Seniorenzentrum Rosengarten
«Wir können die Bewohner nicht ewig einsperren»: Leiter des Laufner Altersheims spricht über aktuelle Lage

Im Laufner Altersheim starben zehn Bewohner an Corona. Der Heimleiter spricht über die schwierige Situation.

Dimitri Hofer
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Michael Rosenberg durchlebt als Heimleiter herausfordernde Zeiten.

Michael Rosenberg durchlebt als Heimleiter herausfordernde Zeiten.

Nicole Nars-Zimmer

In Altersheimen kann ein Ausbruch des Coronavirus fatal sein: In Birsfelden und in Laufen starben in den vergangenen Wochen viele Bewohnerinnen und Bewohner. Im Laufner Seniorenzentrum Rosengarten schlug das Virus mit voller Härte zu. Heimleiter Michael Rosenberg äussert sich zur aktuellen Lage und zur bevorstehenden Impfung.

Herr Rosenberg, in Ihrem Zentrum fielen zehn Personen dem Coronavirus zum Opfer. Wie ist die Stimmung im Altersheim?

Michael Rosenberg: Wir haben in den letzten Wochen viel Dramatisches erlebt. Trotzdem sind die Bewohner und Mitarbeitenden nicht völlig betrübt. In einem Altersheim ist der Tod etwas, mit dem man immer konfrontiert ist. Bei der letzten Umgebungstestung von 110 Personen, die wir vor wenigen Tagen durchgeführt haben, wurden noch ein Bewohner und eine Mitarbeiterin positiv getestet.

In einigen Wohngruppen ist es den Bewohnern wieder möglich, Besuch zu empfangen. Wäre es nicht vernünftiger, derzeit ganz auf Besucher zu verzichten?

Die Bewohner möchten Besuch empfangen können. Das wollen wir ihnen nicht verbieten, wenn es der Kantonsarzt wieder zulässt. Mit den Besucherzonen können wir den Besuch relativ sicher gestalten. Im ganzen Altersheim gilt Maskenpflicht – auch wenn die Bewohner mit den Angehörigen am Tisch sitzen. Dort soll der Abstand eingehalten und auf Händeschütteln und Umarmungen verzichtet werden. Bei allen Besuchern werden Fieber gemessen und Gesundheitsfragen gestellt, bevor sie die Bewohner treffen.

Ausgebrochen ist das Virus in der Demenzabteilung. Wieso ist es Ihnen dort nicht gelungen, eine starke Verbreitung zu verhindern?

Die Demenzabteilung ist ein wenig wie die Achillesferse eines Altersheims. Von den Bewohnern der Demenzabteilung kann nicht mehr erwartet werden, dass sie sich an die Abstandsregeln und sonstigen Massnahmen halten können, da sie es kognitiv nicht mehr aufnehmen können. Das grösste Problem war, dass mehrere später positiv getestete Personen keinerlei Symptome hatten.

Eine schärfere Beobachtung und stärkere Isolierung der Senioren war nicht möglich?

Sie können mir glauben: Wir taten und tun unser Möglichstes, um unsere Bewohner zu schützen. Aber wir haben es mit einem Virus zu tun, das sich erst zu erkennen gibt, wenn es schon da ist. Wir können und dürfen die Senioren nicht auf ewig einsperren. Das wäre ethisch nicht vertretbar.

Wie gestaltet sich der Austausch mit dem Kanton Baselland?

Wir stehen in Kontakt mit dem Kanton. Alle Fälle müssen gemeldet werden. Wenn jemand positiv getestet wird, muss er isoliert werden. Der Kanton bietet im Januar allen Heimen drei Termine an, um PCR-Tests durchzuführen. Bei uns werden alle Mitarbeitende mit Personenkontakt drei Mal getestet.

In Baselbieter Altersheimen wird nun geimpft. Wie sieht dies bei Ihnen aus?

Wir warten auf die Kontaktaufnahme und Bestätigung eines Termins. Wir haben bereits alle Bewohner sowie deren Vertretungen in medizinischen Fragen angefragt, ob sie sich impfen lassen wollen. Wir empfehlen, die Impfung unbedingt zu machen.

Wie werden Sie mit Mitarbeitern und Bewohnern umgehen, die sich nicht impfen lassen wollen?

Die Impfung ist freiwillig. Da können wir nicht viel machen. Wir können niemanden zwingen, sich impfen zu lassen.

Wird bei Mitarbeitenden, die sich gegen die Impfung aussprechen, der Kontakt zu Bewohnern eingeschränkt?

Nein. Das geht organisatorisch nicht. Den Mitarbeitenden empfehlen wir die Impfung ebenfalls. Die Schutzmassnahmen gelten trotz Impfung weiterhin.

2020 war für das Pflegepersonal ein sehr herausforderndes Jahr. Wie würden Sie die Gefühlslage in Ihrem Team beschreiben?

Die Belastung und Anspannung war in den vergangenen Monaten für alle Beteiligten sehr hoch. Wir haben sehr viel Aufwand betrieben, um das Virus fernzuhalten, und haben es trotzdem nicht geschafft.