Strafgericht
Zuerst verprügelt, dann vergewaltigt: 22-Jähriger muss vier Jahre hinter Gitter

Ein 22-Jähriger erhält wegen einer Vergewaltigung und weiteren Delikten eine vierjährige Gefängnisstrafe. Er hat seine Freundin geschlagen bis sie einwilligte, mit ihm Sex zu haben. Der junge Mann hat die Vergewaltigungsvorwürfe stets zurückgewiesen.

Patrick Rudin
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Der 22-Jährige muss wegen einer Vergewaltigung und anderen Straftaten für vier Jahre ins Gefängnis. (Symbolbild)

Der 22-Jährige muss wegen einer Vergewaltigung und anderen Straftaten für vier Jahre ins Gefängnis. (Symbolbild)

Keystone

Er hat seine Freundin geschlagen, bis sie endlich einwilligte, mit ihm Sex zu haben: Das Strafgericht in Liestal verurteilte gestern einen 22-jährigen Mann aus Böckten wegen Vergewaltigung und Freiheitsberaubung sowie wegen weiterer Delikte zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren.

Der Mann hatte den Vorwurf der sexuellen Übergriffe stets bestritten. Die fünf Richter hingegen gingen davon aus, dass er tatsächlich seine damalige Freundin regelrecht verprügelt hatte, eine Stunde später habe sie dann psychisch und körperlich völlig erschöpft in den Sex eingewilligt.

Die Staatsanwaltschaft warf dem Mann auch vor, in rund 20 ähnlichen Fällen die Frau über Monate hinweg zum Sex gezwungen zu haben: Hier kam das Gericht zu Freisprüchen, weil die Schilderungen der Anklageschrift zu pauschal und auch die Zeiträume zu wenig detailliert angegeben waren. Gegen solche allgemein gehaltene Vorwürfe könne man sich nicht wirksam verteidigen, sagte Gerichtspräsident Daniel Seiler.

Eingeschränkte Schuldfähigkeit

Die Schuldfähigkeit sei bei der Vergewaltigung wegen Kokain und Alkohol leicht eingeschränkt gewesen, zu einem geringeren Strafmass führte auch seine schlimme Kindheit mit einem extrem gewalttätigen Vater.

Die restlichen Schuldsprüche entsprachen den Erwartungen: Zwei Raubüberfälle des Mannes waren unbestritten, dazu kamen bandenmässige Diebstähle und Sprayereien.

Der Mann war zuvor dreimal aus dem Arxhof geflüchtet, eine therapeutische stationäre Massnahme lehnte er rigoros ab: Er wollte keinesfalls an einer Gruppentherapie mit Vergewaltigern teilnehmen, da er selbst keiner sei.

Derzeit sitzt er im geschlossenen Strafvollzug, ein offener Vollzug ausserhalb der Gefängnismauern wurde ihm wegen der Fluchtgefahr nicht erlaubt. Dies könnte sich nun nach dem Urteil möglicherweise ändern, zumal er in rund zehn Monaten zwei Drittel seiner Strafe abgesessen hat und damit auch eine vorzeitige Entlassung auf Bewährung denkbar ist.

Das Gericht ordnete zusätzlich eine ambulante Behandlung an, damit vorläufig eine enge Betreuung sichergestellt ist.

Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig, und insbesondere wegen der Verurteilung wegen der Vergewaltigung wird der Mann wohl das Kantonsgericht als zweite Instanz anrufen.

Bis zur zweiten Verhandlung dauert es allerdings üblicherweise rund ein Jahr – eine faktische Verkürzung seiner Freiheitsstrafe kann er somit nicht mehr erreichen.

Doch auch die Staatsanwaltschaft kann das Urteil noch weiterziehen: Sie hatte bei den Vergewaltigungen und beim Raub eine besonders schwere Begehung mit höherem Strafmass angeklagt, die nächste Instanz könnte damit auch eine wesentlich höhere Strafe aussprechen.