Zonenplanrevision
Der Tenniker Chilchacher wird zum Sonderfall

Die Pfarrmatte in Tenniken soll grün bleiben, das ist im Dorf klar. Doch welche Lösung ist die beste? An einem Informationsabend wurden die Möglichkeiten diskutiert.

Simon Tschopp
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Der Chilchacher wird Tenniken noch einige Zeit beschäftigen.

Der Chilchacher wird Tenniken noch einige Zeit beschäftigen.

Roland Schmid
(16. Oktober 2018)

Der Tenniker Gemeinderat will sich bei der Zonenplanrevision nicht am Chilchacher die Hände verbrennen. Die gut 11'000 Quadratmeter grosse Parzelle, die im Besitz der Stiftung Kirchengut Baselland ist, soll nach Meinung eines Grossteils der Dorfbevölkerung grün bleiben. Die Grundstückeigentümerin beantragt jedoch, den Chilchacher in eine Wohnzone zu überführen, um eine Überbauung zu realisieren.

Gemeinderat rückte von ursprünglicher Haltung ab

Der Gemeinderat schlägt nun vor, die Parzelle in der Zone für öffentliche Werke und Anlagen (OeWA) zu belassen, wie Gemeindepräsidentin Sandra Bätscher an einem Informationsabend am Mittwoch erklärt hat. Zuerst plädierte er für eine Zone mit Quartierplanpflicht, was jedoch auf Widerstand stiess. Das Chilchacher-Komitee, das im Dorf starken Rückhalt geniesst, will die Pfarrmatte vor der Versiegelung bewahren und fordert, das Areal als Grünfläche zu erhalten.

Informationsabend zum Chilchacher in der Turnhalle Seematt in Tenniken.

Informationsabend zum Chilchacher in der Turnhalle Seematt in Tenniken.

Simon Tschopp
(1. September 2021)

Die Interessen der Stiftung Kirchengut und des Chilchacher-Komitees könnten nicht gegensätzlicher sein – und in der Mitte ist Tennikens Exekutive. Diese will die gesamte Zonenplanrevision nicht durch das umstrittene Grundstück gefährden und behandelt es deshalb separat. Das stösst Kaspar Geiger vom Chilchacher-Komitee sauer auf:

«Ich verstehe das nicht und kann das nicht akzeptieren. Dadurch wird die Revision entschärft.»

Die Zukunft des Chilchachers könne nicht losgelöst von der räumlichen Gesamtsicht beurteilt werden.

Fragen wirft auch die vom Gemeinderat vorgeschlagene Zweckbestimmung «kirchliche Einrichtungen, Alterswohnungen» auf. Hierzu räumt die Gemeindepräsidentin ein, dass dies mal eine Idee sei und sie sich darüber nochmals Gedanken machen müssten. Sie ruft die Anwesenden auf, beim noch bis Mitte Monat dauernden Mitwirkungsverfahren ihre Vorschläge einzureichen.

Anwalt setzte sicht Entschädigungsfrage auseinander

Der von der Gemeinde beauftragte Anwalt Jacques Butz hat sich mit der Frage der Entschädigung befasst, die je nach Entscheid der Gemeindeversammlung fällig werden könnte. Vorweg stellt er klar:

«Die Umzonung in eine Wohnzone hätte bei der Regierung keine Chance.»

Butz weist auf das noch vorhandene Bauland im Dorf und die Reserve von fünf Prozent hin. Die Umzonung von der OeWA-Zone in eine Landwirtschafts- oder Grünzone könnte als Rückzonung gesehen werden und eine «gewisse Entschädigungspflicht» nach sich ziehen. Eine Zweckänderung in der bestehenden Zone, die den Besitzer einschränkt, ist laut Jacques Butz eine materielle Enteignung, was eine Entschädigung nicht ausschliesst.

Die Stiftung geht von einem Gesamtwert von 4,7 Millionen Franken aus, zum Preis von umliegendem Bauland. «Das ist utopisch», sagt der Bodenrechtsexperte, der den Quadratmeterpreis für die OeWA-Zone zwischen 50 und 80 Franken einstuft. Butz wertet den Weg, für den sich der Gemeinderat entschieden hat, als klug. Der Status quo bleibt erhalten, die Bedenkfrist ist länger und die Situation offen für die künftige Generation.

Breitseite gegen Stiftung Kirchengut Baselland

Gegen Schluss des Abends holt Kaspar Geiger noch zu einer Breitseite aus gegen die Stiftung Kirchengut Baselland.

«Eine Frechheit, welche Preisforderungen die Stiftung hat.»

Seit längerem halte sie hartnäckig daran fest. Das sei reine Strategie, die Leute im Stiftungsrat wüssten genau, dass das nicht funktioniere.

Nach dem jetzt laufenden Informations- und Mitwirkungsverfahren wird die Gemeindeversammlung über die Zonenplanrevision entscheiden. Dieser Beschluss unterliegt dem fakultativen Referendum. Bei der darauffolgenden Planauflage sind Einsprachen möglich, die bis vor Bundesgericht gezogen werden können. Der Chilchacher bleibt noch länger ein brennendes Thema.

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