Vorwürfe
Zoff um den Neubau des kantonalen Tiefbau-Chefs

Beim Bau seines Eigenheims soll sich der Baselbieter Kantonsingenieur Oliver Jacobi über Bestimmungen hinweggesetzt haben.

Julia Gohl
Drucken
Teilen
Wegen diesem Haus gibt es Stunk in SeltisbergRoland Schmid

Wegen diesem Haus gibt es Stunk in SeltisbergRoland Schmid

Roland Schmid

Mit «Erstaunen» habe er die Berichterstattung von «Onlinereports» zur Kenntnis genommen, sagt Oliver Jacobi auf Anfrage. Das Newsportal berichtete am Montag über schwere Vorwürfe, die per Flyer gegen ihn erhoben werden. Ohne Namensnennung monieren Vera Hasenböhler, ehemalige Gemeinderätin, und Albert Peter, ehemaliger Gemeindepräsident, «Schlaumeiereien beim Bauen» des neuen Einfamilienhauses des Kantonsingenieurs in Seltisberg sowie das Handeln von Gemeinderat und Baukommission.

Dabei hatte alles so gut angefangen: Hasenböhler und ihr Lebenspartner freuten sich auf die jungen Nachbarn, man traf sich ab und an zu gemeinsamen Abendessen. «Jetzt fühlen wir uns nur noch betrogen», sagt Hasenböhler. Und Jacobi findet: «Wir können es einfach nicht verstehen – vor allem nicht die Vehemenz und die ehrverletzenden Bezichtigungen auf dem Flugblatt.»

Gemäss Hasenböhler hätten sich die Jacobis beim Bau ihres Einfamilienhauses in mehrfacher Hinsicht über die gültige Baubewilligung hinweggesetzt. Die Terrasse etwa sei so verändert worden, dass daraus eine grosse Mauerfront mit Anbau geworden sei. Dies habe eine Diskussion über ein Überschreiten der Bebauungsziffer hervorgebracht. «Und der Anbau wurde kurzerhand mit einem Flachdach versehen.» Am meisten ärgert Hasenböhler, dass wegen dieser Änderungen der Grenzabstand zu ihrer Parzelle nicht eingehalten werde. «In meinem Alter muss man an einen Verkauf seines Hauses denken», so die 72-Jährige. «Da muss ich mich gegen eine solche Minderung meines Grundstückwerts wehren.»

Mehrfach habe sie Jacobi darauf aufmerksam gemacht, sei aber immer abgewimmelt und nicht ernst genommen worden. Deshalb stellte sie beim kantonalen Bauinspektorat einen Antrag auf Neubeurteilung des Baugesuchs – mit Erfolg. Gegen die Neuauflage des Projekts durch den Bauherrn erhob sie Einspruch. Dieser ist nun hängig.

An Bewilligung gehalten

Jacobi kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen. «In Lage und Höhe entspricht unser Haus genau dem, was wir eingegeben haben», betont er. Das habe auch die amtliche Vermessung so bestätigt. «Wir haben nicht anders gebaut als von der Baubewilligung erlaubt.» Einzig auf die Aufschüttung des Raums unter der Veranda hätten sie verzichtet. «Aber sollte das Bauinspektorat entscheiden, dass wir das nachholen müssen, werden wir das tun.» Nach der Einsprache seiner Nachbarn sei extra nochmals ein Geometer vorbeigekommen, um zu überprüfen, ob alle Grenzabstände korrekt sind. Doch Hasenböhler habe nicht einmal dessen Resultate abgewartet. Sie sei schon vorher auf die Medien zugegangen und habe das besagte Flugblatt verfasst.

Dieses, so betont Vera Hasenböhler, sei jedoch gerade nicht wegen der baurechtlichen Fragen kreiert worden. In dieser Sache betonen nämlich beide Seiten, gesprächsbereit zu sein. Könne keine Einigung erzielt werden, müsse das Bauinspektorat entscheiden. «Beim Flugblatt geht es aber um das politische Vorgehen.» Sie kritisiert, dass der Präsident der Baukommission als Architekt und leitender Bauführer des Bauvorhabens sowie der Bauherr selbst in der Seltisberger Baukommission sitzen. Sie seien bei Entscheidungen zum entsprechenden Baugesuch in den Ausstand getreten, betont Jacobi, genau wie seine Frau Vanessa Duss Jacobi, die Gemeinderätin ist. «Das ist doch eine Ausrede, damit sie die Verantwortung abschieben können», findet Hasenböhler.

Genau deshalb hat sich auch ihr ehemaliger Kollege Albert Peter eingeschaltet. Ihm gehe es nicht einmal um die baurechtlichen Fragen. «Aber die Behörden müssen dafür sorgen, dass so etwas nicht in diesem Umfang geschieht», findet er. Es könne vorkommen, dass in einer Kommission gleich mehrere Involvierte Einsitz haben. «Dann müsste der Gemeinderat aber umso wachsamer sein.» Doch genau dies sei nicht passiert. «Dabei leiden Glaubwürdigkeit und Durchsetzungskraft der Baukommission, wenn bei eigenen Interessen nicht sehr strenge Massstäbe angewendet werden.»

Aktuelle Nachrichten