Kritik
Zwingens Flucht nach vorne im Deponie-Streit

Nach der Kündigung des Sozialhilfe-Vertrags: Der Gemeinderat von Zwingen wird wegen der angeblich fehlenden Solidarität mit den anderen Laufentaler Gemeinden harsch kritisiert.

Bojan Stula
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Zwingen steht in der Kritik der umliegenden Gemeinden. (Archiv)

Zwingen steht in der Kritik der umliegenden Gemeinden. (Archiv)

Es ist eine volle verbale Breitseite, die Burgs Gemeinderat Hans-Jörg Tobler über den Blauen in Richtung Zwingen abfeuert. In einem Leserbrief in der gestrigen Ausgabe des «Wochenblatts» ärgert sich Tobler über die angeblich ausbleibende Solidarität des Zwingner Gemeinderats mit den übrigen Gemeinden im Laufental: «Wurde da das Laufental mit seinen 13 Gemeinden nicht schon diverse Male durch Entscheide brüskiert, die diese Solidarität mit Füssen treten?»

Als Beweis für diese fortgesetzte Brüskierung der übrigen Laufentaler Gemeinden führt Tobler die vom Zwingner Gemeinderat beschlossene Kündigung des Vertrags über die gemeinsame Sozialhilfebehörde und den Austritt aus dem Zweckverband Sozialberatung Laufental an: «Die Art und Weise dieser Kündigung lässt Fragen bezüglich Führungsstil und Zusammenarbeit offen. Es kann schon fast von diktatorischem Verhalten gesprochen werden», setzt Burgs Verantwortlicher für Gesundheit und soziale Wohlfahrt seinen Leserbrief im «Wochenblatt» fort. Offen fordert Tobler die Stimmbürger von Zwingen dazu auf, an der nächsten Gemeindeversammlung zu diesem Thema «Fragen zu stellen».

Zwingen unterstützt Komitee

Ist es nur ein zeitlich zufälliges Zusammentreffen oder eine beabsichtigte Reaktion, um Toblers Kritik den Wind aus den Segeln zu nehmen? Jedenfalls verschickte noch am gestrigen Vormittag Zwingens Gemeinderat eine Medienmitteilung, in welcher dieser die Unterstützung des Referendumskomitees «Depo Nie» ankündigte. Das Komitee, das gemeinsam mit Zwingens Burgerkooperation Unterschriften für ein Referendum sammelt, wehrt sich gegen die Aufnahme der beiden Quellgebiete «Stutz» (Blauen) und «Sunnerai» (Zwingen) als Deponiestandorte in den kantonalen Richtplan (Krip). Diese Aufnahme wurde vom Baselbieter Landrat vor 14 Tagen trotz kontroverser Diskussionen beschlossen, was die um ihre Naturlandschaft besorgten Laufentaler nun per Volksabstimmung rückgängig machen wollen.

«Aufgrund des negativen Landratsbeschlusses hat der Gemeinderat Zwingen entschieden, das Referendum zu unterstützen. Das Referendumskomitee wird mit einem kleinen einmaligen finanziellen Beitrag unterstützt», schreibt Zwingens Gemeinderat in seiner Mitteilung. Zudem betont die Gemeindeexekutive, dass sie sich bereits bei der Vernehmlassung zum Krip gegen diese beiden Deponiestandorte gewehrt habe. «Dies mit dem Ziel, die massive Zunahme des Verkehrs zu verhindern und den Erhalt der Quellen ‹Bernhardsmätteli› und ‹Pfandel› zu sichern.»

Zwar lobt Tobler, dass sich Zwingen jetzt wenigstens zu dieser Frage äussert, die er ebenfalls in seinem Leserbrief als wichtiges gemeinsames Laufentaler Anliegen anspricht. «Doch die gleiche Solidarität wünsche ich mir von Zwingen auch in sozialen Belangen», hält er gegenüber der bz fest.

Zwingens Gemeindepräsident Ermando Imondi wollte sich gestern nicht weiter zu diesem Thema äussern und verwies auf die Medienmitteilung.

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