Alterssiedlung
Zu teuer: Allschwil muss die Altersprojekte abblasen

In Allschwil wird es allmählich eng für die ältere Generation: Ein Projekt zum Wohnen im Alter ist abgesagt, das zweite steht auf der Kippe.

Julia Gohl
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Alterssiedlung des Alterszentrums Am Bachgraben: Die Gebäude müssten saniert werden – doch der Gemeinde fehlt das Geld.

Alterssiedlung des Alterszentrums Am Bachgraben: Die Gebäude müssten saniert werden – doch der Gemeinde fehlt das Geld.

Julia Gohl

Allschwil weiss: Für die stetig älter werdende Bevölkerung braucht es dringend mehr Wohnangebote. Dass das Allschwiler Alterszentrum Am Bachgraben (AZB) einen grossen Um- und Ausbau plant und dass die Thomi-Hopf-Stiftung (THS) eine Alterssiedlung in Allschwil bauen will, sollte da eigentlich gelegen kommen. Doch nun hat die Gemeinde das AZB-Projekt abgeblasen – und auch das Vorhaben der THS steht auf der Kippe.

Das AZB verfügt bereits über eine Alterssiedlung und sollte sie dringend sanieren. Dies wollte es zukunftsorientiert angehen und etwa mehr Pflegebetten schaffen. Erste Pläne umfassten sogar ein Demenzkompetenzzentrum und ein Gebäude für Generationenwohnen. Dies war allerdings nicht im Sinne der Gemeinde. Schliesslich einigten sich die beiden Parteien auf die Einrichtung von 90 Pflegebetten und die Sanierung der Alterssiedlung im Ergänzungsleistungsbereich, also zu Mieten, die sich ein Bezüger von Ergänzungsleistungen (EL) leisten kann.

Ungefähr zeitgleich kam die THS mit ihrem Projekt auf die Gemeinde zu: Auf dem Gelände der Villa an der Oberwilerstrasse, in der das verstorbene Stifter-Ehepaar einst lebte, sollen 40 Alterswohnungen und 30 Pflegebetten sowie ein Wellnessbereich, ein Restaurant und ein Park entstehen. Dazu ist ein Quartierplan nötig, den die Gemeinde in Anbetracht des grossen Bedarfs gerne in Angriff nahm.

Die Mieten wären zu hoch

Vergangenen November stellte die THS im Rahmen einer Wirtschaftlichkeitsprüfung jedoch fest: Das Projekt ist in seiner derzeitigen Form nicht umsetzbar. Deshalb schlug die Stiftung dem Gemeinderat vor, statt der Pflegebetten zusätzliche Alterswohnungen zu schaffen. Doch dies ist nicht im Sinne der Gemeinde. «Wir haben uns nur wegen der Pflegebetten auf den Quartierplan eingelassen», betont Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli. «Sie sind für uns ein integraler Bestandteil.»

Nun geht die THS nochmals über die Bücher und will erneut mit der Gemeinde beraten. «Die nächsten Wochen werden zeigen, ob wir dabei auf einen gemeinsamen Nenner kommen», meint Christoph Bauer, Vizepräsident der THS. Sonst werde das Projekt abgebrochen.

EL-konforme Mieten verlangt

Zu den Streitpunkten gehört auch die Bedingung, die Wohnungen zu EL-konformen Mieten abzugeben. «Wenn sich die Einwohner die Miete nicht leisten können, gehen sie direkt ins Alterszentrum», begründet Nüssli die Vorgabe. Die Kosten müsste dann die Gemeinde tragen. Bauer hat zwar Verständnis, aber: «Im Vertragsentwurf zum Quartierplan steht, dass wir EL-konforme Mieten verlangen, das Kapital aber auch marktüblich verzinsen müssen. Beides ist schlicht nicht möglich.»

Auch das AZB kann aufgrund mangelnden Eigenkapitals seine Alterswohnungen nach der Sanierung nicht zu EL-konformen Mieten anbieten – für die Gemeinde ein No-go. Auch die steigenden Tagestaxen, die die Gemeinde mitfinanzieren müsste, und der Wunsch nach einer Beteiligung mit acht Millionen an der Sanierung konnte die Gemeinde angesichts ihrer finanziellen Schwierigkeiten nicht akzeptieren. So erteilte die Gemeinde im Februar dem AZB-Projekt nach eineinhalb Jahren Planung eine Absage und schlägt vor, die Alterssiedlung sanft zu sanieren, um Kosten und Mieten tief zu halten. Damit ist das AZB am Ursprungsproblem. Ideen seien bereits vorhanden, versichert AZB-Direktor Sandro Zamengo optimistisch.

Grund zu Optimismus hat auch die Gemeinde: Sie befindet sich in Verhandlungen mit dem Alters- und Pflegeheim Adullam in Basel, das Allschwil 12 bis 15 Zimmer angeboten hat. Damit wäre ein Teil des steigenden Bedarfs abgedeckt.