Zwischenruf
Die SVP und die Rowdys – oder: Was eine Eidgenossin ausmacht

Mehrere Plakate zur Verhüllungs-Initiative wurden in Frenkendorf und Füllinsdorf beschädigt. Für die lokale SVP-Fraktion ein Unding.

Benjamin Wieland
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Die Plakate machen Werbung für ein Ja zum Verhüllungsverbot. Immer wieder werden sie aber zerstört.

Die Plakate machen Werbung für ein Ja zum Verhüllungsverbot. Immer wieder werden sie aber zerstört.

Symbolbild: Keystone

Wenn Wahl- und Abstimmungsplakate zerstört werden, ist das ärgerlich. Am 7. März stimmen wir über die Vorlage «Ja zum Verhüllungsverbot» ab, besser bekannt als Anti-Burka-Initiative, wobei ja eher der Nikab gemeint ist.

In Frenkendorf und Füllinsdorf wurden offenbar besonders viele Ja-Plakate verunstaltet oder gleich ganz abgerissen – das beklagt jedenfalls die örtliche SVP-Fraktion. Sie kocht vor Wut:

«Wenn diesen Rowdys und Intoleranten die Meinungs- und Diskussionsfreiheit nicht passt, dann haben sie das Recht und die Freiheit, unser schönes Land zu verlassen und ihr Glück woanders zu suchen! Feiglinge brauchen wir in der Schweiz keine, sondern Eidgenossinnen und Eidgenossen!»

Was genau eine Schweizerin von einer Eidgenossin unterscheidet, ist ja auf den ersten Blick gar nicht so klar. Jetzt hilft die SVP Frenkendorf-Füllinsdorf bei der Definition. Nicht, dass «echtes» Schweizer Blut durch ihre Adern fliessen muss – diese Bedingung hört man allenthalben von gewissen Kreisen –, ist demnach entscheidend, nein, eine Eidgenossin ist, wer keine Abstimmungsplakate zerstört, die Meinungsfreiheit hochhält, tolerant ist – und vor allem: kein Feigling. Tönt durchaus sympathisch.