Kleinbrauereien
Basler Tüftler revolutionieren den Markt – mit einer Anlage für alkoholfreies Bier

Eine Kompaktanlage der FHNW ermöglicht Kleinbrauereien die Herstellung von alkoholfreiem Bier. Dieses herzustellen ist nämlich gar nicht so einfach.

Samuel Hufschmid
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Professor Wolfgang Riedi präsentiert den Prototyp einer Entalkoholisierungsanlage für Kleinbrauer.

Professor Wolfgang Riedi präsentiert den Prototyp einer Entalkoholisierungsanlage für Kleinbrauer.

Nicole Nars-Zimmer niz

Wieso gibt es Ueli Bier nicht auch alkoholfrei? Oder Unser Bier? «Weil die Anlagen zur Entalkoholisierung von Bier erstens sehr gross und zweitens sehr teuer sind», sagt Unser-Bier-Geschäftsleiter Luzius Bosshard. Abklärungen vor einigen Jahren hätten einen Kaufpreis von weit über 100 000 Euro ergeben – was für lokale Brauereien nicht refinanzierbar sei.

Dies könnte sich jedoch ändern, denn Forschern des Zentrums für Verfahrenstechnik an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) ist es gelungen, die bisher hallenfüllenden Anlagen auf eine handliche Grösse zu verkleinern und zu automatisieren, wie Leiter Wolfgang Riedl sagt. «Die Anlage ist dadurch deutlich günstiger geworden und für 50 000 bis 60 000 Franken zu haben. Zudem passt sie dadurch auch in kleinere Brauereien und könnte sogar auf Stör gehen und jeweils für die Produktion eines alkoholfreien Biers auf- und abgebaut werden.» Die Qualität sei hingegen dieselbe wie bei Grossanlagen, weil das zentrale Teil zur Abtrennung des Alkohols– eine Polymer-Membran – identisch sei.

Ueli und Unser Bier interessiert

Bei den Basler Brauereien stösst die Entwicklung auf grosses Interesse. «Wir sind gerne bereit, für die Testphase Ueli Bier zur Verfügung zu stellen», sagt Anita Treml von der Brauerei Ueli Bier. Weil Ueli Bier aber hauptsächlich in der Stadt getrunken werde und die Gäste deshalb häufig zu Fuss oder per öV unterwegs seien, sei die Investition in eine eigene Anlage dennoch zu hoch. «An einem Stör-Betrieb wären wir aber sehr interessiert.»

Bei der Brauerei Unser Bier ist das Interesse ebenfalls geweckt – wobei die Qualität gemäss Bosshard noch ein grosses Fragezeichen sei. «Wenn wir aber die Ersten sein könnten, die ein gutes, lokales, alkoholfreies Bier anbieten können, dann wäre das sehr interessant.»

Bereits investiert hat die Brauerei Rugenbräu aus dem Berner Oberland. Dort läuft seit einigen Jahren eine Vorgänger-Version der in Muttenz entwickelten Entalkoholisierungsanlage. «Wir sind sehr zufrieden mit der Anlage, es ist eine ideale Lösung für Kleinbrauereien», sagt Braumeister Ulrich Schmidt. Die Anlage laufe zuverlässig und die Qualität des alkoholfreien Biers sei hervorragend.

Hohen Alkoholgehalt senken

Im Gegensatz zur Rugenbräu-Anlage haben die FHNW-Forscher viel Arbeit in die Verbesserung der Steuerung und in die Automatisierung investiert. «Der aktuelle Prototyp läuft voll automatisiert, saugt das alkoholhaltige Bier aus dem Gärfass und pumpt es wieder dorthin zurück. Bis zu 600 Liter können so entalkoholisiert werden», sagt Riedl.

Nebst alkoholfreien Bieren sieht der Forscher auch ein Einsatzgebiet bei besonders stark alkoholhaltigen Bieren, mit denen derzeit viele Kleinstbrauereien experimentieren. «Einige India-Pale-Ale-Sorten entwickeln zwar unglaubliche Aromas, haben aber durch den speziellen Brauvorgang teilweise über zehn Prozent Alkohol. Diesen hohen Alkoholanteil können wir mit unserer Anlage auf ein trinkbares Niveau reduzieren, ohne negative Einflüsse auf den Geschmack.»

Wer den Unterschied selber testen möchte, kann die Sorten Rugenbräu
Lager Hell (mit Alkohol) und Rugenbräu alkoholfrei miteinander vergleichen.