Roxy Birsfelden
«Wir schmieren gemeinsam die Brötchen»

Das neue Roxy-Team zieht nach zwei Jahren Bilanz – und der neue Präsident des Birsfelder Vereins heisst Marc Joset.

Susanna Petrin
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Der neue Verwaltungsratspräsident Marc Joset (links) und Roxy-Intendant Sven Heier.

Der neue Verwaltungsratspräsident Marc Joset (links) und Roxy-Intendant Sven Heier.

Nicole Nars-Zimmer niz

Eine Blondine, ein Badetuch um den Körper geschlungen, kommt gerade aus der Dusche, als wir den oberen Stock des Roxy Birsfelden betreten. «Good Morning», sagt sie und huscht durch den Gang in ein Zimmer, ihr Zimmer. Zum Theater gehört seit einigen Monaten auch die Wohnung im obersten Stock des Hauses. Sie dient Künstlerinnen und Künstlern, die hier ihre Bühnenproduktionen erarbeiten oder verfeinern, als temporäres Zuhause. Und das Leitungsteam hat sich am Ende des Korridors ein Büro eingerichtet.

Ein lang gehegter Wunsch des neuen Teams ist damit wahr geworden. «Wir sind jetzt wirklich ein Produktionsort geworden», sagt Theaterleiter Sven Heier. «Ein lebendiges Gewusel» herrsche hier, nennt es Mediensprecherin Larissa Bizer. Vor allem während Festivals wie etwa Wildwuchs, das diesen Monat lief. Die Stimmung sei «extrem gut». Das wichtigste Anliegen des Teams: «Gastgeber sein, präsent sein.» Für Künstler und Publikum. Das bedeute auch, abends da zu sein und «gemeinsam die Brötchen zu schmieren».

Auslastung leicht gesteigert

Nach den Worten – wir haben uns zu einem informellen Gespräch getroffen – folgten an einer Medienkonferenz die Zahlen. Im Herbst 2013 haben Sven Heier, Larissa Bizer, Dramaturg Yves Regenass sowie der technische Leiter Benny Hauser ihre Arbeit aufgenommen. Zwei Saisons haben sie seither absolviert. Während der ersten liefen am Haus 31 Produktionen. Davon waren zehn «Home Made» – also von Baslern–, vier Koproduktionen, 15 Gastspiele sowie zwei Zusammenarbeiten mit der Gemeinde Birsfelden. Insgesamt hätten knapp über 4000 Zuschauer zwischen November 2013 und Juni 2014 das Haus besucht. Das entspreche einer Auslastung von 60,5 Prozent.

In der zweiten Spielzeit konnte das Roxy seine Auslastung auf 62,5 Prozent und die Zahl der Produktionen auf 47 steigern. 4775 Besucher schauten sich 100 Vorstellungen an. Neu zum Team gestossen sind Mitch Jann (Technik) und Oliver Roth (Kommunikation).

Neuer Präsident will mehr tun

Seit diesem Monat steht ein neuer Präsident an der Spitze des Trägervereins: Marc Joset löst Christine Ziegler ab. Joset war von 1999 bis 2014 für die SP im Baselbieter Landrat, war Mitglied der Bildungs- Kultur- und Sportkommission und präsidiert unter anderen den Verband Soziale Unternehmen beider Basel und den Verband «Bibliotheken Nordwestschweiz». Er verfügt über viel Erfahrung und ein grosses Netzwerk. Das will er nun fürs Roxy gewinnbringend nutzen. «Ich möchte die Netzwerke aktiver pflegen und auch meine Kolleginnen und Kollegen im Vorstand dazu animieren», sagt Joset. Die Ziele seien: Mehr Bekanntheit und mehr Sponsoren. Ausserdem soll bereits «das politische Feld für die nächste Subventionsverhandlung vorbereitet werden».

Das Theater Roxy ist gemäss Joset «die grösste private Kultur-Institution, die der Kanton unterstützt». Das verpflichte, gewisse Standards einzuhalten. Erst recht, seit nun Anfang Monat das neue Kulturförderungsgesetz in Kraft getreten ist. Inhaltlich werde sich der Verein selbstverständlich nicht in die Belange des Theaters einmischen: «Das künstlerische Leitungsteam leistet hervorragende Arbeit. Wir übernehmen nur die strategischen Aufgaben und möchten der Leitung so den Rücken freihalten.»

Neues Programm steht

«Im Roxy läuft grad der geile Scheiss.» Viele Leute, etwa in Zürich, sagten ihm, dass sie diesen Eindruck hätten, wenn sie sich den Spielplan anschauten, erzählt Dramaturg Yves Regenass. Hier können junge Theatermacher Neues ausprobieren. «Wir sind zum guten, verlässlichen Partner geworden», führt er aus, «gleichzeitig können wir extrem unkonventionell sein, weil wir klein und flexibel sind.» Manches geht schief, vieles gelingt. Und plötzlich schlage etwa eine Gruppe wie Markus & Markus ein «wie eine Rakete», werde von zahlreiche internationalen Festivals eingeladen. Die beiden Markusse sind Mitte September wieder hier zu sehen. Sie haben sich intensiv mit dem Thema Sterbehilfe auseinandergesetzt.

Das neue Programm steht. Die vielen Koproduktionen, sogar eine mit den Berliner Sophiensaelen, fallen auf. Stücke am Nachwuchsfestival Treibstoff werden die Saison eröffnen. Die Volksbühne Basel behält ihr Gastrecht, in der freien Szene bekannte Baslerinnen wie Corinne Mayer oder Ute Sengebusch werden hier Regie führen. Und wieder bekommen neben Theatermachern und Tänzern aus dem gesamten deutschsprachigen Raum zahlreiche lokale Nachwuchshoffnungen ein Chance. Das Risiko gehört zum Roxy.

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