Basler Strafgericht
Bedingte Haftstrafen oder Freispruch: Das fordern Staatsanwaltschaft und Verteidigung im Waaghof-Prozess

Am zweiten Prozesstag stellten sowohl die Basler Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung der vier Angeklagten ihre Forderungen.

Silvana Schreier
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Am Dienstagabend versammelten sich rund 60 Personen zu einer Demonstration vor dem Basler Strafgericht. Sie wollten zudem der verstorbenen Nalika M.* gedenken.

Am Dienstagabend versammelten sich rund 60 Personen zu einer Demonstration vor dem Basler Strafgericht. Sie wollten zudem der verstorbenen Nalika M.* gedenken.

Kenneth Nars

Nalika M.* versuchte, sich in der Sicherheitszelle im Untersuchungsgefängnis Waaghof in Basel das Leben zu nehmen. Ein Traineroberteil war ihr Strick. Vier Beschuldigte müssen sich seit Dienstag vor dem Strafgericht verantworten, da ihnen fahrlässige Tötung durch Unterlassen sowie Aussetzung vorgeworfen wird. Sie hätten zuerst nicht auf die Notsituation der aus Sri Lanka stammenden 28-Jährigen reagiert. Erst nach dreizehn Minuten und drei Sekunden begann ein Gefängnisaufseher mit den Reanimationsmassnahmen.

Der zweite Prozesstag am Mittwochvormittag stand im Zeichen der Plädoyers von Verteidigung und Staatsanwaltschaft. Letztere forderte in allen vier Fällen einen Schuldspruch. «Das Verfahren trägt eine bleierne Schwere für alle. Es kann nur Verlierer geben, egal, wie es ausgeht», begann der Staatsanwalt seine Rede. Für ihn ist klar, dass Nalika M. «in den Armen des Staates» verstorben sei. Darum seien die Angeklagten vor Gericht.

«Sie waren als Vertreter des Staates verpflichtet, die Frau ausreichend zu schützen.»

Bedingte Strafen gefordert

Weiter fragt der Staatsanwalt, ob die Aufseher das Mögliche getan hätten, was von ihnen erwartet werden könnte? «Nein», antwortet er selbst. Nach dem Losschneiden vom Strang hätten die Mitarbeitenden professionelle medizinische Hilfe rufen müssen. Dafür brauche es keine spezielle Ausbildung.

Die Staatsanwaltschaft fordert für drei Beschuldigte 9 Monate, 7,5 Monate und 7 Monate Haft sowie für eine weitere Angeklagte eine Geldstrafe über 180 Tagessätze in angemessener Höhe. Sämtliche Strafen sind bedingt auszusprechen und mit einer Bewährung auf zwei Jahre zu versehen.

Freispruch oder Weiterzug

Die Verteidiger der vier Angeklagten jedoch verlangten in sämtlichen Anklagepunkten einen Freispruch. «Uns passieren allen stets Unvorsichtigkeiten. Es geht nicht darum, ob meine Mandantin sorgfaltswidrig gehandelt hat», so Christian von Wartburg. Sondern die Angeklagte habe die Notsituation nicht erkannt, da sie zu wenig geschult gewesen war.

Anwalt Daniel Wagner ergänzt für seinen Klienten: «Man muss sich der Situation im Gefängnis bewusst sein. Da ist nichts alltäglich.» Man könne von den Angestellten kein perfektes Verhalten verlangen. Zudem kündigt Wagner vorsorglich an: Sollte das Gericht den Forderungen der Staatsanwaltschaft folgen, sehe er sich gezwungen, den Fall weiterzuziehen.

Das Gericht nutzt die kommenden Tage für die Beratung. Das Urteil wird am Freitag gefällt und bekanntgegeben.

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