Neujahrsapéros
Wirtschaftskammer und Gewerbeverband schliessen Reigen ab

Kein einziges Regierungsmitglied am Neujahrsapéro der Baselbieter Wirtschaft! Die logische Konsequenz des Nichterscheinens am Neujahrsempfang der Basler Regierung? Eine Verschwörung gar? Ein echter Skandal?

Bojan Stula
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Neujahrsempfänge
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Impressionen vom Neujahrsapéro der Wirtschaftskammer Baselland
Impressionen vom Neujahrsapéro der Wirtschaftskammer Baselland
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Impressionen vom Neujahrsapéro der Wirtschaftskammer Baselland
Impressionen vom Neujahrsapéro der Wirtschaftskammer Baselland
Impressionen vom Neujahrsapéro der Wirtschaftskammer Baselland
Impressionen vom Neujahrsempfang des Gewerbeverbandes Basel-Stadt
Impressionen vom Neujahrsempfang des Gewerbeverbandes Basel-Stadt
Impressionen vom Neujahrsempfang des Gewerbeverbandes Basel-Stadt
Impressionen vom Neujahrsempfang des Gewerbeverbandes Basel-Stadt
Impressionen vom Neujahrsempfang des Gewerbeverbandes Basel-Stadt
Impressionen vom Neujahrsempfang des Gewerbeverbandes Basel-Stadt
Impressionen vom Neujahrsempfang des Gewerbeverbandes Basel-Stadt
Impressionen vom Neujahrsempfang des Gewerbeverbandes Basel-Stadt

Neujahrsempfänge

Nicole Nars-Zimmer

Nichts dergleichen. Einzig die zweitägige Klausur der Kantonsregierungen in der Innerschweiz vereitelte gestern Abend das regierungsrätliche Erscheinen in Liestal. Die Baselbieter Magistraten dürften aber auch wirklich zu den ganz wenigen namhaften Abwesenden gezählt haben.
Der 10. Neujahrsapéro der Wirtschaftskammer Baselland und der Basellandschaftlichen Kantonalbank - der letzte unter der Hoheit Hans Rudolf Gysins - versammelte einmal mehr eine beeindruckende Dichte der Polit- und Wirtschafts-Elite des Landkantons. Für einmal war es kaum übertrieben zu behaupten, dass alles, was Rang und Namen hatte, im Festsaal des Hotel Engel anwesend war. Und die meisten der über 500 Persönlichkeiten staunten nicht schlecht über die Rede von BLKB-Direktor Beat Oberlin.

Land vor Umbruchsphase

Der Co-Gastgeber des so wichtigen Networking-Anlasses versprühte nicht nur den an solchen Anlässen üblichen Neujahrs-Optimismus. «Ich glaube, unser Land steht vor einer stärkeren Umbruchphase, als vielen bewusst ist.» Aus dem Mund eines unabhängigen Banken-Chefs waren das Worte, die aufhorchen liessen. Vor allem deshalb, weil Oberlin der eigenen Nationalbank ebenso stark ins Gewissen redete wie der Politik im Berner Bundeshaus und jenen «Romantikern», die glaubten, die Nationalbank könne «beliebig den Wechselkurs zum Euro zugunsten der Schweiz» beeinflussen.

Die Nullzinspolitik der Nationalbank stellt laut Oberlin eine ebenso grosse Gefahr für den Werkplatz Schweiz dar wie die Regulierungswut des Parlaments. Während sich das Parlament vor allem mit der «Too big to fail»-Problematik befasse, sei das Ausland gerade mit aller Macht dabei, den Finanzplatz Schweiz aufzubrechen. «Für Banken mittlerer Grösse lässt sich das Geschäft mit Ausländern, und ich spreche da nicht von nicht deklarierten Konten, kaum noch verlustfrei betreiben», gab Oberlin aufschlussreichen Einblick in die momentane Sorgenwelt von Schweizer Finanzinstituten - weit abseits aller Hildebrand-Skandalisierungen. Und wenn da Universalbanken wie die BLKB wegen der Nullzinspolitik mit ihren Passivgeldern nichts mehr verdienen könnten, gleichzeitig aber wegen der Vorschriften der Finanzmarktaufsicht Finma ihr Eigenkapital aufstocken müssen, bedeute dies in letzter Konsequenz eine verschärfte Kreditvergabepolitik. Dabei sollten doch gerade Universalbanken mit ihrer Kreditvergabe das «Schmiermittel» für Wirtschaft und insbesondere KMU sein. «Es nützt also nichts, wenn unsere Politik wegen der leidvollen Erfahrung mit Investmentbanken das Netz der Regulationen so eng fasst, dass die Kreditvergabe der Universalbanken unter Druck gerät.»
Die Bundespolitiker im Saal forderte Oberlin auf, diese seine Botschaft nach Bern zu tragen. Den KMU-Vertretern schrieb er Qualität statt blindes Wachstum als oberste Maxime auf die Fahnen. Für den anderen Gastgeber, Wirtschaftskammer-Präsident Andreas Schneider, blieb da nur noch die Nebenrolle. Mit dieser fand er sich wohl angesichts des soeben Gehörten gelassen ab.