Basel

Basler Sponsoring-Offensive: Unis nutzen Sponsoring vermehrt als Geldquelle

..

Universitäten nutzen Sponsoring vermehrt als Geldquelle. Jetzt schalten sich Bundesrat Johann Schneider-Ammann und Regierungsrat Christoph Eymann in die Diskussion ein.

Bundesrat Johann Schneider-Ammann trifft am Donnerstag die beiden Basler Christoph Eymann, Erziehungsdirektor und Präsident der Schweizerischen Universitätskonferenz, sowie Antonio Loprieno, Präsident der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten.

Thema der Unterredung: Das zunehmende Sponsoring der Hochschulen durch grosse Unternehmen, Stiftungen und Privatpersonen.

Dies bestätigt Ruedi Christen, Sprecher von Schneider-Ammann, gegenüber der «Schweiz am Sonntag».

Auslöser der heutigen Debatte war die Bank UBS, die zu ihrem 150-Jahr-Jubiläum bis zu 100 Millionen Franken an die Universität Zürich zahlt.

Vertraglich ist festgehalten, dass mit dem Geld ein «UBS International Center of Economics in Society» mit bis zu fünf Lehrstühlen errichtet wird.

In einem «Zürcher Appell» haben 27 Schweizer Professoren, darunter Gottfried Schatz und Andreas Brenner aus Basel, das UBS-Sponsoring im Februar heftig kritisiert: Die Universität lasse es zu, dass die Bank die Hochschule «als Interessensplattform» benutze, was nichts mit Forschung, sondern «einzig mit Marketing» zu tun habe.

Da universitäre Forschung teuer ist, setzen die Hochschulen zunehmend auf privates Sponsoring.

So hat die ETH Zürich Foundation im vergangenen Jahr 58 Millionen Franken bei privaten Geldgeber acquiriert.

Bei der Universität Basel sind es rund 30 Millionen Franken im Jahr, rund fünf Prozent des Budgets. Bekannt ist etwa die Professur für Health Economics, die der Pharmaverband Interpharma finanziert.

Wie die einzelnen Hochschulen mit dem Thema Sponsoring umgehen, liegt in ihrer Kompetenz. Die Akademien der Wissenschaften Schweiz wollten zusammen mit der Rektorenkonferenz einheitliche Richtlinien erarbeiten.

Diese Woche erhielten die Akademien jedoch einen Absage-Brief von Präsident Loprieno: Die Hochschulen lehnten einheitliche Richtlinien ab. Konsterniert will der Akademien-Vorstand nun Ende Oktober das weitere Vorgehen besprechen.

Angesichts der Konfusion möchte Eymann am Treffen mit Schneider-Ammann die Idee einer Selbstregulierung lancieren: Das «Center for Philanthrophy Studies» (CEPS) der Universität Basel soll als «gesamtschweizerisches Kompetenzzentrum» eingesetzt werden, wie Hochschulen mit Sponsoren umgehen sollen. «Das CEPS kann hier eine wichtige Funktion übernehmen», sagt Eymann.

Das 2008 gegründete CEPS befasst sich mit seinem Schwerpunkt Philanthropie mit der Wissenschaftsförderung durch Private und Unternehmen. CEPS-Professor Georg von Schnurbein verweist auf ein neues Projekt.

So startet das Center im September ein Befragung unter den Schweizer Hochschulen, wie sie derzeit das Sponsoring regeln.

Schnurbein ist gegen einheitliche Richtlinien, weil sie entweder zu allgemein gehalten oder dann zu detailliert wären, um der Vielfalt der privaten Geldgeber gerecht zu werden. Jede Universität habe eine eigene Tradition.

Für Bundesrat Schneider-Ammann ist klar: «Die Wahrung der Freiheit von Lehre und Forschung muss grundsätzlich das oberste Gebot sein, also auch dann, wenn es um private Mittel geht.»

Meistgesehen

Artboard 1