Basler Strafgericht
Sprayer am Walkeweg in flagranti ertappt, doch die Beweislage für ein Dutzend ähnlicher Schmierereien war schwach

Ein 24-Jähriger wurde in flagranti beim Sprayen erwischt und musste sich am Freitag vor dem Basler Strafgericht verantworten.

Patrick Rudin
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Ein Basler Sprayer, der in flagranti erwischt wurde, kommt vor Gericht eher milde davon.

Ein Basler Sprayer, der in flagranti erwischt wurde, kommt vor Gericht eher milde davon.

Symbolbild: Severin Bigler

Der Mitarbeiter der Securitrans war über den Anblick gar nicht erfreut: An einem späten Sonntagabend im Februar 2020 beobachtete er zwischen den Rangiergeleisen beim Basler Walkeweg zwei Personen, die sich den Wänden entlang bewegten und vermutlich Züge besprayten. Als die Polizei eintraf, rannten beide weg. Einer der Männer kletterte gar noch über einen Zaun, wurde dann aber von der Polizei gestellt und sass für zwei Tage in Haft. Der 24-jährige Mann musste sich am Freitag vor dem Basler Strafgericht verantworten. Dem Zweiten gelang unerkannt die Flucht.

Dass er an jenem Abend eine abgestellte S-Bahn mit dem Schriftzug «MiST» besprayt hat, gab der Mann zu. Ansonsten machte er aber keine Angaben zu seiner Person, und auch die restlichen Vorwürfe bestritt er. Diese hatten es in sich: Die Staatsanwaltschaft warf ihm nämlich weitere 13 Sprayereien zwischen 2018 und 2020 vor, bei denen derselbe Schriftzug aufgetaucht ist. Hauptsächlich ging es dabei ebenfalls um Züge zwischen Muttenz und Basel, aber auch um Lärmschutzwände bei der Schwarzwaldbrücke, um eine Transformatorenstation der IWB beim Schützengraben oder abgestellte Züge in Luzern. Insgesamt resultierte ein Sachschaden von rund 75'000 Franken.

Bundesbahnen zogen Strafantrag zurück

«Es gibt mehrere Leute in dieser Subkultur, da kann man nicht einfach sagen, das muss also auch er gewesen sein», kritisierte Verteidiger Andreas Noll. Alle Vermutungen über Ähnlichkeiten oder Unterschiede der Schriftzüge seien bloss Spekulationen. Dass sein Mandant etwa an einem Abend im November 19 sowohl in Basel als auch in Luzern gesprayt haben soll, hielt Noll gar für unmöglich.

Dem 24-Jährigen gelang es offenbar, die Bundesbahnen zum Rückzug des Strafantrages zu bewegen, Details dazu wurden nicht genannt. Allerdings hatten die SBB wegen des Vorfalles am Walkeweg einen Schaden von rund 3200 Franken geltend gemacht, es ist davon auszugehen, dass der Mann die Summe beglichen hat. Eine Verurteilung wegen Sachbeschädigung als Antragsdelikt war damit nicht mehr möglich.

Bedingte Geldstrafe und Busse

Bei den restlichen 13 angeklagten Fällen kam Einzelrichter René Ernst am Freitag zu Freisprüchen: Die Fotos der angebrachten Schriftzüge zeigten durchaus Gemeinsamkeiten, aber eben auch Unterschiede. Als klarer Beweis reiche das nicht.

Ganz ungeschoren kam der 24-Jährige aber trotzdem nicht weg: Er müsse sich zwar nicht selber belasten, dürfe aber bei einer Personenkontrolle der Polizei nicht einfach davonrennen, so Ernst. Wegen Hinderung einer Amtshandlung gab es eine bedingte Geldstrafe, zudem muss der Mann einen Teil der Verfahrenskosten übernehmen. Dazu kam eine Busse von 300 Franken für das unerlaubte Betreten des Bahnbetriebsgeländes. Den Fall kann er noch weiterziehen.