Theater

Basler mit Hauptrolle in deutschsprachiger Erstaufführung von Harry-Potter-Theaterstück

In J. K. Rowlings Theaterstück «Harry Potter und das verwunschene Kind» schlägt sich der Nachwuchs mit einem alten Problem herum.

In J. K. Rowlings Theaterstück «Harry Potter und das verwunschene Kind» schlägt sich der Nachwuchs mit einem alten Problem herum.

«Ich konnte es kaum glauben!» – Mathias Reiser besetzt eine Hauptrolle in der deutschsprachigen Erstaufführung des Harry-Potter-Theaterstücks.

Basler Dialekt! Am Telefon ist das geschliffene Bühnendeutsch schnell vergessen, wenn Mathias Reiser von seiner ersten grossen Rolle erzählt: In Hamburg wirkt der 26-jährige Schauspieler in «Harry Potter und das verwunschene Kind» mit. Er verkörpert Scorpius Malfoy, der 19 Jahre nach dem Ende der Romanreihe zum besten Freund von Harry Potters Sohn Albus wird.

Glückwunsch zu Ihrem Engagement! Wie landet man eine solche Rolle?

Mathias Reiser: Ich hatte vier Jahre Musical studiert in Berlin, und da hing in einem Theaterflur ein Schild, auf dem Schauspieler für «Harry Potter und das verwunschene Kind» gesucht wurden. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht einmal, dass es ein solches Stück gibt. Alle meine Freunde sagten: «Oh mein Gott, ich muss unbedingt da hin!» Ich dachte mir dagegen: Naja, vielleicht irgendwann einmal. Aber dann wurde ich von meiner Agentur ermuntert, dort vorzusprechen. Das habe ich gemacht, es lief auch ganz gut – und plötzlich war ich Cover.

Sie waren – was?

Ein Cover. Das ist ein Ersatz, der bei Krankheitsfällen oder in den Ferien für eine Hauptrolle einspringt. Auch in der zweiten Runde kam ich als Cover weiter. Nach der dritten Runde erhielt ich dann telefonisch Bescheid, dass ich als Hauptdarsteller für die Rolle von Scorpius Malfoy auserwählt worden war. Ich konnte es kaum glauben!

Wären auch andere Rollen in Frage gekommen?

Ja, es war ein offenes Casting, ich konnte für Scorpius und Albus, Harry Potters Sohn, vorsprechen. Aber erst am Ende des Telefonats kam heraus, dass ich nicht als Ersatz für eine der beiden Rollen gebucht war, sondern fix für Scorpius.

Der magische Hut hatte also gesprochen! Hätten Sie selber auch so entschieden?

Ich fand selber auch, dass die Rolle von Scorpius besser zu mir passt. Sie macht sehr viel Spass beim Spielen, weil die Figur sowohl introvertiert als auch extrovertiert ist – Eigenschaften, die ich an mir wiedererkenne. Deshalb war es der richtige Entscheid, auch für mich.

In den englischsprachigen Aufführungen entpuppte sich Scorpius ja als Publikumsfavorit. Stehlen Sie Harry Potter und Sohn jetzt die Show?

Nein, das glaube ich nicht. Die Figur von Scorpius ist zwar so angelegt, dass er zum Publikumsliebling taugt, mit seinen Macken und allem. Aber die Darsteller von Albus und Harry Potter spielen wirklich sehr gut, sie bekommen genauso viel Lob wie ich.

Es gab schon eine Generalprobe und ihr befindet euch jetzt mitten in den Voraufführungen. Wie sind die Reaktionen?

Ich habe das Gefühl, dass es supergut ankommt. Wir haben vier Monate geprobt, und bei der Generalprobe ist das Publikum ausgeflippt! Nach jeder Szene gab es Applaus. Bei den aktuellen Voraufführungen, bei denen nicht nur Verwandte und Freunde im Publikum sitzen, gab es natürlich etwas weniger Reaktionen, aber das Feedback am Ende der Show ist immer sehr positiv.

Es soll ja auch eingefleischte Harry-Potter-Fans geben, die das Stück nicht mögen.

Man kann es nie allen recht machen. Aber ich glaube, dass gerade Harry-Potter-Fans am meisten Freude haben werden, eben weil sie mit dieser Welt so vertraut sind: Das Stück ist voller Anspielungen auf die Bücher.

Haben Sie selbst die Bücher gemocht?

Ja, sicher. Ich habe die Bände drei bis sieben gelesen und während der Proben die Vorgeschichte mit Hörbüchern aufgeholt. Es ist eine sehr schöne Welt… Und jetzt bin ich selber ein bisschen Teil von diesem Universum.

Aber noch einmal von vorn: Wie kommt ein Muggel aus Basel überhaupt in ein Harry-Potter-Theaterstück?

Nach meiner Matur am Gymnasium Leonhard dachte ich mir, dass ich gerne etwas mit Musik machen würde. Ich hatte mit einem Jazz-Studium angefangen, dann aber einen Musical-Workshop in Luzern besucht. Ich dachte mir: Als Jazzsänger muss ich schon ein Star sein, damit ich meinen Lebensunterhalt bestreiten kann, ohne unterrichten zu müssen. Beim Musical ist das anders. Als ich das Vorjahr absolvierte, hat es sofort Klick gemacht. Das Schauspiel wurde immer wichtiger, ich merkte, wie ich mich ausdrücken kann, wenn ich mich in Rollen fallen lasse. Darauf habe ich mich in Berlin und Wien beworben, beides hätte geklappt. Entschieden habe ich mich dann aber doch für Berlin.

Jetzt sind Sie nach Hamburg weitergezogen. Wie ist das, ständig auf Achse zu sein?

In meinem ersten Jahr in Berlin wurde mir bewusst, dass dieser Beruf sehr viel Zeit braucht. Und dass ich mein ganzes Herz hineinstecken muss, wenn ich das machen will. Deshalb ist es auch schwierig, einen Fuss in der Schweiz zu behalten, ich möchte lieber dort leben, wo meine Leidenschaft ist. Und die war eben in Berlin, wo ich mit meiner Freundin eine Wohnung habe. Natürlich werde ich den Kontakt zu Basel, meinen Freunden und meiner Familie aufrechterhalten, jetzt geht es aber erst mal weiter mit dem Job in Hamburg.

Und ist dieser Job befristet?

Ich glaube, das Stück wird sehr lange gespielt werden, ich bin aber «nur» für zwei Jahre engagiert – bis Oktober 2021. Danach sehen wir weiter. Die Herausforderung wird sein, immer wieder etwas Neues auszuprobieren, damit die Rolle weiterwächst. Aber ich glaube, zwei Jahre am Stück sind für ein Theaterstück genug. Ich könnte mir vorstellen, dass ich danach an verschiedenen Orten vorsprechen und monatsweise mal in München, mal in Stuttgart, oder wo auch immer mich der nächste Job hinführt, arbeiten werde.

Wie stehen die Chancen, dass Sie auch in Basel auftreten werden? Dem Musical Theater geht es derzeit ja nicht gut…

Das wusste ich nicht, schade. Ou, Mann! Ich habe meiner Agentur gesagt, dass sie mich unbedingt informieren sollen, falls es einmal eine Rolle in der Schweiz geben sollte. Und Basel wäre das absolute Highlight.


Deutschsprachige Erstaufführung: 15. März, Theater Hamburg. www.harry-potter-theater.de

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