Schule
Würde eine freie Schulwahl im Baselbiet die Bildung stärken?

Würde bei einer völlig freien Schulwahl der Wettbewerb für eine Qualitätssteigerung bei der Bildung sorgen? Und wie würde sich ein solcher Bildungswettbewerb im Kanton Baselland auswirken? Auf Gymnasialstufe ist die freie Schulwahl bereits geplant.

Leif Simonsen
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Die freie Schulwahl bleibt eingeschränkt – noch schreibt der Staat den Schulstandort vor.

Die freie Schulwahl bleibt eingeschränkt – noch schreibt der Staat den Schulstandort vor.

Keystone

Lange war der Wettbewerb eine Sache der Privatwirtschaft. Fluggesellschaften, Versicherungen oder Schuhverkäufer profilierten sich mit günstigen Preisen oder hoher Qualität. In den Staatsbetrieben war die Rendite zweitrangig - dass nicht gut genug gewirtschaftet wurde, war ein Grund, warum man die SBB auslagerte und nun fast in der ganzen Schweiz die Spitäler aus den Kantonsverwaltungen ausgegliedert hat.

Wie weit aber darf der Wettbewerb in der Bildung eine Rolle spielen? Eindeutig eine grössere als heute, findet die Schweizer Denkfabrik Avenir Suisse, die in ihrer jüngsten Publikation «Ideen für die Schweiz» vorschlägt, Bildungskontos für jeden Schüler einzurichten. Was die Schüler mit diesem Geld machen, ist ihnen überlassen - solange sie es für die Ausbildung verwenden.

Freie Schulwahl fördert Qualität

Damit verbunden wäre die Einführung der freien Schulwahl. Wie würde sich eine solch radikale Reform im Baselbiet auswirken? Peter Schmid, alt Regierungsrat und ehemaliger Präsident des Fachhochschulrates, steht als SPler nicht im Verdacht, mit dem liberalen Schweizer Think Tank unter einer Decke zu stecken. Zumindest teilweise ist er der Meinung, dass man einen Schritt in Richtung freie Schulwahl wagen soll. «Das fördert die Qualität», ist er überzeugt. Erfahrungen aus anderen Ländern zeigten, dass dadurch nicht die ganz grossen Ströme entstehen würden und dass das Kriterium «Nähe zur Schule» wichtiger sei.

Ebenfalls nachgewiesen sei, dass Kinder am ehesten die gleiche Schule wie die Eltern besuchten. Eine völlig liberalisierte Grundschule sieht Schmid nicht als gewinnbringend an: Im Oberbaselbiet oder etwa im bündnerischen Albulatal, wo Schmid des Öfteren weilt, seien die Distanzen viel zu gross. Ein Schritt hin zur Freizügigkeit ist hingegen auf der Mittelschulebene seitens des Kantons geplant: Ab 2014 sollen die Baselbieter Gymnasiasten bei der Schulwahl nicht an ihren Wohnort gebunden sein.

Die Baselbieter CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter hat auch in der Bildungspolitik Visionen. Als Mitglied der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur beobachtet sie die schulische Entwicklung ihrer beiden Kinder mit besonderem Interesse. Schon in der Primarschule lasse sich ein grundsätzliches Problem erkennen: Die naturwissenschaftlichen Stärken ihres Sohnes würden kaum gefördert - stricken und filzen sind Trumpf.

Einer im letzten Frühling im Landrat eingereichten CVP-Motion zur Stärkung der naturwissenschaftlichen Fächer stand Schneider Patin. Dass die Lehrer kaum auf die technischen Fächer sensibilisiert seien, habe damit zu tun, «dass primär Frauen auf der Primarstufe unterrichten». Avenir Suisse ist gleicher Meinung und schlägt in ihrem Buch unter dem Kapitel «Wahlfreiheit und Benutzerfinanzierung» vor, mehr Lehrer aus der Praxis zu rekrutieren - dies soll durch ein duales Studium ermöglicht werden. Damit soll ein Teil dazu beigetragen werden, die Ingenieursflaute (der Schweiz fehlen zwischen 15 000 Ingenieure) zu beheben. Die Anreize für diese technischen Berufe könnten laut Schneider einhergehen mit Hürden im tertiären Bereich: «Ich habe mich ja aus dem Fenster gelehnt und Numeri clausi für die Geisteswissenschaften gefordert.»

Regelmässige Prüfung

Schmid teilt diese Meinung nicht: «Das Modell mit dem Numerus clausus ist eine Zweihänderlösung, die ich nicht unterstütze. Man kann aus einem begeisterten Geisteswissenschaftler, der diese Prüfung nicht besteht, keinen Naturwissenschaftler machen.» Dass das Baselbiet in der Hochschulbildung aber zukünftig nicht Schritt halten kann mit den Erfordernissen des Arbeitsmarkts, glaubt er nicht. Zumindest bei der Fachhochschule werde das Angebot ja alle drei Jahre durch die Nordwestschweizer Parlamente geprüft.