Chienbäse
Wunderschön und höllisch heiss – auch ohne die grossen Wagen

Die grössten Wagen durften nicht fahren – Besenträger und Publikum waren trotzdem zahlreich im Stedtli.

Boris Burkhart
Merken
Drucken
Teilen
Der Chienbäse-Umzug 2019 fiel etwas kleiner aus als gewohnt.
19 Bilder
Ein paar der grössten und schwersten Feuerwägen fuhren nicht mit.
Trotzdem wurde es extrem heiss entlang der Umzugs-Route.
Dafür sorgten die über 300 Besenträger und die kleineren Feuerwagen.
Der schwerste Chienbäse war 117 Kilogramm schwer.
Den Entscheid, die grösseren Wagen nicht fahren zu lassen, wurde erst am späten Nachmittag gefällt.
Chienbäse 2019
Ein gfürchiger Fackelträger.
Das Törli bestand seine Feuerprobe.
Das Denkmal war 2018 saniert worden.
Von Brandspuren ist bisher nichts zu sehen.
Das Stedtli riecht nach dem Chienbäse-Umzug jedoch ziemlich verkohlt ...
... und der Boden ist mit Asche, Russ und Abfall übersät.
Den Besenträgern muss jeweils der Nacken gekühlt werden.
Einige tragen gleich eine komplette Feuerwehr-Ausrüstung.
Das Ziehen der Füürwaage macht offenbar Spass.
Die Besenträger haben die Gebilde selber gebaut. Dafür opfern sie jeweils ein paar Nachmittage und Abende.
Das sieht nach Vater und Sohn aus.
Für die Zuschauer heisst es am Chienbäse-Umzug: Alte Kleider anziehen ...

Der Chienbäse-Umzug 2019 fiel etwas kleiner aus als gewohnt.

Juri Junkov

Findet er nun statt oder nicht? Wirklich in Gefahr war der Chienbäse trotz Sturmwarnungen auch dieses Jahr nicht – eine Totalabsage gab es laut Chienbäse-Chef Jaro Kubicek noch nie. Ein eingeschränkter Umzug wie dieses Jahr ohne die grössten vier bis fünf Wagen mit über acht Kubikmeter Holz fand allerdings 2006 zum letzten Mal statt, als Gefahr wegen Dachlawinen bestand.

Der verkürzte Umzug dauerte dieses Jahr eine gute Dreiviertelstunde. Vom Wetter völlig unbeeindruckt waren die Zuschauer sowieso, die sich ab halb sieben in gewohnt grosser Menge vor und hinter dem Törli einfanden und das rauchige Feuerspektakel in bis zu sechs Reihen genossen. Der letzte Regenguss hörte kurz nach sechs Uhr auf.

117 Kilogramm auf den Schultern

Nur den Erfahrenen im Publikum, das von der kurzfristigen Entscheidung des OK ja nichts wusste, dürfte der verkürzte Umzug überhaupt aufgefallen sein. Das Gejohle der Zuschauer, wenn die Flammenbesen und die kleinen Wagen durch das im vergangenen Jahr sanierte Törli kamen, war jedenfalls euphorisch und aufmunternd. Auch die «kleinen» Wagen, die fuhren, wurden mit Begeisterung empfangen; selbst dem einen oder anderen Träger, dessen Besen schon sehr weit abgebrannt war – einer hatte sogar nur noch einen schwarzen Span über der Schulter – war tröstender Applaus sicher. Nicht wenige Besenträger nutzten die freundliche Aufnahme nach der ersten Etappe für ein erstes Päuschen und genossen offensichtlich den Applaus.

Über 300 Männer und Frauen trugen dieses Jahr den selbst gebauten Besen durchs Stedtli, manche zum Spass als Cowboys, Raubritter, Mexikaner oder mit Stahlhelm verkleidet. Einer hatte sogar Klöpfer rund um seinen Besen befestigt – die Zuschauer nahmens mit Begeisterung auf. Ein Brauch, in dem sich seit Jahren auch immer wieder Zuschauer probieren, die die Wurst an einem Stecken an die Flammen heben – etwas, das Kubicek allerdings gar nicht gefällt: «Sie rennen dann den Besenträgern hinterher. Das ist gefährlich.»

117 Kilogramm wog dieses Jahr der schwerste Besen laut Kubicek, deutlich weniger als der letztjährige Rekord von 132 Kilogramm. Im Schnitt sind die überdimensionierten Kienspane aber zwischen 40 und 50 Kilogramm schwer. Die Gruppen, die mit ihren grossen Wagen nun auf ihre Teilnahme verzichten mussten, nahmen es laut Kubicek mit Verständnis auf: «Lieber einmal nicht fahren, als gar nicht mehr fahren», bringt Kubicek die Alternativen auf den Punkt. Denn Letzteres wäre die Konsequenz, sollte ein Wagen eben zum Beispiel aufgrund des Windes Zuschauer gefährden. Die Flammen dieser Wagen schlügen normalerweise bis zu 15 Meter hoch, schätzt Kubicek.

Törli besteht Hitzestress

Im vergangenen Jahr waren die Stadtoberen gespannt, wie gut der neue Belag in der Rathausstrasse mit dem Stresstest von Hitze und Asche klarkommen würde; dieses Jahr stand die Frage für das Törli im Raum. Doch Kubicek wusste bis Redaktionsschluss nichts von Problemen mit dem wichtigsten Bauwerk auf der Umzugsstrecke.

Auch zwei jungen Feuerwehrleuten, die in der Rathausstrasse Dienst hatten, ist zum Schluss des Umzugs nichts bekannt. Der Dienst direkt hinter dem Törli sei unter den Kollegen weder besonders begehrt noch besonders verhasst, sagen die zwei. «Es ist überall schön an der Umzugsstrecke, wenn man ganz vorne stehen kann und einem keiner auf die Füsse tritt», finden sie. Neben der offensichtlichen Aufgabe, das Törli mit den Schläuchen von unten ordentlich zu nässen, müssen die Feuerwehrleute auch den einen oder anderen Besenträger den Nackenschutz kühlen.