Liestal
Woher Baselland seine Menuhins nimmt

Besonders begabte Jugendliche werden in der Regionalen Musikschule Liestal besonders gefördert. Die Jugendlichen müssen allerdings bereit sein, die Musik in Zentrum ihrer Freizeit zu stellen.

Andrea Mašek
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Rachel Joy Montalbo musste eine Aufnahmeprüfung bestehen. ZVG

Rachel Joy Montalbo musste eine Aufnahmeprüfung bestehen. ZVG

«Ich habe mehr Geigenstunden, bin motiviert zum Üben, treffe auf andere begabte Jugendliche, kann in einem Streichquartett mitspielen und an Konzerten auftreten.» Bàlint Csontos zählt die Vorteile auf, die er geniesst, seit er in der Talentförderklasse der Regionalen Musikschule (rm) Liestal ist. Spannend findet er auch das Fach Gehörbildung. Der Gymnasiast zieht es in Betracht, einmal Geige zu studieren, aber genauso reizen ihn Mathematik und Physik.

Weil er auch noch im rm-Orchester und im Gym-Orchester mitspielt – zum Mitmachen in Orchestern, Ensembles, Theater- oder Tanzgruppen werden die Talente angehalten –, wird ihm das Ganze manchmal etwas zu viel. «Kaum ist ein Konzert vorbei, kommt schon das nächste.» Anlässe stehen für die Nachwuchshoffnungen eben einige auf dem Programm. Sie gehören zum ganzen Paket, genau so wie die Schülerkonzerte, die zwei Podiumskonzerte, der wöchentliche 90-minütige Einzelunterricht und zwei Klassenstunden, in denen sich die Klasse trifft, einander vorspielt und sich austauscht.

Das alles möchte Bàlint aber nicht missen. Er und die anderen Schülerinnen und Schüler der Talentförderklasse der rm Liestal sind gefordert – analog den Mitgliedern der Baselbieter Sportklassen. «Talent und Fleiss braucht es», sagt Roland Recher, Leiter der rm Liestal. Vorausgesetzt wird, dass die Jugendlichen eine ausgeprägte musikalische Begabung mitbringen, und die Bereitschaft, die Beschäftigung mit ihrem Instrument oder ihrer Stimme ins Zentrum ihrer Freizeitaktivitäten zu stellen.

Zwölf besondere Jugendliche

Momentan tun dies in der rm Liestal zwölf Jugendliche. Drei spielen Klavier, zwei Geige, zwei Cello, eine spielt Harfe und einer Blockflöte. Dazu kommen drei Sängerinnen. Alle mussten im Vorfeld eine Eintrittsprüfung ablegen, zwei Stücke verschiedener Stilrichtungen vortragen, wie Recher erläutert. Ein Fachgremium entschied über die Aufnahme. Für das Schulgeld kommen zu zwei Dritteln die Wohngemeinden auf, ein Drittel müssten die Eltern zahlen. Doch die Hälfte dieses Drittels – 1150 Franken pro Semester – übernimmt die «Stiftung zur Förderung und Unterstützung von Schülerinnen und Schülern der Regionalen Musikschule Liestal».

Gefordert sind laut Recher nicht nur die Talente, sondern auch die Lehrpersonen: «90 Minuten mit den Schülern zu arbeiten, ist das Mass aller Dinge, aber auch eine Herausforderung.» Zudem amten die Lehrpersonen auch als Coaches . «Ihr Engagement ist sehr gross», betont Recher, «doch es ist eine dankbare Aufgabe und mit einer gewissen Ehre verbunden.»

Drei Jahre führt die rm Liestal nun die Talentförderklasse. Recher zieht eine positive Bilanz: «Es ist ein spannendes Projekt.» Es sei wichtig, mit der Spitze der Pyramide zu arbeiten, aber genau so wichtig sei die Basis, all die anderen Musikschülerinnen und -schüler.