Allschwil
Wird es eng, schiessen die Gedanken in die Höhe

Die Parteien wollen in Allschwil dichter bauen, um mehr Wohnraum zu schaffen. Wachstum könne man nicht aufhalten, heisst es. Dass passt einer Partei jedoch nicht: Die SVP sträubt sich dagegen.

Michel Ecklin
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Heimeliges Dorf oder städtische Dichte? Allschwil wird sich entscheiden müssen.archiv/Kenneth Nars

Heimeliges Dorf oder städtische Dichte? Allschwil wird sich entscheiden müssen.archiv/Kenneth Nars

Kenneth Nars

Allschwil ist und bleibt beliebt. Während andere Agglomerationsgemeinden stagnieren oder sogar schrumpfen, wird Allschwil demnächst den 20000. Bewohner begrüssen können. «Wir freuen uns über das Wachstum», sagt Gemeindepräsident Anton Lauber (CVP). Denn in den kommenden Jahren müsse Allschwil Investitionen von rund 83 Millionen Franken tätigen. «Dieses Geld muss jemand verdienen, wir sind auf Steuersubstrat angewiesen.» Um den Bedarf an Wohnraum zu schlucken, setzt der Gemeinderat auf verdichtetes Bauen, sowohl bei privaten Landbesitzern als auch auf den wenigen Gebieten, die der Gemeinde gehören. In die Höhe zu bauen ist gemäss Richtplan bereits möglich, im Rahmen von Quartierplänen, die vom Einwohnerrat bewilligt werden.

Voll einverstanden mit dieser Strategie ist die FDP. «Um subtil mit dem wenigen übrig gebliebenen Land umzugehen, sollten wir mehr in die Höhe gehen», sagt Präsident Roland Naef. «Jegliches freie Land grün zu erhalten, wie das einige in den Wegmatten fordern, ist eine Art Egoismus.» Damit steige der Einzonungsdruck auf Landwirtschaftsland in stadtfernen Gemeinden.

Infrastruktur anpassen

«Wachstum kann man nicht aufhalten», ist Naef überzeugt. Er fordert vom Gemeinderat aber Konzepte, um die Infrastruktur dem Wachstum anzupassen, etwa für den Verkehr und die Schulen.

Das meint auch Jean-Jacques Winter, Einwohnerrat und Präsident der SP. Diese sei nicht generell gegen mehr Einwohner. Doch Wachstum ziehe eine Schlange von Aufgaben mit sich, die die Gemeinde lösen müsse. «Insbesondere die Frage des altersgerechten Wohnens ist noch nicht genügend angedacht», meint er. Den zunehmenden Verkehr müsse man endlich mit Tempo 30, einer Parkkarte und dem lange geplanten Park&Ride reduzieren. «Mit solchen Fragen wird sich in den kommenden vier Jahren der Einwohnerrat intensiv beschäftigen müssen.» Die SP werde sich nicht grundsätzlich gegen Verdichtung wehren.

«Das Wachstum Allschwils ist nicht unbegrenzt», gibt Julia Gosteli, Vizepräsidentin der Grünen, zu bedenken. «Insbesondere die Verkehrssituation hält nicht Schritt mit dem Wachstum.» Die Grünen begrüssen aber grundsätzlich verdichtetes Bauen, um Grünflächen zu bewahren.

Dem widerspricht der grünliberale Präsident Andy Werdenberg nicht. Aber vor allem in Wohngebieten sieht er nicht mehr viel Potenzial, um zu bauen. «In den Industriegebieten kann man sicher noch einiges verdichten», findet er. CVP-Präsident Felix Keller sieht für Allschwil keine unbeschränkte Bevölkerungszunahme mehr. Er hält es aber für sinnvoll, in der Nähe von Arbeitsplätzen Verdichtung zu erlauben.

Über die Strategie des Gemeinderates, Allschwil zu verdichten, sind sich also alle Parteien mit Nuancen einig – mit Ausnahme der nicht im Gemeinderat vertretenen SVP.

Die SVP bekämpft das Wachstum

«Es ist nicht gut, wenn man nur noch Beton sieht», sagt SVP-Präsident René Imhof. Allschwil sei an seine Grenzen gelangt, überbaubare Areale gebe es sowieso keine mehr. Und von Verdichtung hält er nicht viel. «Dann sind Konflikte vorprogrammiert.» Das sehe man an Experimenten mit Ratten: «Wenn man sie näher aneinanderrückt, werden sie aggressiv.» Er kritisiert das Bestreben des Gemeinderates, Allschwil zur grössten Gemeinde des Kantons zu machen.

Gemeindepräsident Lauber wehrt sich gegen «eine Stagnation, die uns nur schaden würde». Allschwil fühle sich zwar wie ein Dorf, sei in Wahrheit aber eine Stadt. «Wir sind grösser als Olten, Aarau oder Baden», gibt er zu bedenken. «Wir sollten anfange, Allschwil in den richtigen Dimensionen zu sehen.»