Ärger im Garten
Basler Garten-Streit weckt in Allschwil alte Ängste

Allschwiler Gartenfreunde warnen: In Allschwil wurden vor zehn Jahren auf dem zentral gelegenen Wegmatten-Areal auf einen Schlag 110 Gärten aufgehoben. Das Areal ist zu einem «Hundescheissplatz» verkommen.

VON JÜrg Gohl
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Familiengärten

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Martin Töngi

Eine offizielle Parole massen sie sich nicht gleich an. Aber die Familiengärtner vor den Toren Basels verfolgen die Diskussionen um die Basler Familiengarteninitiative, über die am 15. Mai abgestimmt wird, höchst aufmerksam. Und sie kommen, wie ihre Basler Kollegen, zu verschiedenen Schlüssen. «Ich bin froh um den vorgeschlagenen Kompromiss. Damit wird niemand aus dem Paradies vertrieben», sagt zum Beispiel Joost Oerlemans, der Präsident des Oberwiler Familiengärtnervereins Lettenmatt. «Ich bin grundsätzlich für den Erhalt aller Gärten», hält ihm Peter Schmid entgegen, der Co-Präsident der Allschwiler Familiengärtner.

Oerlemans, der zur Minderheit der Rüebli-Gärtner zählt, die den Garten hauptsächlich nutzen, um im grossen Stil eigenes Gemüse zu ziehen, begründet seine Haltung mit der eher nachlassenden Nachfrage. Freie Parzellen sind zwar rar, wie allein schon ein Blick in die entsprechenden Verzeichnisse zeigt, doch Peter Schmid ist überzeugt, dass dies auch am relativ hohen Preis für einen Garten liegt. Tatsächlich muss jemand, der auf Oerlemans’ Areal eine Parzelle mitsamt dem Haus übernehmen will, je nach Ausstattung zwischen 10000 und 40000 Franken bezahlen. «Aber wir sind mit unseren gut ausgebauten Häusern die Ausnahme», stellt der Präsident klar.

Ärger statt Freude

Bei den Allschwiler Gärtnern weckt die aktuelle Gartendebatte im Nachbarkanton eine sehr böse Erinnerung an ihr ehemaliges Wegmatten-Areal. Vorausgesetzt der Gegenvorschlag der Regierung obsiegt an der Urne, so verschwinden in den kommenden 20 Jahren insgesamt 300 Parzellen. In Allschwil wurden vor rund zehn Jahren auf dem zentral gelegenen Wegmatten-Areal auf einen Schlag 110 Gärten aufgehoben. Einige Gärtner erhielten wohl einen Ersatzgarten in Basel oder aber auf dem Allschwiler Areal Lörzbach und mussten dabei allerdings einen Neuanfang in Kauf nehmen.

Doch mehr als die Hälfte ging damals leer aus. «Für viele von ihnen war der Garten ihr Ein und Alles», sagt Peter Schmid. Daneben verkommt es direkt zur Nebensache, dass der Verein einen beträchtlichen Mitglieder- und damit Einnahmeeinbruch erlitt.

Umso mehr ärgern sich Schmid und sein Co-Präsident Alfred Gambon heute darüber, was aus dem einst stolzen Gartenareal geworden ist: «ein Hundescheissplatz, nicht mehr», sagen beide unabhängig voneinander ohne Umschweife. Gleich zweimal wurde ein grosses Bauprojekt, das auf dem Gebiet der ehemaligen Gärten vorgesehen gewesen war, von den Allschwilern an der Urne abgeschmettert. Noch immer verspüre er eine Wut, wenn er am ehemaligen Areal vorbeispaziere, sagt Alfred Gambon, «das ist eine Schweinerei.» Damit dürfte er kaum die Hundespuren in den Gemüsebeeten von einst meinen.

Vor dem Verschwinden bedroht?

Dass den Allschwilern Ähnliches ein zweites Mal widerfahren könnte, glauben die beiden weniger. Langfristige Pachtverträge mit der Gemeinde und die Lage ausserhalb des lukrativen Wohngebiets an der Grenze zu Schönenbuch versprechen vorerst einen Schutz. 2019 aber läuft der Vertrag für das Areal beim Wasserturm ab. Dann ist bei den Gärtnern Diplomatie angesagt. Es wird dann erneut um die Frage gehen, ob einträglichem Wohnraum oder einem Gartenareal, das derzeit bei durchschnittlicher Grösse den Hobbygärtner pro Areal rund 300 Franken an Pacht und Wasserzinsen kostet, der Vorzug gegeben werden soll.

Dass Gartenareale über kurz oder lang aber nicht nur in Allschwil verschwinden oder bestenfalls an den Rand des Wohngebiets verbannt werden, liegt für Schmid und Gambon, aber auch für Oerlemans auf der Hand. Als mögliches erstes Opfer an der Grenze zu Allschwil nennt Schmid das Areal in der Nähe des Schwimmbads Bachgraben im boomenden Gewerbegebiet; Gambon tippt auf die Gärten an der Parkallee.

Nicht ganz zufällig befinden sich die grossen Gartenareale, nicht nur im Fall von Basel, in Stadtnähe. Sie sollten einst dazu beitragen, dass sich die Stadtfamilien günstig und gesund ernähren und an die Luft begeben konnten. Heute wird zu Rasen- statt Rüeblisamen gegriffen. Der Garten wird immer mehr zur Stadtoase, in der man sich erholt. Im Gegensatz zum leidenschaftlichen Züchter und Pflanzer Oerlemans entspricht dessen Amts- und Hobbykollege Peter Schmid ziemlich dem Durchschnittsgärtner: je ein Drittel Rasen, Gemüsebeete und Haus mit Umschwung.