Abo-Preise
Zürcher beneiden Basler um ihr günstiges U-Abo

Trotz «Erfolgsgeschichte» stehen die günstigen Monatskarten wieder zur Diskussion. Eine Entscheidung über die Zukunft des U-Abos wird in zwei Wochen fallen, wenn sich Transportunternehmen und Regierungen zur Vollversammlung träfen.

Boris Burkhardt
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Bald könnte das beliebte U-Abo teurer werden. Die Entscheidung fällt in zwei Wochen. Boris Burkhardt

Bald könnte das beliebte U-Abo teurer werden. Die Entscheidung fällt in zwei Wochen. Boris Burkhardt

Wirklich überraschend ist es nicht, dass der «Tagesanzeiger» diese Woche herausfand, dass der öffentliche Nahverkehr in Zürich um einiges teurer ist als in der restlichen Schweiz. Nicht selbstverständlich ist allerdings, dass Basler, Baselbieter und Grenzgänger im Jahresabo ganze 30 Prozent gegenüber den Zürchern sparen: Dem Umweltschutz-Abonnement sei Dank.

Als der Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW) 1987 das U-Abo einführte, war ein günstiger öV erklärter Wille, um vor allem die Pendler aus den Autos zu holen. «Das U-Abo ist seit 25 Jahren ein Erfolgsmodell», betont Markus Meisinger, Amtsleiter Öffentlicher Verkehr Baselland: «Der öV hat hier eine extrem hohe Akzeptanz und wird in Umfragen immer wieder als wichtiges Merkmal der Lebensqualität genannt.»

Entscheid fällt in zwei Wochen

Das Erfolgsmodell eines Ein-Zonen-Tarifs wird jedoch mittlerweile angezweifelt (die bz berichtete). Auch Meisinger tönt leise Kritik an: «Mit dem Ein-Zonen-Tarif können wir die öV-Nutzung politisch bisher nicht sehr fein steuern. Entweder müssen wir etwas für alle ändern oder für keinen.» Andreas Büttiker, als BLT-Chef auch Geschäftsführer der TNW-Kommission, hält sich auf Anfrage der bz bedeckt. Eine Entscheidung über die Zukunft des U-Abos werde in zwei Wochen fallen, wenn sich Transportunternehmen und Regierungen zur Vollversammlung träfen.

Einen kurzen Einblick in die Seelenlage eines öV-Planers gibt er dann doch noch: Einerseits müssten die Transportunternehmen Mehrerträge erwirtschaften; andererseits müsse man sich bei einem «absoluten Erfolgsprodukt» wie dem U-Abo «ganz, ganz gut überlegen», ob man etwas ändern wolle. (175000 Menschen kaufen monatlich das einfache U-Abo für 70 Franken; 25 Franken pro Abo stupfen die Kantone zu.)

Kritik vor allem aus Basel

Tatsächlich kam die ursprüngliche Kritik vor allem von der Basler Regierung. Dort gab sich Alain Groff, Amtsleiter Mobilität, gestern diplomatisch: «Es gibt momentan eine schweizweite Diskussion, was Mobilität in Zukunft kosten soll. Wir müssen uns fragen, ob es gerecht ist, wenn man auf langen Strecken denselben Betrag wie auf kurzen zahlt.» Bei den Preisen für Einzelfahrten und Tageskarten steht Basel Zürich und Bern tatsächlich nicht viel nach.

BVB-Verkaufsleiter Georg Vischer wurde im «Tagesanzeiger» zitiert: Man evaluiere ein verursachergerechtes Modell. Wer längere Strecken fahre, solle auch mehr bezahlen. Der TNW prüfe deshalb, «ob zonierte Abonnements eingeführt werden sollen wie in Zürich oder Bern».

BLT-Chef Büttiker ist es vor allem wichtig, den Regierungen für ihre Entscheidungen Fakten auf den Tisch legen zu können. Für die tarifverwöhnten Pendler schimmert allerdings Hoffnung durch: «Über eine Verteuerung des U-Abos haben wir auch schon vor fünf und zehn Jahren diskutiert.»