Die 1925 in Zofingen AG geborene Künstlerin, die von 1951 bis 1960 mit Jean Tinguely verheiratet war, befasste sich in den 50er Jahren vorerst mit Kohlezeichnungen, gestickten Bildern und Handpuppen. In Paris, wohin sie 1952 mit Tinguely zusammen hinzog, lernte sie Pontus Hulten, Pierre Restany, Yves Klein, Iris Clert, Niki de Saint-Phalle und Soto kennen.

Schon damals war ihr Thema der verzweifelte Mensch. Nach der Trennung von Tinguely begann sie mit grossformatigen, schwarzweiss dominierten Gemälden: Totentänze, Gerippe, Skelettberge, Köpfe, Schädel, Hände. Die Motivwahl brachte ihr das Etikett "Malerin des Todes" ein.

Und dann die berühmten lebensgrossen Stofffiguren: einzelne Gestalten sowie inszenierte Gruppen mit bis zu 48 Figuren, beispielsweise "La Table", "Groupe 48" oder "Hommage à Amnesty International".

Auch im Umfeld der Pop-Art, des Nouveau Réalisme und der Minimal Art blieb Eva Aeppli ihrer eigenen textilen Kunst treu und bewahrte eine bewundernswerte Eigenständigkeit. Ihr Anliegen blieb ein eminent humanes: Die Opfer des Faschismus und des Zweiten Weltkriegs im Auge, schuf sie ein "memento mori" von höchst beunruhigender Ausdruckskraft.

Die Wende vom Tod zum Leben

Ab 1975 gewann ihr Werk mit den ausdrucksstarken Bronzeköpfen eine ruhige und lebensbejahende Note. "Waren ihre Werke früher Mahnmale und Bannstücke gegen die Erniedrigung, sind sie heute Botschaften für die Achtung der Menschenwürde", schrieb Konservator André Kamber 1994 im Katalog zur Retrospektive "Eva Aeppli" im Kunstmuseum Solothurn.

Der Zäsur von 1975 war eine tiefe Lebens- und Schaffenskrise vorausgegangen. Unter Anleitung des Astropsychologen Jacques Berthon begann Aeppli sich intensiv mit den Zusammenhängen des Kosmos und dem Sinn menschlicher Existenz zu befassen.

Es entstanden Stoff-Köpfe mit menschlichen Gesichtern, die Aeppli in Bronze giessen liess. Sie schuf ganze Zyklen davon und nannte sie die Gruppen der "Planeten", der "menschlichen Schwächen" und "Sternzeichen".

Werk online abrufbar

Am 2. Mai 1925 in Zofingen AG geboren, wuchs Eva Aeppli in Basel auf. Hier besuchte sie die Rudolf Steiner Schule, an der ihr Vater als Lehrer tätig war. An der Kunstgewerbeschule lernte sie Jean Tinguely kennen, mit dem sie bis zu dessen Tod 1996 verbunden blieb. Seit 1953 lebte die Künstlerin in Frankreich, zunächst in der Nähe von Paris, am Schluss in Honfleur in der Normandie.

Seit 2012 ist ihr Werk online abrufbar. Das von Susanne Gyger erstellte Verzeichnis wurde publiziert vom Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft (SIK-ISEA) in Zürich. Es enthält 422 Nummern mit exakten Angaben zu Titel, Technik, Entstehungsjahr und aktuellem Standort.