A 98
Basels Bypass liegt in Deutschland

Der TCS sieht die neue Autobahn in Deutschland als Chance, in der Planung des Bundes spielt sie jedoch keine Rolle. Er sieht die Probleme hausgemacht, die man nicht einfach auf dem Buckel das Nachbarn lösen könne.

Boris Burkkhardt
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Im Dezember hat eine unendliche Geschichte ihr vorläufiges Ende genommen: Der deutsche Verkehrsminister Peter Ramsauer und der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus eröffneten persönlich das fünf Kilometer lange Teilstück der A98 zwischen Lörrach Ost und dem Dreieck Hochrhein. Damit ist die Spange zwischen dem Autobahndreieck Weil am Rhein an der deutschen A5 und der Verzweigung Rheinfelden an der schweizerischen A3 nach 15 Jahren Bauzeit komplett vierspurig befahrbar.

«Schweiz muss Gespräch suchen»

Für Christophe Haller, Präsident des TCS beider Basel, ist das eine frohe Botschaft. Er sieht in der A98 eine grossflächige Umfahrung Basels und fordert, sie entsprechend auszuschildern: «Die Schweiz muss das Gespräch suchen; dazu gibt es interna-tionale Verträge.» Es könne nicht sein, dass die Basler jeden Abend ab Pratteln im Stau stünden, obwohl es eine Umfahrung gebe, von der niemand wisse. Basel, sagt Haller, sei eine der wenigen Grossstädte, die den Verkehr durch die Stadt anstatt um sie herum führten. Er sehe nicht ein, weshalb ein Mandarinenlaster auf seiner Strecke von Palermo nach Hamburg mitten durch Basel fahren müsse.

Verhaltener reagiert die Basler Kantonsverwaltung auf die neue Autobahn. Der Kanton Basel-Stadt dürfe in dieser Angelegenheit nicht in Verhandlungen mit Deutschland treten, sagt André Frauchiger, Pressesprecher im Tiefbauamt: Seit 2008 lägen Nationalstrassen allein in der Verantwortung des Bundes. Ausserdem hätten beide Basel aus Rücksicht auf den Kanton Aargau mit diesem vereinbart, das Thema «Bypass A98» nicht weiter zu forcieren.

Diese Linie verfolgt auch der Bund. Das Problem sei «hausgemacht», sagt Thomas Rohrbach, Sprecher des Bundesamts für Strassen (Astra): Drei Viertel des Verkehrs hätten Quelle und Ziel in der Region; die A98 sei für den regionalen Verkehr also keine Alternative. Es sei ausserdem fraglich, «inwieweit die Schweiz hausgemachte Verkehrsprobleme mittels ausländischer Strassen lösen soll und darf». Der umgekehrte Fall wäre sicher ebenfalls «eine schlechte Lösung mit geringer Akzeptanz».

Kapazitätsgrenze in Rheinfelden

Die einzige Möglichkeit sei deshalb ein Ausbau der A2. Eine Beschilderung auf Schweizer Seite, die die Autofahrer etwa von Zürich auf der A3 Richtung Freiburg und Karlsruhe über die A98 führe, sei keine Alternative. Das bestätigt auf deutscher Seite auch das zuständige Regierungspräsidium Freiburg: Eine neue Beschilderung nach Zürich über die A98 sei nicht geplant. Die deutschen Behörden seien ausserdem der Meinung, dass der Lastwagen-Stauraum am Grenzübergang Rheinfelden bereits an der Kapazitätsgrenze sei.

TCS-Präsident Haller hält dagegen, die Schweiz müsse den Deutschen klarmachen, dass es sich um eine «Win-win-Situation» handle: Schliesslich würde auch die deutsche Volkswirtschaft profitieren, wenn ihre Lastwagen weniger im Stau stünden. Er bezweifelt auch, dass der Anteil am Durchgangsverkehr wirklich so gering ist: Basel sei seit je ein europäischer Verkehrsknotenpunkt gewesen. Haller gibt zu, dass die Zollanlage in Rheinfelden momentan «nicht optimal» auf den Verkehrsfluss ausgerichtet sei. Der Lastverkehr werde in Zukunft aber zunehmen; es sei also unumgänglich, mehr Kapazitäten zu schaffen.

Dass dies momentan am Autobahnzoll Basel/Weil am Rhein passiert, hält Haller für einen Fehler. Bei den Grünen war die A98 bisher nicht wirklich ein Thema. Bekanntermassen seien sie grundsätzlich gegen den Ausbau von Autobahnen, sagt die Basler Grünen-Nationalrätin Anita Lachenmeier, weil dies nur mehr Verkehr erzeuge. Die A98 sei aber nun «erst recht ein Grund» gegen den Ausbau der A2, ist Lachenmeier überzeugt: «Mehr Kapazitäten sind nicht verantwortbar.» Entsprechende Wegweiser über die A98 führten nur dazu, dass auch diese in kürzester Zeit verstopft wäre.

Für Grünen-Grossrat Michael Wüthrich ist die A98 in der Realität bereits heute «natürlich ein Bypass». Über kurz oder lang würden Navigationssysteme sowieso diese Strecke empfehlen. Bis heute empfiehlt von sechs Routenplanern im Internet lediglich einer, von Freiburg nach Zürich über die A98 zu fahren.