Basler Strafgericht
Streit und Schüsse in der Müllheimerstrasse: Angeklagter krank und unauffindbar, Gerichtsverhandlung platzt

Es war ein lauer Sommerabend an einem Samstag im Juni 2019: Plötzlich fielen in der Basler Müllheimerstrasse mehrere Schüsse, mehrere Männer prügelten sich. Das angeschossene Opfer flüchtete, die Schützen ebenfalls.

Patrick Rudin
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Es fielen mehrere Schüsse, Männer prügelten sich. Die Verhandlung am Dienstagmorgen platzte.

Es fielen mehrere Schüsse, Männer prügelten sich. Die Verhandlung am Dienstagmorgen platzte.

Symbolbild: Shutterstock

Wenig später nahm die Polizei zwei Männer an der Klybeckstrasse in der Nähe der St.-Joseph-Kirche fest, sie sassen zwei Monate lang in Untersuchungshaft.

Am Dienstag nun sollte die nächtliche Schiesserei vor dem Basler Strafgericht aufgearbeitet werden: Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es in dem Streit um alte Spielschulden ging, der Schuldner fühlte sich in die Enge getrieben und wollte seinem Gläubiger wohl klarmachen, dass er das Geld nicht zurückzahlen will.

Einem Mann wurde in den Fuss geschossen

Hauptangeklagter wegen versuchter vorsätzlicher Tötung ist ein heute 46-jähriger Mann aus dem Kleinbasel, als Mittäter ist sein 32-jähriger Cousin aus Biel angeklagt. Der 32-Jährige soll die Waffe besorgt und an jenem Abend mitgebracht haben, eine halb automatische Pistole M70 der Marke Zastava. Wer von den beiden Männern wie oft auf den Gläubiger, in die Luft oder auf den Boden geschossen hat, ist nicht so richtig klar.

Ein Dritter wollte vermitteln, konnte aber die Gemüter in jener Nacht offenbar nicht beruhigen. Der angeschossene Mann erlitt einen Durchschuss am Fuss.

Wöchentliche Meldungen bei der Polizei

Seit der Haftentlassung müssen sich beide Männer wöchentlich bei der Polizei melden, diese Auflage ist allerdings seit Beginn der Coronapandemie sistiert. Die Waffe war nicht registriert, beide Männer sind indes türkische Staatsbürger und dürfen sowieso keine Waffen legal erwerben. Nebst einer Strafe müssen sie auch mit einer Landesverweisung rechnen.

Der 46-jährige Hauptangeklagte erschien am Dienstagmorgen zur Hauptverhandlung nicht vor dem Basler Strafgericht, laut seinem Verteidiger ist er krank. Da Verfahren in Abwesenheit erst bei einer zweimaligen unentschuldigten Abwesenheit möglich sind, beantragte Verteidiger Alain Joset, die Verhandlung ganz auszustellen und neu anzusetzen. Doch das Gericht war vom eingereichten Arztzeugnis offenbar nicht so recht überzeugt und versuchte, den Mann von der Polizei zu Hause abholen zu lassen.

Verhandlung platzte definitiv

«Mein Mandant hat eine Magen-Darm-Grippe, er ist unverschuldet krank», kritisierte Joset. «Das sehen wir anders», entgegnete Gerichtspräsident Lucius Hagemann. Die Richter nahmen schliesslich nochmals Rücksprache mit dem Kantonsarzt, um abzuklären, ob das vorliegende Arztzeugnis tatsächlich zu einer Verhandlungsunfähigkeit führe.

Am späten Morgen platzte dann die Verhandlung definitiv: Die Polizei konnte den Mann zu Hause nicht antreffen, und auch der erste der vorgeladenen Zeugen erschien nicht zum Gerichtstermin. Die fünf Richter sistierten daraufhin die Verhandlung, beide Angeklagten werden sich zu einem späteren Termin vor Gericht verantworten müssen.

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