Langenbruck
Wir haben es immer gewusst: Zum guten Leben gehört auch das Nichtstun

Was ist ein gutes Leben? Mit dieser Frage zieht der Verein Flying Science vom 29.Mai bis 1.Juni nach Langenbruck, um ihr auf den Grund zu gehen. Und weshalb das Nichtstun zum guten Leben gehört, erklärt Professor Friedemann Schmoll. Aufgepasst!

Milena Steiger
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«Chillen» nennt man neudeutsch die ebenso süsse wie wichtige Nichtbeschäftigung (Symbolbild)

«Chillen» nennt man neudeutsch die ebenso süsse wie wichtige Nichtbeschäftigung (Symbolbild)

KEYSTONE

Wissenschafter, Künstler und Spezialisten werden zum Thema «Das gute Leben» diverse Vorträge halten und die Frage nach dem guten Leben aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Das Projekt Flying Science Summer School startet morgen mit dem ersten Vortrag «Nichtstun – Variationen und Facetten eines produktiven Daseinszustands» von Friedemann Schmoll, Professor für Volkskunde an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Herr Schmoll, wieso befassen Sie sich mit dem Nichtstun?

Friedemann Schmoll: Heutzutage beschäftigt man sich nur noch mit dem «tätig sein». Doch was tun wir eigentlich, wenn wir nichts tun? Gibt es das Nichtstun? Dieses Thema interessiert mich und ich halte deshalb auch Seminare an der Universität.

Wovon handelt morgen Donnerstag Ihr Vortrag?

Zentral geht es um die Frage: Was tun die Menschen eigentlich beim Nichtstun? Ich werde den Zuhörern aufzeigen, wie unterschiedlich das Nichtstun sein kann. Es gibt ein unfreiwilliges Nichtstun, wenn beispielsweise jemand krank ist oder im Gefängnis sitzt, aber es gibt auch das freiwillige Nichtstun: meditieren, chillen oder tagträumen. Ich werde über die verschiedenen Facetten sprechen wie etwa die Langeweile oder die Faulheit und deren Doppeldeutigkeit erklären. Ist die Langeweile ein Zeitvertreib, oder braucht es sie, um einen leeren Kopf zu bekommen? Auch die Frage «Ist das Nichtstun eine verlorene oder eine schöpferische Zeit?» werde ich an meinem Vortrag behandeln.

Welchen Zusammenhang hat das Nichtstun mit dem guten Leben?

Aufgrund der Flexibilisierung gibt es immer mehr Übergriffe auf die Privatzeit: Die Gesellschaft ist rund um die Uhr verfügbar, die beruflichen Prozesse lassen kaum Zeit für das Nichtstun. Somit wird das Nichtstun von der beschleunigten Zeit, in der wir leben, verdrängt. Doch für ein gutes Leben braucht es Nichtstun.

Wie sieht Ihrer Meinung nach das gute Leben aus?

Ein gutes Leben ist für mich ein selbstbestimmtes Leben. Meist ist dies aber nur eine Illusion.

Das gute Leben - Den Vortrag präsentiert Friedemann Schmoll am Donnerstagum 14 Uhr in der ehemaligen Uhrenfabrik Revue Thommen in Langenbruck.

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