeiten der Bahnschranken sei schon heute mit dem Halbstundentakt an der Grenze des für den Verkehr Erträglichen, mahnte der für Mobilität zuständige Gemeinderat Daniel Hettich (LDP) an einer extra einberufenen Medienkonferenz.

Es droht ein Szenario Schweiz gegen Deutschland

Kommt hinzu, dass der Platz zwischen Bettingerstrasse und Inzlingerstrasse auf einem Abschnitt von rund einem Kilometer für einen Doppelspurausbau gar nicht vorhanden wäre, da das einspurige Bahntrassee inmitten durch Häuserzeilen, entlang von Velo- und Fussgängerwegen und einer Baumallee schon heute stark eingeengt ist. Gemeindepräsident Hansjörg Wilde (parteilos) warnt:

«Bei einem Doppelspurausbau müssten sogar Private Eigentum an den Bahnausbau abgeben.»

Ein Doppelspurausbau mitten durch den historischen Ortskern würde das Dorf noch stärker teilen, als es das Bahntrassee schon heute mit einer Spur tut. Arbeiten die deutschen Gemeinden gegen Riehen? Hansjörg Wilde und Daniel Hettich machten keinen Hehl daraus, dass sie alles versuchen werden, um diese Option zu verhindern. Hettich selber hat im Grossen Rat bereits einen Vorstoss zum Thema eingereicht.

Der Gemeinderat sieht den Kanton Basel-Stadt in der Pflicht, Riehen in dieser Sache zur Seite zu stehen. Gerade Bau- und Verkehrsdirektorin Esther Keller (GLP) sei diesbezüglich gefordert. Der Kanton soll mithelfen, mögliche Alternativen zum Doppelspurausbau durchs Dorf aufzuzeigen. Auch die schon mehrfach geprüfte Tieferlegung des Bahntrassees sei eine Option, wenn auch nicht die erste, wie Wilde zu bedenken gibt.

National- und Ständerat einbeziehen

Der Riehener Gemeinderat prüft zudem juristisch, wie die Planungen verhindert werden können. Auch die Basler National- und Ständeräte könnten wenn nötig ins Boot geholt werden, wenn der Konflikt das Ausmass «Schweiz gegen Deutschland» annehmen würde.

Spielen die deutschen Städte und Gemeinden entlang der Wiesentalbahn Powerplay, wird es für Riehen sowieso schwierig. Dass die Gemeinde im Zweckverband nur Gastmitglied ist, zeigt, dass ihr Einfluss in dieser Sache beschränkt zu sein scheint. Deshalb fällt der Widerstand des Gemeinderats auch so dezidiert aus.

Die Botschaft ist klar:

«Wir sind weiterhin bereit, an Lösungen für den Doppelspurausbau mitzuarbeiten. Aber der jetzt angedachte Doppelspurausbau durch den historischen Dorfkern kommt nicht in Frage. Die Lösung für den Doppelspurausbau muss für alle erträglich sein.»

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