Einwohnerrat Liestal
Zwischen Arten- und Gartenschutz scheiden sich die Geister: Steingärten sorgen für hitzige Debatte

Als Massnahme gegen die Hitze sollten weniger Böden versiegelt werden. Diese Forderung gab in Liestal zu reden.

Daniel Aenishänslin
Drucken
Steingärten, Schottergärten oder auch Steinwüsten: Städte heizen sich aufgrund versiegelter Böden und geringer Vegetation stärker auf.

Steingärten, Schottergärten oder auch Steinwüsten: Städte heizen sich aufgrund versiegelter Böden und geringer Vegetation stärker auf.

Bruno Kissling

Umwelt und Klima bewegen weiter. Nur knapp wurde am Mittwoch im Liestaler Einwohnerrat eine Motion nicht überwiesen, die sich «gegen Versiegelung und Geröllhalden in unseren Gärten» wandte. 18 Einwohnerratsmitglieder lehnten eine Überweisung ab, 16 befürworteten sie. Ein Mitglied enthielt sich der Stimme.

Es waren namentlich Stefan Fraefel (CVP), Vreni Wunderlin (GLP), Susi Thommen (EVP), Michael Durrer (Grüne) und Pascale Meschberger (SP), die vom Stadtrat verlangten, eine Reglements- oder Teilrevisionsvorlage zu erarbeiten. Städte heizten sich aufgrund versiegelter Böden und geringer Vegetation stärker auf. Der Trend zu Steingärten und Steinbeeten käme deshalb zur «Unzeit».Der Vorstoss enthielt mehrere Forderungen. Die Versiegelung der Böden sei auf ein Minimum zu beschränken. Umgebungsgestaltung durch Steingärten solle untersagt oder beschränkt, eine «standortgerechte» Begrünung mit einheimischen Pflanzen dagegen vorgeschrieben werden.

Stadtrat Franz Kaufmann (SP) pflichtete bei: «Tatsache ist schon, dass das Thema behandelt werden müsste, aber in einem umfassenden Sinn.» Er hielt jedoch auch dagegen: Es werde gleich geurteilt, was schlecht sei, was verboten werden müsse, ohne das ganze Bild zu betrachten. Es müssten zuerst übergeordnete kantonale Bestimmungen geprüft werden, um Liestals Spielraum auszuloten. «Ich meine, die Motion ist nicht das richtige Instrument.» Sie strebe direkt eine Teilrevision des Zonenreglements an. Die nächste Revision stehe 2025 an, dann könne das Anliegen mit in die Überlegungen einbezogen werden. «Es ist wichtig, dass das Thema bearbeitet wird», aber das bessere Instrument sei, dieses Anliegen als Postulat zu überweisen.

Fauna, Flora und der private Garten

«Wir sind der Meinung, dass die Motion das einzige richtige Instrument ist», konterte Stefan Fraefel. Kaufmann habe darauf hingewiesen, dass die rechtlichen Grundlagen fehlten. «Richtig, genau darum wollen wir sie jetzt schaffen», sagte Fraefel. «Das macht man mit einer Motion.» Man könne die bestehenden Regelungen problemlos ergänzen. Die im Vorstoss beschriebene Form von Umgebungsgestaltung heize das Mikroklima auf und sei schädlich für die heimische Fauna und Flora.

«Wir haben hier einen Vorstoss, der ein reglementarisches Verbot für Steinbeete und Steingärten fordert und zusätzlich dem Grundeigentümer vorschreiben will, was er privat in seinem Garten pflanzen darf», empörte sich Daniela Reichenstein (FDP). «Da frage ich mich ganz ernsthaft, was das für ein Verständnis von Politik ist, das wir haben.» Verbote auszusprechen, sei keine Politik. Wenn der Einwohnerrat in die Eigentumsrechte der Bürger eingreife, entmündige er sie. «Das ist auf keinen Fall vertretbar.»

Einen anderen Aspekt bracht Nathalie Oberholzer (Grüne) ein, welche die Formulierung als «unglücklich» befand, von Klimawandel und Klimaschutz zu sprechen. «Diesbezüglich ist es tatsächlich eher ein Tropfen auf einen heissen Stein.» Wichtig sei die Förderung der Biodiversität. «Hier haben wir dringenden Handlungsbedarf», sagte sie, «der Artenschwund ist massiv.»