Disput
Wirtschaftskammer-Kritiker Paul Dalcher aus Prattler FDP ausgeschlossen

Paul Dalcher fliegt wegen einer Plakat-Kampagne, bei der er indirekt Parteikollege Rolf Wehrli als Sesselkleber bezeichnet haben soll, aus der FDP – nur ein Vorwand, glaubt der Alt-Landrat.

Benjamin Wieland
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Paul Dalcher

Paul Dalcher

zvg

Die Vorwürfe der Prattler FDP an die Adresse von Paul Dalcher sind happig. Er habe mit einer Plakatkampagne verdeckt gegen einen Parteikollegen Stimmung gemacht und sich somit illoyal verhalten. Deshalb müsse er gehen.

Die Vorwürfe von Dalcher an die Adresse der FDP sind auch nicht ohne: Die Kampagne diene nur als Vorwand. Der Prattler Freisinn sei stark mit der Wirtschaftskammer verbandelt, und er habe dies wiederholt kritisiert. Sein Ungehorsam werde nun bestraft – deshalb müsse er in Wahrheit gehen.

Gemeint sind die Plakate im Grossformat, die Paul Dalcher vor den Gemeindewahlen im Februar in Pratteln schalten liess. Auf diesen prangten die Namen von allen bürgerlichen Gemeinderatskandidaten – ausser einem: Der Name von Rolf Wehrli fehlte, FDP-Mitglied wie Dalcher, seit 1992 Gemeinderat. Gezeichnet waren die Plakate von einem Komitee namens «Keine Sesselkleber». Kleingedruckt fand sich der Name Dakom GmbH – das ist Paul Dalchers Werbeagentur.

Einer fehlt: Mit Plakaten wie diesem warb das Prattler Komitee gegen Sesselkleber im Februar für vier der fünf bürgerlichen Gemeinderatskandidaten – sehr zum Missfallen des Weggelassenen und seiner Partei. zvg

Einer fehlt: Mit Plakaten wie diesem warb das Prattler Komitee gegen Sesselkleber im Februar für vier der fünf bürgerlichen Gemeinderatskandidaten – sehr zum Missfallen des Weggelassenen und seiner Partei. zvg

War einst Parteipräsident

Rolf Wehrli reichte am Tag nach der Wahl, die er bravourös schaffte, den Antrag auf Parteiausschluss von Paul Dalcher ein. Über diesen stimmten die Parteimitglieder am Mittwoch an der Herbstversammlung ab. Wie der «Prattler Anzeiger» berichtet, kam die notwendige Zweidrittelmehrheit zustande. Dalcher muss die FDP wohl verlassen. Er sass für sie im Gemeinderat (1984 bis 1992) und zwischen 1991 und 1998 im Landrat. Vier Jahre war er zudem Prattler Sektionspräsident.

«Es geht doch nicht», sagt Rolf Wehrli zur bz, «dass dich jemand aus der eigenen Partei indirekt als Sesselkleber bezeichnet und nicht einmal mit seinem Namen dazu stehen will. So ein Vorgehen ist hinterhältig. Ich konnte das nicht auf mir sitzen lassen.»

Paul Dalcher kontert: Es sei doch offensichtlich gewesen, woher die Plakate stammten. Er habe die Kampagne im Auftrag einiger Prattler erarbeitet. Zusammen hätten sie sich für die frischen, neuen Kräfte im Gemeinderat einsetzen wollen. «Es ist doch mein Recht», sagt Dalcher, «einen Kandidaten nicht aufzuführen, auch wenn er in meiner eigenen Partei ist. Das heisst nicht, dass ich gegen ihn wäre, und das Ganze hat ihm auch nicht geschadet.» Tatsächlich erzielte Rolf Wehrli von allen elf Kandidierenden das beste Resultat.

«Hat mit liberal nichts zu tun»

Für Paul Dalcher ist der Fall klar: Die FDP Pratteln hat ihn ausgeschlossen, weil er sich gegen die Wirtschaftskammer Baselland ausgesprochen hat. «Das sieht man in dieser Partei nicht gerne. Sie nennt sich liberal – doch für mich hat sie mit liberal nichts mehr zu tun.»

Dalcher äusserte sich auch in Zeitungen kritisch über die Wirtschaftskammer. Im August 2015 etwa schrieb er im «Prattler Anzeiger», dass er keine Kandidierenden der FDP wähle, die der Wirtschaftskammer zu nahe stünden. «Für mich steht schon seit Jahren fest», heisst es im Leserbrief, «dass die Baselbieter FDP am Gängelband der Wirtschaftskammer geht.»

Der Präsident der Prattler FDP erwidert, er könne Dalchers Vorwürfe nicht nachvollziehen. Es gebe zwar Berührungspunkte zwischen Freisinnigen und dem Verband, sagt Felix Knöpfel, «doch das liegt in der Natur der Sache: Viele Parteimitglieder sind Unternehmer und Gewerbler. Von daher sind einige beruflich Wirtschaftskammer-Mitglieder.»

Man habe Paul Dalcher auch nicht geschnitten wegen seiner Ansichten. «Ganz im Gegenteil», sagt Knöpfel. «Wir haben ihn vor zwei Jahren bei den Landratswahlen portiert und jüngst auch bei den Gemeindewahlen im Februar als Einwohnerrat.» Dalcher habe sich jedoch schon seit längerem in der Rolle des Aussenseiters gefallen. So sei er bereits bei den Gemeindewahlen 2012 im Komitee von Stefan Ackermann (Grüne-Unabhängige) gesessen. «Wir sprachen damals eine Verwarnung aus und dachten, er habe daraus gelernt.»

Rolf Wehrli ist überzeugt, dass ihn Dalcher persönlich habe treffen wollen. «Auf einem der Plakate», sagt der Verschmähte, «wurde sogar mein Wahlslogan abgeändert. Das ist ein ganz klarer Hinweis, dass die Aktion auf mich abzielte.» Tatsächlich stand auf einem der Sesselkleber-Plakate «Dänke, prüefe, wähle». Wehrli verwendet seit Jahren den Slogan «Dänke – fühle – handle!».

Rekurs wäre möglich

Dalcher hat noch die Möglichkeit, seinen Ausschluss bei der Kantonalpartei anzufechten. Die FDP Baselland teilt mit, man sei von ihm noch nicht kontaktiert worden. Über den Ausschluss würde eine Rekurskommission entscheiden. Dalcher sagt, er wisse noch nicht, wie er vorgehen wolle, denn der Ausschluss habe auch seine guten Seiten: «Jetzt kann ich endlich frei sagen, was ich denke.»