Cartons du Coeur
Wo sich Arme gratis die Taschen füllen

Die Lebensmittelhilfe Baselland baut aus und errichtet in Pratteln eine Brockenstube.

Dimitri Hofer
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Seit 2009 können arme Menschen bei Cartons du Coeur gratis Lebensmittel beziehen.

Seit 2009 können arme Menschen bei Cartons du Coeur gratis Lebensmittel beziehen.

Dimitri Hofer

Obwohl sie Vollzeit arbeiten, reicht vielen Männern im Baselbiet der Lohn nicht aus, um ihre Familie zu ernähren. Vor allem Beschäftigte, die in der Baubranche oder im Reinigungswesen tätig sind, haben oft sehr niedrige Einkommen. Die sogenannten «Working Poor» machen rund die Hälfte der Menschen aus, welche das Angebot des Vereins Cartons du Coeur nutzen. Insgesamt profitieren im ganzen Kanton rund 650 Personen von der Institution.

Der seit 2009 existierende Verein ermöglicht es Baselbietern, die unter der Armutsgrenze leben, kostenlos Nahrungsmittel zu beziehen. «Einmal pro Woche werden im katholischen Kirchgemeindehaus in Pratteln unterschiedlichstes Gemüse, Früchte, Milchprodukte und Brotwaren gratis abgegeben», sagt Präsidentin Sylvie Anderrüti. Die Produkte stammen aus zehn Migros-Filialen im Raum Basel, wo Kundinnen und Kunden Lebensmittel in Spendenboxen legen können. Den grössten Teil der Waren, die mit einem Kühlwagen transportiert werden, stiftet der orange Riese wiederum selbst. «Wöchentlich gelangen auf diese Weise zwischen 1000 und 1500 Kilogramm Lebensmittel nach Pratteln.»

Arbeitsplätze für zehn Personen

Das wird auch künftig der Fall sein. Der Ort, an dem die Produkte angeboten werden, ändert sich jedoch. Grund dafür ist das Atelier du Coeur mit integriertem Café, das im Februar seine Türen öffnet. An der Muttenzerstrasse in Pratteln sollen künftig alle Angebote unter einem Dach vereint sein.

«Wir richten derzeit eine Brockenstube ein, in der Sozialhilfebezüger arbeiten werden», sagt Anderrüti. Sie ist ebenfalls Präsidentin des neugegründeten Vereins Atelier du Coeur. Dieser finanziert sich – im Gegensatz zum vollkommen spendenbasierten Cartons du Coeur – durch Kantons- und Gemeindebeiträge. «Für jeden Beschäftigten werden wir einen Pauschalbeitrag erhalten», sagt Anderrüti. Sie rechne damit, dass um die zehn Sozialhilfebezüger in der Brockenstube tätig sein werden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden dem Taglohnprogramm vom Kiga oder von einem kommunalen Sozialdienst zugewiesen.

Ein arbeitsloser Koch habe sich schon bereit erklärt, im Café hinter dem Herd zu stehen. Für die dortige Küche erhält der Verein einen vom Kanton Baselland gesponserten Kühlschrank. Das ist aber noch nicht alles: Die Cartons du Coeur wurden kürzlich mit dem Baselbieter Preis für Freiwilligenarbeit im Sozialbereich ausgezeichnet. Keine Frage, dass der Naturalpreis für das neue Projekt verwendet werde, meint eine stolze Sylvie Anderrüti.