Die Raucher-Situation in Basel bleibt paradox: Zwar sprach sich das Stimmvolk hauchdünn dafür aus, eines der strengsten Nichtrauchergesetze der Schweiz beizubehalten. Trotzdem hat man wegen der Fümoar-Beizen den Eindruck, dass überall geraucht wird.

Mobilisierung hat nicht geklappt

Daran wird sich so schnell nichts ändern, denn die Fümoar-Wirte – und ihre Gäste – denken nicht ans Aufgeben. «Wir machen einfach weiter wie bisher», sagt Georgette Hunziker. Die Wirtin des Restaurants Schafeck am Schafgässlein im Kleinbasel ist schwer enttäuscht vom Abstimmungsresultat: «Wir haben gedacht, dass wir die Leute wachrütteln konnten. Aber es hat offensichtlich nicht gereicht.» Aus dem Fümoar-Verein auszusteigen und ihr Restaurant rauchfrei zu machen, ist für sie aber keine Option.

Hunziker will Fümoar-Vereinsmitglied bleiben, bis das Bundesgericht in der Frage entschieden hat. Sie sei Optimistin, sagt sie, doch die Entscheidung des Stimmvolks gebe ihr schon zu denken: «Ich frage mich schon, wo die stolzen Schweizer geblieben sind, die auf der ganzen Welt herumposaunen, dass sie sich nichts vorschreiben lassen.»

Wirte bleiben Fümoar treu

Schon lange vor der Abstimmung vom letzten Sonntag hatte Fümoar-Sekretär Thierry Julliard angekündigt, dass der Verein bis vors Bundesgericht gehen werde, wenn das Volk die Wirte-Initiative ablehnt. Jetzt wo dieser Fall eingetreten ist, scheinen ihm die Vereinsmitglieder zu folgen. Sie wisse von keinem anderen Betrieb, der jetzt aus dem Verein aussteigen wolle, sagt etwa Astrid Zankl, Besitzerin des Restaurants Stänzler an der Feldbergstrasse. Seelenruhig zündet sie sich eine Zigarette an und setzt sich an den Tisch zu ihren Kunden. «Wir rauchen einfach weiter. Was können wir anderes tun?»

Ähnlich tönt es auch bei Rosmarie Saxer vom Restaurant Schiefes Eck: «80 Prozent unserer Kundschaft sind Raucher. Wo sollen die denn alle hin?» Ihr Chef, Restaurant-Verwalter Markus Thommen, ergänzt: «Unsere Gäste sind keine Gutmenschen, die weder rauchen noch trinken. Das funktioniert nur mit dem Fümoar-Modell.»

Wut über Riehen und Bettingen

Die Basler Raucher wollen sich nach der verlorenen Abstimmung ganz offensichtlich nicht geschlagen geben. Der Eindruck entsteht, dass sie jetzt noch näher zusammenrücken, um für ihre Anliegen zu kämpfen. Unter die demonstrativ an den Tag gelegte Gelassenheit mischen sich aber auch bittere Töne: «Wir haben wegen der Nichtwähler sowie wegen Riehen und Bottmingen verloren», sagt «Schafeck»-Wirtin Hunziker. Wut über die zwei kleinen Gemeinden ist oft zu hören. «Die leben ganz einfach anders als wir in der Stadt», fasst ein Gast im Restaurant Manger & Boire zusammen.

Am Mittwoch trifft sich der Verein Fümoar zu einer ausserordentlichen Sitzung. Eine Fortsetzung im Basler Raucher-Streit folgt also bestimmt.