Geschichte
Zwei Basler Forscherinnen erneuern Personenlexikon

Das 16 Jahre alte «Personenlexikon des Kantons Basel-Landschaft» wird rundum erneuert, erweitert und auf einer neuen Internetseite veröffentlicht. Zwei Basler Forscherinnen kümmern sich um das grosse Projekt.

Christian Gentsch
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Die Historikerin Isabel Koellreuter (links) und die Kulturwissenschafterin Franziska Schürch arbeiten im Basler Gundeldinger-Feld.

Die Historikerin Isabel Koellreuter (links) und die Kulturwissenschafterin Franziska Schürch arbeiten im Basler Gundeldinger-Feld.

Nicole Nars-Zimmer

Bereits 1998 gab der Kanton Baselland ein Lexikon über Persönlichkeiten aus der regionalen Geschichte heraus. Zu wichtigen Persönlichkeiten gehören interessante Geschichten, die erhalten und weitererzählt werden müssen. Wie zum Beispiel jene von Stephan Gutzwiller, der eine führende Rolle bei der Kantonstrennung der beiden Basel 1832/33 spielte. Oder Georg Herwegh, dem bedeutenden deutschen Dichter, dessen Nachlass den Kernbestand des Liestaler Dichter- und Stadtmuseums bildet und, dem ein Denkmal in Liestal gewidmet ist.

Nun wird das Personenlexikon im Auftrag der kantonalen Kommission für Quellen und Forschung erneuert und um 300 Personen erweitert. Ziel ist, einen Gesamtbestand von 800 historisch bedeutenden Persönlichkeiten aus dem Kanton Baselland und der näheren Umgebung der Allgemeinheit im Internet verfügbar zu machen.

Da die umfangreichen Recherchearbeiten viel Zeit und Ressourcen benötigen, hat die Kommission das Projekt ausgeschrieben, damit sich ein externes Unternehmen dem Personenlexikon widmen kann. Für das 200'000 Franken teure Projekt, das der Swisslos-Fonds Baselland finanziert, haben sich einige Firmen beworben. Den Zuschlag hat das Basler Büro für Kulturwissenschaften und Geschichte Schürch & Koellreuter erhalten. Die Historikerin Isabel Koellreuter (40) und die Kulturwissenschafterin Franziska Schürch (42) haben nach geeigneten Persönlichkeiten geforscht, um diese ins Lexikon aufzunehmen.

Szenische Lesung zur Trennung

Das Büro Schürch & Koellreuter besteht seit 2010 und ist auf die Erforschung und Vermittlung von historischen und alltagskulturellen Inhalten spezialisiert. Diese Inhalte bringen sie mithilfe von Theaterstücken, Ausstellungen oder auch Texten dem interessierten Publikum näher. Zum Beispiel die Geschichte des Nahrungsmittelherstellers Hero fassten die Forscherinnen in einem Buch zusammen. Die Kantonstrennung von Basel präsentierten sie dem Publikum in einer szenischen Lesung.

Im Vergleich zum ersten Lexikon, in dem der Fokus eher auf politischen Akteuren lag, haben die Forscherinnen die Auswahlkriterien erweitert und nehmen nun auch vermehrt Persönlichkeiten aus Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft in das Werk auf. Auch wird das Augenmerk noch stärker auf Frauen gerichtet.

Die Forscherinnen berücksichtigen nicht nur Personen aus Baselland, sondern auch wichtige und interessante Persönlichkeiten aus den umliegenden Regionen, wenn diese im Baselbiet Spuren hinterlassen haben. «Wir ziehen keine strikte Grenze zwischen Basel-Stadt und Baselland. Der Fokus des Lexikons liegt auf dem Wirkungsgrad der Person, nicht auf der genauen Herkunft», sagt Franziska Schürch, die in Basel-Stadt arbeitet, aber eine Baselbieterin ist.

Eineinhalb Tage stehen den beiden Forscherinnen und den drei Mitarbeitenden durchschnittlich pro Lexikoneintrag zur Verfügung. In diesem Zeitfenster muss die detaillierte Recherche erledigt und der Text verfasst und redigiert sein. Sie recherchieren vorwiegend in gedruckten Medien wie Büchern und in Zeitungsarchiven. «Wir freuen uns immer über Verbesserungsvorschläge und Ergänzungen aus der Bevölkerung. Auch detaillierte Informationen von Zeitzeugen können uns weiterhelfen», erklärt Franziska Schürch.

Auf der Internetseite kann die Bevölkerung aktiv mitwirken, indem sie Empfehlungen für wichtige und verstorbene Akteure der Region abgibt oder Ergänzungsvorschläge dem Büro Schürch & Koellreuter unterbreitet.

Ambitionierte, die historisch versiert sind, können das Lexikon aktiv erweitern, indem sie eigene Lexikoneinträge zu Personen einreichen, die dann vom Büro Schürch & Koellreuter überprüft und redaktionell überarbeitet werden.

In den kommenden fünf Tagen stellt die bz jeden Tag eine eingetragene Persönlichkeit des historischen Personenlexikons vor.