Afghanistan-Institut
«Wir wären bloss als Notnagel in die Bresche gesprungen»

Das Baselbiet verliert eine renommierte Sammlung: Das Afghanistan-Archiv zieht nach Bern um. Nach einigen Überlegungen habe der Kanton entschieden, dass das Archiv «zu international» für das Baselbiet sei.

Dimitri Hofer und Simon Tschopp
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Paul Bucherer.

Paul Bucherer.

Martin Toengi

Das Baselbiet wird eine renommierte Sammlung verlieren: Das Afghanistan-Archiv, das sich in Bubendorf befindet, zieht in den nächsten Jahren nach Bern um. Gründer Paul Bucherer hatte das Archiv zwar dem Kanton Baselland angeboten. Staatsarchivarin Regula Nebiker habe sich zu Beginn interessiert gezeigt, nach einigen Überlegungen habe der Kanton aber entschieden, dass das Archiv «zu international» für den Kanton Baselland sei, so Bucherer.

«Bloss als Notnagel»

Laut Regula Nebiker, Leiterin des Baselbieter Staatsarchivs, war nie geplant, die Objekte des Afghanistan-Instituts zu übernehmen. «Wir standen dem Sammler-Paar Bucherer beratend zur Seite. Wir wären bloss als Notnagel in die Bresche gesprungen, wenn alle Stricke gerissen wären», erklärt Nebiker. Doch das Afghanistan-Institut im Staatsarchiv wäre ohnehin nur eine Übergangslösung gewesen.

«Für eine solch wertvolle internationale Sammlung ist das Know-how von Fachpersonen sehr wichtig. Und dieses haben wir nicht», räumt Regula Nebiker ein. Zudem meint die Baselbieter Staatsarchivarin, dass die Sammelgegenstände des Afghanistan-Instituts nichts mit dem Kanton Baselland zu tun haben. «Unser Staatsarchiv ist für unseren Kanton da.»

Der Stiftungsrat bedauert, dass der Kanton sich diese Chance entgehen liess. Zwar gab es einige Angebote in Millionenhöhe aus den USA, aber die Stiftung war der Ansicht, dass das Afghanistan-Archiv in der Schweiz bleiben muss.

Für den Stiftungsrat und den Gründer des Afghanistan-Instituts war klar, dass das Archiv an eine eidgenössische Bibliothek gehen soll. Drei davon kamen nicht infrage, weil sie keinen Bezug zu Afghanistan haben. Man entschied sich deshalb für die vierte eidgenössische Bibliothek, die Bibliothek am Guisanplatz in Bern. «Zum einen, weil Bern die Bundeshauptstadt ist. Zum anderen, weil es sich bei dieser um die ehemalige eidgenössische Militärbibliothek handelt, die sich seit langem mit dem Krieg in Afghanistan auseinandergesetzt hat», erklärt Paul Bucherer. Heute umfasst die Bibliothek am Guisanplatz auch rund 40 kleinere Archive. Sie hat schon Erfahrung in der Übernahme von Fremdbeständen. Dort werden die Literatur und die Bilder des Afghanistan-Archivs als geschlossene Einheit erhalten bleiben und laufend ergänzt.

Vorerst eine Absichtserklärung

Beim Vertrag zwischen der Stiftung Bibliotheca Afghanica (SBA) aus Bubendorf und dem Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) handelt es sich um eine Absichtserklärung und noch nicht um einen Schenkungsvertrag. Die Sammlung bleibt vorderhand in Bubendorf und wird erst nach Bern transferiert, wenn Paul Bucherer nicht mehr in der Lage ist, das Institut weiterzuführen. Der Afghanistan-Kenner ist heute 72-jährig und nimmt nicht an, dass das Archiv innerhalb der nächsten zehn Jahre den Standort wechseln wird. Für die Stifter ist aber wichtig, dass die weitere Existenz der Sammlung gesichert ist.

Bucherer sagt, dass das Afghanistan-Archiv in Bubendorf die weltweit grösste Bild-Dokumentation zu Afghanistan besitze. In Afghanistan selbst seien die meisten Bilder bewusst zerstört worden. Erst seit dem Sturz der Taliban entstanden im zentralasiatischen Land wieder grössere Bildersammlungen.