Hofstetten
Wirtepaar Gschwind gibt Ende Juli Kehlengrabenschlucht auf

Ende Juli hören Gisela und Jörg Gschwind im Restaurant Kehlengrabenschlucht in Hofstetten auf. Weshalb das Wirtepaar das Handtuch wirft.

Simon Tschopp
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Jörg und Gisela Gschwinds Tage im Restaurant Kehlengrabenschlucht sind gezählt.

Jörg und Gisela Gschwinds Tage im Restaurant Kehlengrabenschlucht sind gezählt.

Kenneth Nars

Die Gefühlswelten von Gisela und Jörg Gschwind könnten gegensätzlicher nicht sein: Obwohl das Restaurant Kehlengrabenschlucht in Hofstetten, welches das Wirtepaar seit 2010 führt, laut Gisela Gschwind «derzeit sehr gut läuft», werden die beiden den Betrieb auf Ende Juli aufgeben. Die Gschwinds wollen seit zwei Jahren das Haus kaufen. «Doch Realität und Vorstellung des Vermieters liegen zu weit entfernt von uns», erklärt die 45-Jährige.

Besitzer hat andere Vorstellungen

Im Mietverhältnis weiterzuarbeiten, kommt für das Paar nicht infrage. Sie wollten nicht mehr Geld in ein Gebäude investieren, das nicht ihnen gehöre, sagt Gisela Gschwind. Sie und ihr Mann haben, um von der Bank eine Hypothek zu erhalten, eine Schätzung vornehmen lassen. Dabei wurde festgestellt, dass das Haus nicht mehr so viel Wert hat, wie der Eigentümer zu glauben meint. Aber der Vermieter sei nicht bereit, von seinen Preisvorstellungen abzurücken, bedauert Gisela Gschwind und ergänzt: «Es geht um ein paar 100 000 und nicht um einige 1000 Franken.»

Gschwind bringt aber auch Verständnis für den Besitzer auf. Er habe ein gewisses Alter, und deshalb stelle das Haus für ihn einen anderen Wert dar als für sie. Schweren Herzens haben sich die Gschwinds entschieden, in ihrem weitherum bekannten Restaurant Kehlengrabenschlucht am 29. Juli die Lichter zu löschen. Sie haben ihr Personal schon früh darüber informiert. «Das war für uns der schlimmste Moment», blickt Gisela Gschwind zurück. Die Angestellten hätten die negative Nachricht verständnisvoll entgegengenommen. Sie alle müssen nun eine neue Stelle suchen.

Ganz im Gegensatz zu Gisela und Jörg Gschwind. Sie betreiben ihre Gaststätte bloss nebenbei. Sie gehen tagsüber als Schreiner und Buchhalterin ihrer Arbeit nach und wirten vom Abend bis in die Nacht hinein. Was zu Arbeitstagen von 16 bis 18 Stunden führt. Kein Dauerzustand. Die zwei mussten in ihren Hauptberufen Geld verdienen, um eine Bankverbindung aufbauen zu können für den geplanten Kauf der «Kehlengrabenschlucht». «Bank und Investor hätten wir gehabt», verrät Gisela Gschwind. Dem Hausbesitzer reichte das aber nicht. Deshalb hätten sie die Reissleine gezogen. Jetzt könnten sie den Rucksack noch ablegen, später nicht mehr.

Wie auf einer Achterbahn

Die Tätigkeit von Jörg Gschwind, der gestern seinen 47. Geburtstag gefeiert hat, und seiner Frau in der Gaststätte in Hofstetten kommt einer Achterbahnfahrt gleich. Hier haben sie vor sieben Jahren als Quereinsteiger begonnen und kurz darauf den Keller zu einer Felsgrotte, einer «Schlucht», ausgebaut. Sie stellten sich das Führen eines Restaurants jedoch einfacher vor. Weil der Gastrobetrieb darbte, riefen Gschwinds 2011 den populären Restaurant-Tester Daniel Bumann an. Die Fernsehsendung wurde im Jahr darauf ausgestrahlt.

Starkoch Bumann riet dem Wirtepaar aus dem Schwarzbubenland, sich anders zu organisieren. «Wir schmälerten unsere Menükarte, für die ‹Schlucht› kreierten wir ein Flambi-Spiess-Menü, das wir monatlich wechselten. Daniel hat uns auf die richtige Schiene geschoben und unser Leben gerettet», erzählt Gisela Gschwind. Mittlerweile verfügt die «Kehlengrabenschlucht» über vier verschiedene Räumlichkeiten; in drei davon kann nur auf Voranmeldung getafelt werden, was die Planung erleichtert.

«Erst mal durchatmen»

Bumanns Tipps halfen, der Betrieb blühte auf. Es ging stetig aufwärts. «Dass wir nun aufhören, damit hat Daniel Bumann rein gar nichts zu tun», betont Gisela Gschwind. Sie hätten ihn informiert, stünden noch regelmässig in Kontakt mit ihm. Den Gschwinds fällt der Schlusspunkt schwer. Sie hätten noch viele Pläne gehabt. Eine weitere «Schlucht» zu bauen, ein Erlebniszimmer, damit Gäste bei ihnen auch übernachten könnten. Diese Pläne sind nun Makulatur. «Wir müssen auf dem Zenit aufhören», meint Gschwind lapidar.

Ein weiteres Engagement in der Gastronomie schliesst das Ehepaar aus. «Nach Ende Juli müssen wir erst mal durchatmen und wieder in unser ursprüngliches Leben zurückkehren», so Gisela Gschwind. Aber sie seien Spinner und hätten Ideen für die Zukunft. Vielleicht in Richtung Erlebniswelt. «Mehr dazu kann ich jetzt noch nicht sagen.»