Wochenkommentar
Wir müssen das Basler Modell für Wohlstand und Ausgleich erneuern!

Roche und Novartis investieren in der Region Basel Millionen in neue Infrastruktur, während ex-Novartis-Chef Daniel Vasella millionenhohe Beraterbezüge einheimst. Hat die Juso Recht mit ihrer 1:12-Initiative?

Hans-Martin Jermann
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Die JUSO wirbt vor dem Bundeshaus für die 1:12 Initiative (Archiv)

Die JUSO wirbt vor dem Bundeshaus für die 1:12 Initiative (Archiv)

Keystone

Die beiden grossen Basler Pharmakonzerne sorgten diese Woche für widersprüchliche Schlagzeilen: Roche will in Kaiseraugst für 100 Millionen Franken ein Ausbildungszentrum bauen. Dieses jüngste Projekt steht in einer Reihe von Grossinvestitionen in der Region: Roche ist gerade daran, in der Stadt für 550 Millionen Franken ein neues Bürohochhaus zu errichten. Konkurrent Novartis hat 2,2 Milliarden in seinen Campus gesteckt. Diese Investitionen stellen sowohl Bekenntnisse zum Standort Basel als auch Beweise für dessen Attraktivität dar.

Die zweite Meldung, die uns 24 Stunden später erreicht hat, dürfte einen allfälligen Werbeeffekt vier Monate vor der Abstimmung zur 1:12-Initiative zunichtegemacht haben: Mit 25'000 Dollar pro Tag soll der langjährige Novartis-Chef Daniel Vasella ab 2014 für seine Beratertätigkeit vergütet werden. Dies zeigt, dass sich der Novartis-Verwaltungsrat um die politische Stimmung in der Schweiz und um Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts foutiert. Die exorbitanten Honorare spielen den Juso in die Hände, die das Begehren für Obergrenzen bei Managerlöhnen lanciert haben. Die «Tageswoche» schrieb von einer «Liebesgeschichte» zwischen Vasella und den Juso.

Der spezielle Gemeinsinn in Basel

Die Juso fordern eine Debatte über Regeln, welche die Politik der Wirtschaft auferlegen soll. Diese Diskussion ist dringend zu führen. Im selben Zusammenhang muss auch erörtert werden, wer das Geld verdient, mit dem unsere Schulen, Infrastruktur und Sozialwerke finanziert werden. Jene Faktoren, welche die Lebensqualität für die Bevölkerung ausmachen und für Standortentscheide der Firmen bedeutend sind. Schade, wird die Debatte um Managerlöhne mit ideologischen Scheuklappen geführt.

Dabei existiert vor unserer Haustür eine Form des Gemeinsinns, die eine liberale Wirtschaftsordnung mit sozialer Verantwortung kombiniert: In Basel entspricht es einer langen Tradition, Unternehmern keine Steine in den Weg zu legen. Mit dieser Freiheit verbunden ist die eigenverantwortliche Verpflichtung der Reichen, Teile ihres Verdienstes der Allgemeinheit zurückzugeben. Ein Nebeneffekt: In Basel trinken Bankdirektoren und Arbeiter ihr Bier am selben Beizentisch.

Dieses Modell ist erfolgreicher denn je: Basel gilt als eine der innovativsten Wirtschaftsregionen weltweit. Expats und andere Zugezogene loben die hohe Lebensqualität. Das kulturelle Angebot sucht seinesgleichen. Das Modell wird aber durch zweierlei Kräfte gefährdet: durch abgehobene Wirtschaftskapitäne, die sich keinen Deut um sozialen Ausgleich scheren. Und durch Neid getriebene Politiker, die Unternehmen am Geld verdienen (und damit an der Sicherung unseres Wohlstands) hindern wollen. Treten wir den polarisierenden Kräften entgegen. Erneuern wir das auf Common Sense bauende Basler Modell.

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