BVB
Basler Verkehrsbetriebe verabschieden sich von den Biogasbussen

Biogasbusse waren gestern. Nun sind wieder Dieselbusse gefragt – um später vielleicht auf Strombusse umsteigen zu können.

Christian Mensch
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Die Bio-Klappe ist Basels neueste Errungenschaft im Wettstreit um den Ruf der umweltfreundlichsten Stadt. Der Bio-Müll, stadtweit gesammelt, werde zu Gas vergoren und als Treibstoff die Busse der Basler Verkehrsbetriebe (BVB) voranbringen, lobte kürzlich das Basler Amt für Umwelt und Energie (AUE) seine eigene Initiative. Mit der Energie von zwanzig Bananenschalen könne ein Auto einen Kilometer weit fahren. Den Energiefachleuten im Wirtschaftsdepartement scheint entgangen zu sein, dass sich die BVB bereits wieder vom Gasbus verabschieden.

Komplexes Thema

Auf die Frage der «Schweiz am Sonntag», ob es richtig sei, dass die BVB eine Ersatzbeschaffung mit 46 neuen Dieselbussen plane, lautete die simple Antwort der Pressestelle: «Ja.» Auf die Frage, weshalb nicht mehr auf Biogas gesetzt werde, hiess die Antwort: «Weil erstens gar nicht genug Biogas in genügender Qualität und zweitens zu vertraglich vereinbarten Konditionen vorhanden ist.» Vernichtender könnte der Ausstieg aus einer Antriebstechnologie nicht beschrieben werden. So deutlich wollten es die BVB allerdings auf Nachfrage nicht gesagt haben. Weitere Auskünfte verweigern sie mit dem Verweis auf eine Medienkonferenz, die demnächst stattfinden solle. Das Thema sei komplex.

Dabei ist der Ausstieg der BVB vor allem ein Politikum: Er stellt nicht nur das Vorzeigeprojekt der Bio-Klappen-Offensive infrage, er wirft auch ein Licht auf die fragwürdigen Umstände, unter denen die BVB das Biogas-Experiment überhaupt eingingen.

22 neue Dieselbusse

Rückblick: Vor rund zehn Jahren wollten die BVB ihre Busflotte vereinheitlichen, 22 neue Dieselbusse kaufen und die verkehrenden Gasbusse aus dem Verkehr ziehen. Ein Protest grüner öV-Politiker um den SP-Politiker Jörg Vitelli brandete auf. Er formierte sich in einem Komitee, da es gleichzeitig auch dem Trolleybus an den Kragen gehen sollte. Mit einer Initiative forderten Vitelli und seine Mitkämpfer den Erhalt und Ausbau der Strombusse.

Der damalige Wirtschafts- und BVB-Minister Ralph Lewin (SP) entwickelte daraufhin einen Gegenvorschlag, den selbst die Befürworter kaum durchschauten: Statt Trolley- und Dieselbusse sollten in Basel ausschliesslich Gasbusse zum Einsatz kommen, deren Treibstoff zur Hälfte aus einheimischem Biogas besteht. Das Bioargument überzeugte die Basler Stimmbevölkerung, die im Juni 2007 mit 57 Prozent der Vorlage zustimmte.

Erdgas-Lobby übernahm Kosten

Das vorbildliche Biogasprojekt war deutlich teurer als die ursprünglich geplante Dieselflotte. Doch Lewin hatte organisiert, dass die BVB den kleinsten Teil der Mehrausgaben selber schultern mussten. Den grössten Teil übernahm die Erdgas-Lobby, vertreten durch den Gasverbund Mittelland (GVM) und die IWB. Sie finanzierten den höheren Anschaffungspreis für die ersten 26 Busse in Höhe von rund 1,5 Millionen Franken und verpflichteten sich auch, den BVB das bei der Biopower Nordwestschweiz AG produzierte Biogas bis 2020 zu Vorzugskonditionen zu liefern.

Auch der Staat machte im verdeckten Subventionsspiel mit. Er finanzierte die Betankungsanlage und bestritt aus zwei Kassen drei Viertel der höheren Betriebskosten von anfänglich 200 000 Franken. Wie hoch die indirekten Subventionen sind, die seit Betrieb der Erdgas-/Biogas-Flotte der BVB zukamen, wollte die «Schweiz am Sonntag» von den Subventionsgebern wissen. Die IWB erklären sich nach zweitägiger interner Prüfung ausserstande, ihren Obolus zu beziffern. Als Begründung werden Vertraulichkeitsverpflichtungen gegenüber dem Lieferanten Biopower, dem Kunden BVB oder gegenüber dem Regierungsrat angeführt.

55'000 Franken aus dem Förderfonds

Stephan Herzog vom Amt für Mobilität erklärt, der jährliche Beitrag aus dem Förderfonds betrage «gemäss unserem Wissen» 55 000 Franken. Der zweite, grössere Betrag könne ab 2012 nicht mehr eruiert werden, da «dieser Posten in die Abgeltung an die BVB integriert» wurde. Im Jahr 2010 betrug er 110 000 Franken, im Folgejahr 130 000 Franken. Tendenz steigend.

Doch Zahlen liegen vor: Eine Studie der Firma Infras von 2006 hatte den Subventionsbedarf in den ersten Jahren auf jährlich 690 000 Franken berechnet. Und auch eine Prognose gewagt: Bei einer Umstellung der gesamten BVB-Flotte auf Erd-Biogas-Betrieb – wie im Abstimmungskampf versprochen – steigt der Subventionsbedarf ab 2015 auf jährlich über zwei Millionen Franken. Doch davon schrecken nun alle zurück.

Von fehlendem Biogas über logistische Schwierigkeiten bei der Betankung

Das eigentliche Argument, der Ausfall der Sponsoren, führen die BVB nicht als Begründung ins Feld, weshalb sie nicht mehr auf Gasbusse setzen. Sie sprechen lieber vom fehlenden Biogas (gegenüber der «Schweiz am Sonntag») oder logistischen Schwierigkeiten bei der Betankung (so gegenüber dem Grossen Rat).

Öko-öV-Betrieb

Die BVB locken mit dem übernächsten Flottenentscheid: Diesel sei nur die Übergangstechnologie, um auf strombetriebene Hybridbusse umsteigen zu können. «Gezielt» hätten sie die Einführung der Abgastechnologie Euro 6 abgewartet, unterstreicht die BVB-Medienstelle zudem die Unbedenklichkeit des Dieseltreibstoffs. Mit öffentlichkeitswirksamen Testfahrten von Hybridbussen betonen die BVB ihren Willen, sich weiter als Öko-öV-Betrieb zu positionieren.

Die neue Hybrid-Strategie vermag selbst den ehemaligen Trolleybus-Kämpfer Jörg Vitelli zu begeistern: Das Ziel seien strombetriebene Busse wie die per Volksentscheid abgeschafften Trolley, «einfach ohne Stromabnehmer».