Larifari
«Wir vergeben allen Journalisten»

Streitereien, Hochwasser und ein sinkendes Flüchtlingsschiff – das Prattler Jahr wurde in der satirischen Revue präsentiert.

Tobias Gfeller
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Das Larifari begeistert mit Posaunen...
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Prattler Vorfasnacht Larifari 2017

Das Larifari begeistert mit Posaunen...

Tobias Gfeller

Eine langjährige Konstante ist nicht mehr. Ein Larifari ohne die heimischen Nachtfalter-Schränzer. Eigentlich undenkbar. Die über Pratteln hinaus bekannte Guggenmusik gastiert in diesem Jahr am Glaibasler Charivari. Es musste Ersatz her: Die Larifari-Organisatoren lotsten mit den Glaibasler Schränz-Brieder zum ersten Mal eine Basler Gugge ins Kuspo nach Pratteln. «Basel-Stadt zahlt 80 Millione ans Baselbiet, drfür dörf e Basler Gugge am Larifari ufträtte», kommentieren die beiden Gemeindeabwarte Fredy und Fritz die ungewöhnliche Rochade.

Die Schränz-Brieder wissen mit Schlagerklassikern von Nena und Beatrice Egli zu gefallen.
Fredy und Fritz führen schlagfertig als roter Faden durch das Larifari und lassen dabei kein bekanntes Prattler-Gesicht unversehrt. Sie philosophieren über die Veränderungen nach den Gemeindewahlen für sich und ihre Gemeindekollegen. Denn für diese gibt’s an Weihnachten keine «Salzstängeli» mehr, sondern einen roten «Burgunder».

Casting für Banausen

Kurzum: Das diesjährige Larifari ist vielfältig und schlagfertig. Zu Beginn zeigen die jungen Räpplibuebe, dass auch in Zukunft die Prattler Fasnacht mit viel Witz gesegnet sein wird. Die Fasnacht sei auf Nachwuchs angewiesen, wie sie in ihrem Stück «FasLacht» betonen. Darin suchen sie mittels Casting neue Aktive.

Doch gerade mal drei Kandidaten stellen sich den strengen Blicken der Jury. Der St. Galler Christian Hugentobler erhält wohl für seinen Arabi auf dem Xylofon mehr aus Mitleid lobende Worte. Der Basler Tim Hofstetter bringt seinen Zürcher Freund Joshua Keller aus Dübendorf ans Casting. Dieser erfüllt alle Klischees eines Fasnachtsbanausen. Auch hier lautet das Urteil: ungeeignet.

Die Frage nach der Eignung stellten sich im vergangenen Jahr auch die Prattler Jäger. Da will doch der Gemeinderat die Jagdpacht nach vielen Jahren an eine andere Jagdgesellschaft vergeben. Und den Vogel schiesst gleich Gemeinderat Emanuel Trueb (CVP) ab, der selber Teil dieser neuen Jagdgesellschaft ist.

Ein Prattler Schildbürgerstreich? Die Gaudi Clique bläst jedenfalls zur Jagd am Larifari. «Me jagd uns nach so vielne Joore nid zum Revier us, wo mir jedi Wildsau mit Vorname kenne», schimpfen die alten Herren in grüner Jacke und mit geladenem Gewehr. Dem Vorwurf, für die Jagd zu alt zu sein, entgegnen die Jäger mit einer raffinierten Rochade. Im Rahmen eines Austauschprogramms schicken sie einen alten Jäger zu den Apachen, dafür erhalten sie ein rothäutiges Nachwuchstalent mit Pfeil und Bogen.

Ärger über die bz

Auch US-Präsident Donald Trump hält Einzug ins Larifari. «We make Pratteln great again» kündet er unter Trompetengebläse lauthals an. Derweil begibt sich der Senevita Sonnenpark auf Seniorenausflug. Dieses Mal per Schiff. Denn Pratteln ist vom Hochwasser überflutet. Albi und Wilfried sind fleissig am Putzen und schimpfen noch immer über den Artikel in der bz, in dem die Prattler Fasnachtsblaggedde mit einem Flüchtlingsschiff verglichen wird. «Wir vergeben allen Journalisten. Auch wir vergeben der bz», betet Wilfried gen Publikum.

Musikalisch lässt das Larifari nie einen Wunsch offen. D’ Saggladärne Clique, die die Prattler Vorfasnacht alljährlich organisiert, zeigt in verschiedenen Auftritten ihr breites Repertoire. Die Elite der Clique spielt als Saggladärne Spez. den Iredulpf, die jungen Fägnäschtli dr Spitzbueb. Begeisterungsstürme lösen die Tambouren & Friends aus, die einen rassigen Retraitissimo in engen Ganzkörperanzügen auf die Bühne zaubern.