Steigende Gefahr
Wildwechsel in der Region: Autofahrer müssen jetzt besonders aufpassen

Im Kanton Baselland machen rund 80 fest installierte Hinweistafeln auf 440 Kilometern Kantonsstrassen die Autofahrer auf vermehrten Wildwechsel aufmerksam.

Simon Tschopp
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Eine Rehgeiss (rechts) mit ihrem Jungen. Bei Wildtierunfällen im Baselbiet werden sehr oft Rehe zu Tode gefahren. Archivfoto Walter Schwager

Eine Rehgeiss (rechts) mit ihrem Jungen. Bei Wildtierunfällen im Baselbiet werden sehr oft Rehe zu Tode gefahren. Archivfoto Walter Schwager

Archivfoto Walter Schwager

Herbst. Draussen ist es länger dunkel, Laub fällt auf die Strassen – und zahlreich sind Wildtiere unterwegs. Für Autofahrerinnen und -fahrer bedeutet das: erhöhte Aufmerksamkeit, besondere Vorsicht. Plötzlich springt ein Reh oder ein Fuchs auf die Strasse. Und schon ists passiert.

Im vergangenen Jagdjahr von April 2017 bis März 2018 wurden alleine im Baselbiet 634 Wildtiere im Autoverkehr getötet. Nie zuvor waren es so viele. «Das kann mit steigenden Wildtierpopulationen zusammenhängen, aber auch mit zunehmendem Verkehr», vermutet Holger Stockhaus, der Jagdverwalter des Kantons Baselland. Zudem gebe es Störfaktoren, die Tiere auf die Strasse trieben; der Druck der Erholungssuchenden im Wald sei hoch. «Schwierig zu sagen, ob diese Zahl ein Ausreisser oder eine Tendenz ist», meint Stockhaus.

Wildschweine sind geschickter

Am meisten trifft es Füchse, Dachse und Rehgeissen, weil viele von ihnen in unseren Wäldern daheim sind. Wildschweine sind zwar auch häufig, sie sind aber geschickter beim Überqueren von Strassen. «Ich habe schon Fotos gesehen, auf denen Wildschweine an einer gut befahrenen Strasse einfach stehen und warten», erzählt der Jagdverwalter. Diese Tiere gelten als intelligent und sind vor allem nacht- und nicht dämmerungsaktiv. Denn die Zeiten der Dämmerung fallen in der jetzigen Jahreszeit genau auf den Berufsverkehr mit hoher Verkehrsdichte.

Im Kanton Baselland machen rund 80 fest installierte Hinweistafeln auf 440 Kilometern Kantonsstrassen die Automobilisten auf vermehrten Wildwechsel aufmerksam. Laut Holger Stockhaus gibt es durchaus Bedarf, das Risiko an verschiedenen Stellen noch besser zu signalisieren. «Wir sind daran, dass es noch ein bisschen mehr wird.» Jagdgesellschaften stellen in Koordination mit dem Kanton auch temporäre Tafeln auf. Neuralgische Strecken befinden sich beispielsweise zwischen Liestal und Arisdorf, Liestal und Lupsingen im Oristal, zwischen Bubendorf und Hölstein sowie zwischen Muttenz und Pratteln. Überall, wo zügig gefahren werden kann und es viel Wald- und Feldanteile hat, steigt für Autofahrer die Gefahr von Unfällen mit Wildtieren.

Während der Jagdzeit, die momentan läuft, sind die Jäger dafür besorgt, dass sie die Tiere nicht in die Nähe von Strassen leiten, sondern davon weg. Mit entsprechender Beschilderung werden die Automobilisten gewarnt, wo gerade gejagt wird. Es sei aber nicht zu 100 Prozent auszuschliessen, dass einmal ein flüchtendes Tier im Strassenverkehr zu Schaden komme, sagt Stockhaus.

Meldepflicht nach Unfall

Hat eine Autofahrerin oder ein Autofahrer ein Tier über- oder angefahren, muss die Polizei benachrichtigt werden. «Wenn der Unfall der Polizei gemeldet wird, hat dies keine Konsequenzen», sagt Adrian Gaugler, Mediensprecher der Baselbieter Polizei. Wird dies jedoch unterlassen und die Person, die den Unfall verursacht hat, ermittelt, wird sie wegen pflichtwidrigen Verhaltens verzeigt und mit einer Busse bestraft. In einem solchen Fall begeht man nicht nur Fahrerflucht, sondern macht sich auch der Tierquälerei schuldig.

Gemäss Gaugler machen sich Unfallverursacher aber nur in Einzelfällen aus dem Staub. Sie ausfindig zu machen gelingt sehr selten. Über die Dunkelziffer kann die Polizei keine Angaben machen.