Windenergie
Windstille im Baselbiet: EBL bläst Windpark-Projekt auf dem Schleifenberg ob Liestal ab

Ein Windpark-Projekt auf dem Schleifenberg ob Liestal wird abgeblasen: Zwar sei der Wind stark genug und seien die Anlagen billiger geworden, doch sei die Finanzierung zu unsicher, teilte die Elektra Baselland mit. Daher werde das Projekt sistiert.

Hans-Martin Jermann
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Die EBL lässt das Projekt fallen. (Symbolbild)

Die EBL lässt das Projekt fallen. (Symbolbild)

KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Die Windenergie hat im Baselbiet einen schweren Stand: Die Elektra Baselland (EBL) legt ihr Windpark-Projekt in Liestal auf Eis, wie sie gestern Dienstag mitteilte. Bereits vor Monatsfrist wurde bekannt, dass der andere grosse Energieversorger im Kanton, die Elektra Birseck Münchenstein (EBM) in Liesberg vorerst keine Windräder aufstellt. Bereits vor längerer Zeit hat die EBL ihre beiden anderen Baselbieter Windenergie-Projekte in Reigoldswil und auf der Zunzgerhard abgeblasen.

Attraktiver Standort

Nun sistiert die EBL auch noch den verbliebenen Windpark auf dem nordöstlich des Kantonshauptorts gelegenen Schleifenberg. Dieser hätte mithilfe von drei Turbinen Strom für 4500 Haushalte erzeugen sollen. Grund für die Absage ist aber nicht etwa der Wind: Laut dem designierten EBL-Chef Tobias Andrist wurden auf dem Schleifenberg Geschwindigkeiten von durchschnittlich 5 Meter pro Sekunde gemessen – etwas mehr als erwartet.

Übersicht

So steht es mit den anderen Windkraft-Projekten

Im Baselbiet sind einzig die Vorhaben bei Schweizerhalle und auf der Challhöchi im Laufental noch im Rennen.
Beim Projekt in Schweizerhalle mit einer Turbine laufen gemäss Elektra Birseck in Münchenstein (EBM) derzeit Abklärungen betreffend Strassen und Autobahn, dies in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Strassen.

Für drei bis fünf Anlagen auf dem Meltingerberg wartet die EBM auf den Eintrag in den Kantonalen Richtplan von Solothurn. Auf der Challhöchi, welche die Gemeinden Burg, Röschenz und Kleinlützel tangiert, sehen die Industriellen Werke Basel (IWB) noch fünf Turbinen vor, nachdem das Energieversorgungsunternehmen ursprünglich von deren neun ausgegangen ist. Derzeit wird die Machbarkeit untersucht.

Vorerst kein Thema mehr ist das Windkraftprojekt in Liesberg. Die EBM hat Ende Mai mitgeteilt, dass sie es «mangels Wirtschaftlichkeit» sistiere. Nördlich der Salhöhe, im Grenzgebiet der Kantone Solothurn und Aargau, plant die Windpark Burg AG auf einer Jurahöhe vier Windenergieanlagen auf dem Gebiet der Gemeinde Kienberg, die an Anwil grenzt. (stz)

Zum Vergleich: Gemäss der Windenergiestudie des Kantons gilt ein Wert von 4,5 Meter pro Sekunde als unterster Grenzwert. In Deutschland sind onshore – also im Binnenland – Geschwindigkeiten von mindestens 6 Meter pro Sekunde die Regel, in Küstennähe und offshore liegen die Werte wesentlich höher.

Laut Andrist war auch der Standort attraktiv: «Es bestehen im Gebiet Schleifenberg gute Zufahrten. Wir müssten kaum neue Waldwege bauen.» Ins Netz einspeisen könnte die EBL den Strom via ihren Liestaler Hauptsitz, der von der Windanlage bloss drei Kilometer entfernt sei. Der Standort wäre also optimal, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind es hingegen nicht.

Andrist verweist auf die tiefen Strompreise sowie auf die langen Wartelisten und die unsichere Zukunft der Kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV). «Unter diesen Voraussetzungen kann eine Investition derzeit nicht angemessen verzinst werden», sagt Andrist. Dies, obwohl die Preise für Produktion und Wartung von Windanlagen zuletzt gesunken sind. Die EBL hätte für die drei Turbinen immerhin 30 Millionen Franken hinblättern müssen.

Politischer Widerstand

Weil sich die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ändern können, will die EBL nicht gleich aufgeben. Dasselbe gilt fürs Projekt der EBM in Liesberg (siehe Box). Auch sie verweist auf die geringe Chance, in den Genuss von KEV-Geldern zu kommen. Im Gegensatz zur EBL war man beim Münchensteiner Energieversorger aber von den Windmessungen enttäuscht. In Liesberg wurden durchschnittlich bloss 4,5 Meter pro Sekunde registriert.

Der Verein Wind-Still kommentiert mit Genugtuung das vorläufige Aus des Windparks auf dem Schleifenberg. «Die Erkenntnisse aus Liestal belegen einmal mehr, dass sich der Betrieb von industriellen Windkraftwerken in der Agglomeration Basel nicht rechtfertigen lässt», lässt sich Vorstandsmitglied Christoph Keigel in einer Mitteilung zitieren.

Die Windpark-Gegner mutmassen zudem, dass auch der Widerstand (unter anderem aus den Gemeinden Arisdorf und Füllinsdorf) zum Scheitern des Projekts beigetragen habe. Allerdings: Die Bürgergemeinde Liestal als Landeigentümerin hat grünes Licht zum EBL-Projekt gegeben.

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