Eine schlanke Frau mit langen, blonden Haaren sitzt in einem weissen Bikini auf einer Holzterrasse, hält ihr Gesicht in die pralle Sonne und geniesst mit geschlossenen Augen die heissen Strahlen. Diese Strandszene auf einem Plakat lässt in jedem den Wunsch nach Sommerferien aufkommen.

Sieht man genauer hin, ist plötzlich die dunkle Seite des Sonnenbads ohne Hut und Brille zu erkennen. Der Schatten des Frauenkörpers, der sich hinter ihrem Rücken abzeichnet, formt sich zum riesigen Krebs, der seine Zangen ausfährt. Das auf den ersten Blick ansprechende Poster vermittelt dem Betrachter ein bedrohliches Gefühl.

So will es der Erfinder des Plakats, schliesslich leistet er damit seinen Beitrag zur Hautkrebs-Vorsorge. Der Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) hatte letztes Jahr einen Grafik-Designer-Wettbewerb zu einer Krebs-Vorsorge-Kampagne lanciert – gewonnen hat ihn der Basler Grafiker-Lehrling Andreas Stebler. Der 19-Jährige war baff, als er von seinem Sieg erfahren hat. «Ich war in den Skiferien in Zermatt und wollte grade auf den Gornergrat fahren, als mich eine Mitarbeiterin anrief und mir vom Sieg berichtete.»

Recherche zum Thema Krebs

Auf die Kampagne ist Stebler im Internet gestossen, nachdem ihn seine Lehrmeisterin ermuntert hatte, mal an einem Wettbewerb teilzunehmen. «Als Lehrling erhalte ich von meiner Chefin fiktive Aufträge, die ich neben alltäglichen Aufgaben ausführen soll. Statt eines Auftrags, der dann nicht in die Realität umgesetzt wird, dachten wir, ich könnte an einem Wettbewerb teilnehmen.»

Andreas Stebler machte sich im vergangenen Oktober also durch Recherchen im Internet über die Themen Hautkrebs und Vorsorge schlau. Zusammen mit der Lehrmeisterin habe er verschiedene Möglichkeiten für die Darstellung des Sujets ausgearbeitet.

«Wichtig ist, dass das Bild zusammen mit dem Hintergrund eins wird und dass jeder, egal welche Sprache er spricht, die Aussage versteht», sagt Stebler. Auf dem Tisch lagen schliesslich Zeichnungen eines verbrannten Toasts oder die Idee, einen lebendigen Krebs zu fotografieren. Zusammen mit der Lehrmeisterin habe er sich dann für das Gewinner-Bild entschieden.

Faszination für Schrifttypen

Am Wettbewerb des BVDD teilgenommen hat Andreas Stebler nicht in erster Linie, weil er diesen unbedingt gewinnen wollte. «Ich hatte keine Ahnung, wer die anderen Teilnehmer sind.» Es hätten ja alles Design-Studenten sein können, die gerade ihre Lehre abgeschlossen haben. «Ich sah den Wettbewerb als Teil meines Lernprozesses.» Die Freude über den ersten Preis ist umso grösser: «Ich sehe ihn als Bestätigung, dass ich meine Arbeit richtig mache.»

Als Grafiker faszinieren Stebler die Ausarbeitung von Logos und Signeten für Websites, Werbung oder Apps, die er mit eigenen Schrifttypen gestalten kann. «Mit gefällt der Prozess, eine Arbeit mit der Hand zu zeichnen und bis zum Endprodukt zu führen», erklärt der Grafiker-Lehrling. «Nur am Computer zu arbeiten, ist nichts für mich.» Was er mit dem Preisgeld macht – als Sieger heimste er 1500 Euro ein – weiss er noch nicht. «Ich lege es zuerst einmal auf meinem Sparkonto an», lacht er.