Im Sportmuseum entdeckt
«Wir haben schätzungsweise eine Million Bilder im Archiv des Sportmuseums»

Das Sportmuseum in Münchenstein birgt wahre Schätze. Die bz stöberte im Bestand des auf dem Dreispitz beheimateten Museums und stellte besondere Fundstücke vor. Gregor Dill, Leiter des Sportmuseums, zeigt im Interview sein persönliches Lieblingsbild.

Oliver Sterchi
Drucken
Teilen

Herr Dill, wie viele Bilder befinden sich im Archiv des Sportmuseums?

Gregor Dill: Ehrlich gesagt, wir wissen es nicht so genau. Aber wir schätzen, dass es so gegen eine Million sind. Jedoch handelt es sich dabei nicht ausschliesslich um Fotografien, sondern auch andere Abbildungen wie zum Beispiel Lithografien.

Diese Zahl ist wirklich beachtlich. Woher stammen denn all diese Bilder?

Das ist ganz unterschiedlich. Als das Sportmuseum Ende der 40er-Jahre gegründet wurde, waren es vor allem Privatsammler, die ihre Sammlungen dem Museum übergaben. Später kamen dann Bilder von Fotoagenturen oder Sportzeitschriften dazu. Zudem stellen uns viele Verbände wie zum Beispiel der Schweizer Turnverband ihre Bildbestände zur Verfügung.

Im Sportmuseum entdeckt (1): Die wahrscheinlich älteste Fotografie des Schweizer Sports: das 35. Eidgenössische Turnfest 1867 in Genf.
22 Bilder
Im Sportmuseum entdeckt (2): Bernhard Russi, der Abfahrts-Olympiasieger von Sapporo 1972, schlängelt sich für einmal durch die Slalomstangen.
Im Sportmuseum entdeckt (3): Wenn Zürcher Zürcher vom Feld fegen - der kleine GCK Lions schlägt den grossen ZSC anno 1966 mit 6:3.
Im Sportmuseum entdeckt (4): FCB-Fans in den 70er-Jahren.
Im Sportmuseum entdeckt (5): Der Star des Meeting 1966: Bob Seagren.
Im Sportmuseum entdeckt (6): Hugo Koblet, der «Pédaleur de Charme», gewinnt die sechste Etappe der Tour de Suisse 1950.
Im Sportmuseum entdeckt (7): Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld in voller Aktion bei einem Spiel mit dem FCB
Im Sportmuseum entdeckt (8): Die italienischen Gastarbeiter in der Schweiz feuern ihre Squadra Azzurra an.
Im Sportmuseum entdeckt (9): GC Zürich gegen RTV Basel - Das Städteduell im Feldhandball
Im Sportmuseum entdeckt (10): Die Ikone Meta Antenen mit dem perfekten Sprung.
Im Sportmuseum entdeckt (11): Die smashende Marie-Christine Erlacher
Im Sportmuseum entdeckt (12): Der schwedische Nationalspieler Ove Grahn trifft in der Nachspielzeit mit einem Volley zum 3:2-Siegtreffer die Basler mitten ins Herz.
Im Sportmuseum entdeckt (13): Die Skaterszene der Region Basel traf sich im Juni 1989 auf dem Marktplatz und lockte die Zuschauer an.
Im Sportmuseum entdeckt (14): 1958 braucht es noch zwölf Männer in weissen Hemden und schwarzen Hosen, um bei einem Leichtathletikmeeting die Zeit zu nehmen
Im Sportmuseum entdeckt (15): Die Turner feiern 1932 das 100-Jahr-Jubiläum des Eidgenössischen Turnfests (ETF).
Im Sportmuseum entdeckt (16): Ogi (links auf dem Foto, mit einem unbekannten Nordisch-Kombinierer im Windkanal von Emmen) führte ein hartes Regime - und hatte Erfolg damit.
Im Sportmuseum entdeckt (17): Der letzte «Böse» aus dem Baselbiet, Peter Vogt.
Im Sportmuseum entdeckt (18): Rekordtorschütze Eugen «Geni» Meier (links) und Köbi Kuhn.
Im Sportmuseum entdeckt (19): Die Schweizer konnten in London ihren vierten Europameistertitel feiern.
Im Sportmuseum entdeckt (20): General Guisan besucht am 1. August die Eidgenössische Turn- und Sportschule in Magglingen
Im Sportmuseum entdeckt (21): Wolodymyr Kuz erzielte 1954 den ersten Weltrekord auf Schweizer Boden.
Im Sportmuseum entdeckt (22): Der amerikanische Hürdenläufer Rod Milburn

