Jazzfestival Offbeat
Faszinierend frische Klangerlebnisse – und ein ausverkauftes Haus

Das Jazztrio von Brad Mehldau aus den USA wusste am Sonntag im Basler Volkshaus von A bis Z zu beeindrucken. Das Konzert war ausverkauft und das Publikum erlebte eine Formation, die perfekt eingespielt ist.

Michael Gasser
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Brad Mehldau (Mitte) mit Larry Grenadier (rechts) und Jeff Ballard.

Brad Mehldau (Mitte) mit Larry Grenadier (rechts) und Jeff Ballard.

Zvg

«Erstmals seit zweieinhalb Jahren sind wir wieder ausverkauft», verkündet Urs Blindenbacher vor Konzertbeginn. Aber der künstlerische Leiter vom Jazzfestival Offbeat ist sich darüber im Klaren, dass angesichts der ungewissen Gesundheitslage ein volles Haus alles andere als selbstverständlich ist. Was sich nur schon daran ablesen lässt, dass Brad Mehldaus Show am Jazzfestival Groningen am Vortag einem kurzfristig verhängten Teillockdown in den Niederlanden zum Opfer gefallen war. «Geniessen wir also die sich bietenden Momente», so Blindenbacher.

Dies sind die Stichworte für das am Sonntagabend auftretende Trio, sich auf der Bühne im Volkshaus an die Instrumente zu setzen und ihr Set mit «All The Things You Are» zu eröffnen. Das Stück von Jerome Kern zählt zu den grossen Standards im Modern Jazz – nicht zuletzt, weil es sich bestens als Improvisationsgrundlage eignet. Was Brad Mehldau am Piano, Larry Grenadier am Bass und Jeff Ballard am Schlagzeug auch weidlich auszunutzen verstehen. Der 51-jährige Bandleader zeigt beim Song aus dem Jahr 1939 nicht bloss seine frappierende Fähigkeit zur Präzision, sondern auch seine Vorliebe für ungewöhnliche rhythmische Metren.

Der US-Amerikaner, der vor wenigen Wochen zum Professor an der Basler Hochschule für Musik gewählt worden ist, bevorzugt es, das Publikum in seinem Rücken zu wissen. Und je leiser er spielt, desto tiefer beugt er sich über seine Tasten. In der aktuellen Besetzung agiert das Trio bereits seit 2005, was mit sich bringt, dass die Formation geradezu perfekt eingespielt ist und die drei Musiker nicht länger Blicke austauschen müssen – man versteht sich blind. Alle drei sind auf ihre Rolle fokussiert: Während Bassist Grenadier als Dreh- und Angelpunkt der Musik fungiert, sorgt Drummer Ballard – oftmals mit der Zunge zwischen seinen Lippen – für kraftvolle bis stürmische Patterns. Eine sattelfeste Kombination, die Mehldau erlaubt, sich seiner Virtuosität zu widmen.

Die Musiker stacheln sich zu Höchstleistungen an

Obschon er auch ein Flair für Popsongs und namentlich die Beatles besitzt, steht bei diesem Auftritt der Jazz im Mittelpunkt. Auf «Gentle John», einer wohltemperierten Ode an den Gitarristen John Scofield, folgt «Moe Honk» mit seiner spiralförmigen Melodie, zu der sich die Musiker gegenseitig jagen und zu Höchstleistungen anstacheln. Zu den weiteren Highlights gehören überdies Vernon Dukes «Autumn In New York», das mit aufkeimender Melancholie kredenzt wird, sowie ein flirrendes Cover von Cole Porters «In The Still Of The Night», garniert mit Bossa-Nova-Rhythmen.

Dem gut 100-minütigen Konzert gelingt es, von A bis Z zu beeindrucken. Insbesondere, weil sich das Trio gegenseitig reichlich Raum gewährt und die dadurch entstehenden Freiheiten smart nutzt – zu inspirierten Soloausflügen, aber auch zu herausfordernden Harmonien. Für die letzte Zugabe, «Beatrice», wird Jorge Rossy, der bis 2005 als Schlagzeuger von Brad Mehldau agierte, auf die Bühne geladen. Mit ihm anstelle von Jeff Ballard verändert sich der Sound der Formation; er wird hörbar weicher und suchender. Was hingegen unverändert bleibt, ist das faszinierend frische Klangerlebnis, das dabei entsteht.

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