Allschwil
Zwangsversetzung: Schüler gewinnen gegen Bildungsdirektor Wüthrich

Zwei Allschwiler Schüler wehren sich vor Gericht gegen Zwangsversetzung nach Oberwil. Das Kantonsgericht hat den beiden gestern nun Recht gegeben. Sie dürfen weiter in ihrer Wohngemeinde in die Schule.

Birgit Günter
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Schlappe für den Bildungsdirektor Urs Wüthrich

Schlappe für den Bildungsdirektor Urs Wüthrich

Martin Töngi

Nino Näf ist überglücklich. Er und sein Schulkollege Florian Pflugi dürfen weiter in Allschwil zur Schule gehen. Die Eltern der beiden Zwölfjährigen haben die Beschwerde gegen die Zwangsversetzung nach Oberwil bis ans Kantonsgericht weitergezogen – und gestern recht erhalten.

Das Gericht begründete den Entscheid mit dem Vorgehen des Amtes für Volksschulen. Das Amt habe den Betroffenen das rechtliche Gehör nicht ausreichend gewährt, wie der Beschwerde führende Anwalt Pascal Stoll erklärt. Im Fall von Peter Pflugi, der als alleinerziehender und erwerbstätiger Vater für drei Kinder sorgt, kam zudem noch die Frage der Verhältnismässigkeit dazu.

Das Amt für Volksschulen (AVS) nimmt diese Kritik entgegen: «Nächstes Jahr werden wir beim rechtlichen Gehör differenzierter auf die persönliche Situation eingehen», sagt Dieter Kaufmann vom AVS. Viele der angegebenen Gründe seien aber Interpretationssache, gibt er zu bedenken. «Alleinerziehend» beispielsweise reiche nicht als Kriterium, um sich ungesehen gegen eine Zwangsversetzung zu wehren.

Landrat kritisiert Bildungsdirektor

Wie viele Kinder es im neuen Schuljahr trifft, steht laut Kaufmann frühestens ab März 2012 fest. Der Grünen-Landrat Jürg Wiedemann fordert nach diesem Urteil aber nun, dass die Regierung künftig auf jegliche Zwangsverschiebungen verzichtet. «Regierungsrat Urs Wüthrich ist sich vielleicht nicht bewusst, was er mit solchen Entscheiden den Kindern antut», kritisiert er den Bildungsdirektor. Und er ist überzeugt: «Der Gerichtsentscheid widerspiegelt den Willen der Bevölkerung.»

Wiedemann verweist auf die hängige Volksinitiative «Keine Zwangsverschiebungen von Schülerinnen und Schülern». Bis diese den Weg durch das Parlament geschafft hat und an die Urne kommt, dürfte es Herbst 2012 werden. Selbst wenn das Volk die Initiative annehmen würde – für die angehenden Sekundarschüler käme dies zu spät.

Ungetrübte Freude herrscht jetzt bei den beiden siegreichen Familien. Peter Pflugi ist erleichtert: «Für die Kinder wäre die Versetzung eine Riesenbelastung gewesen.» Karin Näf jubelt: «Die Freude ist gigantisch.» Und Sohn Nino sagt: «Endlich liegt mir das Thema nicht mehr auf dem Herzen.» Zusammen mit Florian geht er in die 1A im Schulhaus Breite in Allschwil. Wegen des bei Schulbeginn hängigen Verfahrens wurden beide in Allschwil eingeschult. «Hier sind sie integriert und haben ihre Freunde», erzählt Klassenlehrerin Kathrin Schaltenbrand. Die Klasse sei mit 26 Schülern zwar gross, aber «problemlos führbar». «Das Urteil ist das Beste, das ihnen hat passieren können.»