Im Sportmuseum entdeckt (1): Die wahrscheinlich älteste Fotografie des Schweizer Sports: das 35. Eidgenössische Turnfest 1867 in Genf.

Zur Verfügung gestellt

Aus welchem Jahr stammt das älteste Stück in Ihrem Bestand?

Wir haben eine Bild vom Eidgenössischen Turnfest 1867 in Genf. Es ist die älteste Fotografie des Schweizer Sports. Aber wir haben auch Abbildungen, die bedeutend älter sind. Da wäre zum Beispiel ein Holzschnitt aus dem 16. Jahrhundert. Darauf sind verschiedene Turnübungen illustriert.

Wie werden die Bilder archiviert?

Standardmässig werden alle Abbildungen zunächst analog abgelegt. Im Rahmen einer Erschliessungsarbeit wollen wir aber die meisten Bilder digitalisieren. Das erleichtert die Recherche am Computer, weil man die Bilder dann auch nach anderen Kriterien als nur dem Textbeschrieb suchen kann. Zudem kann man die Bilder auch leichter via Internet zur Verfügung stellen. Da wartet aber noch eine Menge Arbeit auf uns. Nur ein Bruchteil des Archivs wurde bereits digitalisiert.

Welchen Einfluss hat die Sportfotografie auf die öffentliche Wahrnehmung des Sports an sich?

Da muss ich ein wenig weiter ausholen: mit der Erfindung des Fernsehens und - vor allem des Farbfernsehens - wurden Sportbilder unglaublich populär. Gleichzeitig erlebte auch der Sport an sich einen grossen Popularitätsschub. Es gibt da also eine interessante Parallele. Ich würde sogar behaupten, ohne das Sportfernsehen und die Sportfotografie gäbe es den Sport in seiner heutigen Popularität nicht. Sportbilder können zudem die öffentliche Wahrnehmung einer Sportart beeinflussen. Beispielsweise hat man heute das Gefühl, die 70er-Jahre seien die goldenen Jahre des Schweizer Skisports gewesen. Diese Wahrnehmung deckt sich aber überhaupt nicht mit den sportlichen Resultaten der Schweizer Skifahrer in jener Zeit. Damals schaute einfach die ganze Schweiz mangels Programmvielfalt die Skirennen am Fernsehen. Bernhard Russi in Farbe, das war das absolute Highlight. Daher rührt wohl diese verdrehte öffentliche Wahrnehmung des Schweizer Skisports.

Welches ist Ihr persönliches Lieblingsbild aus dem Archiv?

Mein Favorit ist eine Fotografie, das den späteren Bundesrat Adolf Ogi 1964 im Windkanal von Emmen zeigt. Dieses Bild erinnert daran, dass die Schweizer Sportidentität, die immer noch an dieser Skifahrerei klebt, aus einem Desaster heraus geboren wurde. Die Schweizer Skisportler gewannen an den Olympischen Winterspielen 1964 keine einzige Medaille. Es ging ein Aufschrei durchs Land und die Sache wurde sogar im Parlament diskutiert. Der Bund initiierte daraufhin das Sportförderprogramm J+S. Adolf Ogi stiess damals zum Skiverband, um frischen Wind in den Verein zu bringen. Und siehe da: 1970 wurde Bernhard Russi Weltmeister.