Therwil
Zürcher Nationalrätin wird Opfer einer Leserbrief-Fälschung

Erneut publizierte der Birsigtal-Bote einen gefälschten Leserbrief zur Handschlag-Debatte. Dieses Mal unter dem Namen einer ehemaligen Einwohnerin. Wer für die Fälschungen verantwortlich ist, bleibt unklar. Gemeindeschreiber Theo Kim spricht von einer «bodenlosen Frechheit».

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Wer die beiden Leserbriefe unter falschem Namen geschrieben hat, ist bis anhin noch unklar.

Wer die beiden Leserbriefe unter falschem Namen geschrieben hat, ist bis anhin noch unklar.

Keystone

Die Gemeinde Therwil kommt nicht zur Ruhe. Vor einigen Monaten deckte sie auf, dass im Amtlichen Anzeiger für das Birsigtal («BiBo») zwei kurz aufeinanderfolgende Leserbriefe einer «Gabriela Schneider» gefälscht waren. Die fiktive «BiBo»-Leserin gab sich als Einwohnerin und Steuerzahlerin aus – nur ist in Therwil unter diesem Namen keine Einwohnerin registriert.

Gefälschte Identität

Letzte Woche ist nun erneut ein gefälschter Leserbrief im «BiBo» erschienen, wie die Gemeinde gestern mitteilte. Unter dem Titel «Das geht zu weit!» äusserte sich eine Frau «Dr. Mattea Meyer» zur Handschlag-Affäre, welche Therwil beschäftigt.

Die Gemeinde schreibt, die inhaltlich inkorrekte Aussage, die Muslimfamilie sei in Therwil wohnhaft und dürfe deshalb auf keinen Fall dort eingebürgert werden, sei eine Sache. «Absolut unhaltbar und verwerflich» findet Gemeindeschreiber Theo Kim aber die Tatsache, dass in diesem Fall ein Name einer Person verwendet worden ist, die früher tatsächlich in Therwil wohnte, dann aber 1989 mit ihren Eltern nach Winterthur zog, wo sie heute noch lebt.

Dass der unbekannte Verfasser oder die unbekannte Verfasserin zudem dem Namen einen Doktortitel vorangestellt hat, rundet die für Kim «bodenlose Frechheit einer Identitätsfälschung noch ab». Die richtige Mattea Meyer ist soeben für die Zürcher SP in den Nationalrat gewählt worden, wo sie sich laut Kim «für eine menschenwürdige Migrationspolitik einsetzt».

Echtheit überprüfen

Die Gemeinde Therwil entschuldigt sich bei der richtigen Mattea Meyer und hält sich gegenüber dem unbekannten Autor rechtliche Schritte vor. Nach der Häufung dieser Vorfälle will die «BiBo»-Redaktion zusammen mit der Gemeindeverwaltung bei den Leserbriefen «soweit möglich» die Identität der Schreibenden überprüfen. Gemeindeschreiber Kim erläutert: «Wir werden jeweils nachschauen, ob die Leserbriefschreibenden bei uns in der Einwohnerkartei registriert sind. Mehr können wir nicht machen.» Den Grossteil der Einwohner würden sie kennen. Bei jenen könne man die Echtheit mit einem Telefonat relativ rasch verifizieren.

Nationalrätin Mattea Meyer sagt auf telefonische Nachfrage, dass heute im «BiBo» eine Richtigstellung erscheinen wird. «Als Nationalrätin bin ich Kritik gewohnt, aber das geht einfach zu weit.» Sie bestätigt, dass auch sie sich rechtliche Schritte vorbehält: «Ich prüfe das zurzeit.» (CLM)

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