Fanzüge

Basler Fussballfans reisen weiterhin mit der Bahnpolizei

«Wir können nicht Verantwortung übernehmen, wer in den Fanzug einsteigt.»

FCB-Sprecher Josef Zindel:

«Wir können nicht Verantwortung übernehmen, wer in den Fanzug einsteigt.»

Die Fans der Young Boys fahren ohne Bahnpolizei. In Basel sieht das Konzept anders aus. Die Basler waren die ersten Fans, die mit Extrazug und unter Begleitung der Bahnpolizei reisen konnten. Vorläufig bleiben sie bei diesem Konzept.

Der Berner Fussballclub Young Boys ist ein Musterknabe in Sachen Fanzüge. Der Club übernimmt Verantwortung für die Sicherheit und Sauberkeit in den Extrazügen, mit denen die Fans an Auswärtsspiele reisen.

Während einer Testphase fuhren die YB-Fans siebenmal von Bern an die Auswärtsmatches – ohne Bahnpolizei im Zug. Stattdessen begleiteten so genannte Stewards, die von der Bahnpolizei ausgebildet werden, die Fans. Ganz autonom wird der YB-Fanzug jedoch nicht verwaltet – zwei SBB-Leute sind trotz allem an Bord.

Kein Zwang für restliche Clubs

«Der Club lässt sich dies etwas kosten», erklärt Reto Kormann, Sprecher der SBB. Denn YB zahlt den Stewards die Ausbildung und die Arbeitseinsätze. Mit dem Pilotprojekt konnten die SBB 12'000 Franken sparen, da sie auf diesen Zügen auf Sicherheitspersonal verzichten konnten.

«Der erfolgreiche Pilotversuch zeigt, dass es durchaus andere Lösungen als Repressionen gibt», betont Kormann. Natürlich müsse man das Modell aber nicht zwanghaft allen Clubs überstülpen. Seit letzter Woche haben die Young Boys und die SBB einen Vertrag, der so lange gilt, bis eine der Parteien kündet.

Allerdings: Die Vereinbarung sieht bei Sicherheitsproblemen keine Konsequenzen vor. «Wir wollen heute nicht schon wieder vom negativen Fall ausgehen», erklärt Kormann. Die ersten sieben Versuche seien gut verlaufen und das stimme zuversichtlich für die Fortsetzung.

Vertragsloser Zustand in Basel

In Basel ist man aber nicht am YB-Modell interessiert. «Wir haben bereits ein ähnliches Modell», erklärt FCB-Sprecher Josef Zindel. Seit vier Jahren stehe man in engem Kontakt mit Vertretern der SBB, beteilige sich an den Reinigungsarbeiten und lasse eigene Begleitpersonen von der Bahnpolizei instruieren. So hätten die SBB das Bahnpersonalkontingent bereits verkleinern können.

In den letzten vier Jahren habe sich eine Selbstregulierung eingestellt. Kormann bestätigt die gute Zusammenarbeit. Doch: man habe nichts Schriftliches in der Hand.

«Gutes Verhälnis zur Bahnpolizei»

«Die lokalen Unterschiede muss man berücksichtigen», entgegnet Zindel. Jede Fankurve habe eine eigene Geschichte. Die Basler waren beispielsweise die ersten Fans, die einen Extrazug gestellt bekamen und mit Bahnpolizisten reisten.

«Seit jeher haben die Fans ein gutes Verhältnis zur Bahnpolizei», sagt er. Die Basler Fangemeinde sei eine sehr grosse. Zwischen 600 und 1000 Personen fahren jeweils in den Zügen mit. «Wir können nicht Verantwortung übernehmen, wer in den Fanzug einsteigt», gibt er zu bedenken.

Neues Gesetz in Planung

In Basel ist man mit dem Modell, einer Mischung aus Selbstverantwortung und externer Kontrolle, zufrieden. Dennoch könnte es sein, dass der Basler Club bald mehr Verantwortung übernehmen muss. Der Bund arbeitet nämlich eine Vorlage aus, um die gesetzliche Transportpflicht der SBB aufzuheben. Im Frühsommer geht die Vorlage an den Bundesrat.

«Die Clubs sollen für Schäden haften, welche ihre Fans im öffentlichen Verkehr verursachen», erklärt Andreas Windlinger, Sprecher des Bundesamts für Verkehr.

Möglich wäre bei einer Gesetzesänderung, dass die SBB eine vertragliche Basis für Fanzüge verlangen. Nach dem Motto: Wer nicht unterschreibt, wird nicht transportiert.

Meistgesehen

Artboard 1