Bau- und Raumplanungskommission
Das teuerste Projekt in der Geschichte von Binningen

Die Gemeinde streitet über mögliche Einsparmöglichkeiten beim 51 Millionen teuren Schulcampus-Neubau im Dorfkern.

Patrick Rudin
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Binningen plant einen grossen Schulhausneubau im Zentrum. 51 Millionen Franken soll der neue «Schulcampus Dorf» kosten – es wäre die bislang grösste Investition in der Geschichte der Gemeinde.

Binningen plant einen grossen Schulhausneubau im Zentrum. 51 Millionen Franken soll der neue «Schulcampus Dorf» kosten – es wäre die bislang grösste Investition in der Geschichte der Gemeinde.

Visualisierung: Weyell Zipse & Hörner GmbH/bz Zeitung für die Region

Es ist das happige Preisschild, das beim Grossprojekt Schulcampus Dorf in Binningen seit Monaten für Diskussionen sorgt: 51 Millionen Franken soll der neue Schulraum mitsamt Sportanlagen, einem Dorfplatz, einer Einstellhalle sowie Schutzräumen kosten. Damit würde das Projekt zur bislang grössten Investition in der Geschichte von Binningen.

Im September 2020 überwies der Einwohnerrat das Geschäft wie üblich an die zuständige Bau- und Planungskommission (BPK), diese hat das Projekt seither an 15 Sitzungsabenden beraten. Das Fazit: Man könnte da und dort noch ein wenig sparen. Der alte Kalauer «Ist das Kunst oder kann das weg?» wurde mit einem simplen Ja beantwortet: Die Kommission möchte die vorgesehenen 300'000 Franken für «Kunst am Bau» streichen. Man solle doch bitte dafür lieber einen privaten Gönner suchen.

Abstriche möchte man auch bei der geplanten Einstellhalle vornehmen, zumindest ein bisschen: 76 Parkplätze erscheinen der Kommission als deutlich zu viele, 37 sollen reichen. Auch beim Baumaterial der Schule geht es billiger. So kam man zu Variante 1: Der Gesamtkredit würde bloss noch 49,4 Millionen Franken betragen.

Sechs Millionen weniger für abgespeckte Variante

Die Kommission schlägt aber auch eine deutlich günstigere Variante ohne grossen Dorfplatz vor: Der ganze Bereich bliebe in erster Linie ein Pausenplatz. Damit wären die Einsparungen noch grösser, das Projekt würde geschätzt 44,9 Millionen Franken kosten. Die BPK konnte sich allerdings nicht darauf einigen, welche Variante sinnvoller ist. Deshalb schlägt sie vor, dem Binninger Stimmvolk beide Varianten mit einem zusätzlichen Stichentscheid vorzulegen. Laut dem internen Rechtsdienst sowie der Landeskanzlei des Kantons ist dies zulässig, behauptet die Kommission. Die Konsequenz davon wäre allerdings, dass der Gemeinderat die Vorlage nochmals passend überarbeiten muss. Der Einwohnerrat soll deshalb zusätzliche 500'000 Franken als Planungskredit sprechen.

Der Bericht wirft auch die Frage auf, ob der Dorfplatz künftig nicht eher beim Schloss als beim Dorfschulhaus liegen sollte. Auch regt die BPK beim bestehenden Veloweg entlang der Curt-Goetz-Strasse eine neue Linienführung an. Da für die Hauptstrasse bereits Tempo 30 diskutiert wird, stellt sich so die Frage, ob es die parallele Veloroute überhaupt noch braucht. Roland Chrétien von Pro Velo sagt auf Anfrage, Tempo 30 sei zwar begrüssenswert, als Ersatz sei die Hauptstrasse aber nicht geeignet. «Für uns ist klar, dass der Ausbaustandard der Veloroute besser werden muss und nicht schlechter werden darf. Zusätzlich sollte man zusammen mit Basel-Stadt eine mögliche Umfahrung des Dorenbachkreisels prüfen und dabei auch mal gross denken», so Chrétien.

Wie gross in Binningen künftig geplant wird, diskutiert der Einwohnerrat am Montagabend. Eine Spezialkommission betonte bereits, dass das Projekt zwar finanziell tragbar sei, es aber für weitere anstehende Investitionen entweder eine Anpassung der Finanzordnung oder eine Lockerung der Schuldenbremse bräuchte.

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