Kantonale Musiktage
Ziefen bläst allen den Marsch

1998 hat Ziefen zuletzt einen Grossanlass wie die Kantonalen Musiktage gestemmt. Wie ein kleiner Dorfverein den dreitägigen Grossanlass stemmt

Simon Tschopp
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Das OK mit Präsident Markus Gutknecht (rechts) und Vize Patrik Schlumpf an der Spitze ist bereit für die «riesige Kiste».

Das OK mit Präsident Markus Gutknecht (rechts) und Vize Patrik Schlumpf an der Spitze ist bereit für die «riesige Kiste».

Kenneth Nars

Vor 19 Jahren letztmals hat eine imposante Musikantenschar Ziefen ihre Reverenz erwiesen. Die Kantonalen Musiktage von 1998 und wie sie in der 1550-Seelen-Gemeinde im Hinteren Frenkental nächstes Wochenende durchgeführt werden, sind von der Grössenordnung her vergleichbar. Die Zahl der Aktivmitglieder der Musikgesellschaft (MG) Ziefen hingegen ist seither um fast ein Drittel geschrumpft – von 35 auf 25.

Deshalb ist dieser bevorstehende Anlass für Patrik Schlumpf eine noch grössere Herausforderung als damals. «Mit 25 Aktiven ein solches Fest auf die Beine zu stellen, ist eine riesige Kiste», sagt der 45-Jährige, der Vizepräsident des OK und der MG Ziefen sowie deren Dirigent ist. Schlumpf ist seit März auch Ehrenpräsident; er hat nach 18 Jahren an der Vereinsspitze an seinen Nachfolger Christoph Stohler übergeben, der an den Musiktagen auch als Wirtschaftschef amtet.

Viele Bewohner helfen mit

Die Aktiven der MG Ziefen, die im OK-Team mitwirken, sind schon seit Wochen stark beansprucht. «Während der unmittelbaren Vorbereitungen wird dies ebenfalls für unsere anderen Musikanten der Fall sein», erklärt OK-Chef Markus Gutknecht, der im Verein Aktuar und Fähnrich ist. Deshalb wurde der Probebetrieb in den vergangenen zwei Monaten eingeschränkt.

Die Musikgesellschaft konzentriert sich an den Musiktagen aufs Organisieren und verzichtet gänzlich auf Auftritte. Verstärkt wird sie durch zahlreiche freiwillige Helfende aus dem Dorf. Insgesamt stehen von Freitag bis Sonntag 180 Personen im Einsatz. «Auch andere Ortsvereine engagieren sich sehr stark, eine externe Guggemusik betreibt die Bar – echte regionale Zusammenarbeit», freut sich der 61-jährige Gutknecht, früherer Gemeindepräsident und jetziger Präsident des Bürgerrats.

Die Mitarbeit anderer Dorfvereine stärke den «Kitt» unter diesen. Sie würden sich, so der OK-Vorsitzende, bei ihren Aktivitäten stets gegenseitig unterstützen. «Denn dieser Drei-Tage-Anlass fordert von allen ein wenig mehr.»

34 Vereine mit rund 1000 Aktiven

Marschparade, Musikwettbewerb, freie Vorträge mit stiller Bewertung, Veteranenehrung: Die Kantonalen Musiktage in Ziefen bieten den Zuschauerinnen und Zuschauern ein vollgepacktes Programm. 34 Vereine mit rund 1000 Aktiven zeigen im «Föiflibertal» ihr Können.

Alle gehören dem Musikverband beider Basel an – mit einer Ausnahme: der Musikverein Tegernau aus dem Kleinen Wiesental. Dieser ist seit langer Zeit mit den Ziefner Musikanten freundschaftlich verbunden und hat schon mehrmals an ihrem «Musigobe» gespielt. Am Freitag und Samstag findet im Festzelt, das 1000 Personen fasst, eine grosse Abendunterhaltung statt. Das Festgelände befindet sich auf dem Schulareal Eien.

Musiktage gestrafft

Bis vor einigen Jahren gab es in der Region jährlich drei Kantonale Musiktage wie die kommenden in Ziefen. Danach wurde zurückgefahren. «Früher waren die Vereine mitgliedermässig stärker», nennt Patrik Schlumpf den Hauptgrund. Heute existieren verschiedene Module, die Vereine sind im Gestalten der Musiktage frei.

«Wir haben entschieden, gleich ein richtiges Fest zu machen, weil der Aufwand ohnehin hoch ist», berichtet Schlumpf – Kantonale Musiktage mit fast allen Modulen, bloss der Jugendmusikpreis Dreiländereck wurde ausgeklammert. Die Ziefner operieren mit einem Budget von 70 000 Franken.

Patrik Schlumpf, der in der MG Ziefen mehrere wichtige Funktionen innehat und tonangebend ist, verneint die Frage, ob das eine One-Man-Show sei. Er könne sich nur deshalb so stark ins Zeug legen, weil sein Umfeld intakt sei. «Die Kameradschaft im Verein stimmt, auch die private Seite, wo mir meine Frau unter die Arme greift.»

Diese ist ebenfalls Mitglied der MG Ziefen und gehört zum OK. Einige sagten, ich hätte «eine Ecke ab», fügt Schlumpf an und folgert: «Das muss man haben, wenn man so viel macht.»
Doch er will reduzieren. Als ersten Schritt hat er das Vereinspräsidium im Frühling abgegeben.

An der Generalversammlung wurde der 45-Jährige für zwei weitere Jahre als Dirigent gewählt. Damit ist das Doppelamt eliminiert. Patrik Schlumpf ist Garagist und auch noch Bürgerrat. Bei seinen vielen Verpflichtungen müsse der Bürgerrat momentan ein wenig leiden, gesteht er ein. Er könne nicht an allen Sitzungen teilnehmen.

Gedämpft optimistisch

Die Zukunft der Ziefner Brassband beurteilt er gedämpft optimistisch. «Wenn wir so zusammenbleiben können wie jetzt, siehts nicht schlecht aus.» Hoffnung setzt Schlumpf in die Nachwuchsförderung, die wieder verstärkt wird. Markus Gutknecht und Patrik Schlumpf blicken ein bisschen wehmütig zurück in die 1990er-Jahre, als das Musikcorps noch stolze 40 Aktive gehabt hat. «Es kamen Junge nach, aber von diesen sind nicht mehr viele dabei», stellt Schlumpf fest.

Gutknecht betont jedoch, «dass wir auch Junge haben, die sehr gut mitmachen». Sie hätten bewusst jüngere Aktivmitglieder in die Organisation der Kantonalen Musiktage eingebunden und könnten ihnen nun ihre Erfahrung weitergeben.